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Saharastaub wirklich magnetisch? Experten lösen Rätsel um Wetterphänomen

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Von: Fabienne Schimbeno

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Die nächste Saharawolke rollt auf Europa zu. Im Netz werden wilde Verschwörungsmythen verbreitet, der magnetische Staub sei gar kein Naturphänomen – Unsinn! Das steckt wirklich dahinter:

Es ist ein faszinierendes wie auch beängstigendes Spiel der Natur: Der Himmel färbt sich gelb-rot ein, mancherorts fällt sogar „Blutregen“. Der nächste Saharastaub zieht über Deutschland, Experten geben erste Prognosen. Was für die einen ein reines Wetterphänomen ist, wird von den anderen für wilde Verschwörungsmythen ausgenutzt, denn: Der Saharastaub ist magnetisch. HEIDELBERG24* berichtet, was wirklich dahinter steckt:

WetterphänomenSaharastaub und Blutregen
UrsprungSaharawüste, Nordafrika
Auswirkungverfärbter Himmel und rötliche Niederschläge

Saharastaub: Von „Chemtrails“ bis „Bakterienschleuder“ – das glauben Verschwörungstheoretiker

„Was für ein Scheißdreck, dass sie sagen, dass das Saharastaub sein soll“, sagt eine Stimme in einem Video auf Facebook. Ein Mann sammelt den von der Autoscheibe abgekratzten Saharastaub auf einem weißen Blatt Papier und hält anschließend einen Magneten darunter. Teile des Staubs reagieren auf die Bewegungen. Die Stimme im Video diagnostiziert: „Stickstoffdioxid, Graphenoxid und Aluminium und sonstige Schwermetalle sind das“.

Die magnetischen Partikel im Saharastaub sind wie Wasser auf den Mühlen von Verschwörungstheoretikern. Während andere einen Zusammenhang mit den sogenannten „Chemtrails“, also von Flugzeugen produzierten Kondensstreifen am Himmel, die eigentlich Chemikalien seien, sehen, gehen andere davon aus, dass die magnetischen Partikel im Saharastaub dazu dienen, „neue Sars-CoV-2-Fälle zu produzieren“.

Verschwörungsmythen widerlegt: Darum ist der Saharastaub magnetisch

In einem Facebook-Post heißt es sogar: „Es ist kein Saharastaub. Das Zeug reagiert magnetisch und ist eine Bakterienschleuder plus diverser anderer Schadstoffe (Schwefeldioxyd u.a.)“. In dem Zusammenhang wird auf Geoengineering verwiesen, also auf die Beeinflussung des Wetters beispielsweise durch das Ausbringen von Chemikalien. Doch Unsinn: Die magnetische Reaktion des Saharastaubs lässt sich einfach erklären:

Wie Livia Calonder von „meteonews“ gegenüber „20min.ch“ erklärt, sind im Saharastaub Eisenpartikel enthalten – und Eisen sei bekannterweise magnetisch und werde folglich auch von einem Magneten angezogen. „Dieser Anziehungseffekt kann – sofern genügend Eisen im Saharastaub vorhanden ist und ein ausreichend starker Magnet verwendet wird – auch mit den Eisenpartikeln des Saharastaubs demonstriert werden“, so Calonder.

Saharastaub: Auch das ist eine Erklärung für die magnetische Anziehung

Wie groß der Anteil der Eisenpartikel ist, hängt davon ab, aus welcher Region der Saharastaub kommt. Das gilt auch für die Färbung. Wie verschiedene Medien berichten, deutet die intensive Rostfarbe in diesem Jahr auf einen besonders hohen Eisenanteil hin. „Der Staub, der uns momentan erreicht, wurde über Algerien und Marokko aufgewirbelt“, erklärt Livia Calonder gegenüber „20min.ch“.

Eine andere Erklärung ist das auf der gesamten Welt vorhandene Magnetit. Laut Mineralienatlas ist das Mineral auch in Marokko am Nordrand der Sahara vorzufinden. Hier tritt es vor allem im Hohen Atlasgebirge auf. Wenn das Magnetit-Gestein durch Verwitterung zu Staub wird, bleibt jedes einzelne Staubkorn dieses Gesteins magnetisch.

Gefahr durch Saharastaub: Diese Menschen sollten draußen keinen Sport machen

Dies kann sogar an den deutschen Ostseestränden beobachtet werden - wo der leichte, helle Quarzsand vom Meer weggespült wird und ein schwerer, dunkler Magnetitsand liegen bleibt. Dieser Sand wird vom Magneten angezogen.

Bestimmte Personengruppen sollten sich in Zeiten des Saharastaubs besonders in Acht nehmen und draußen keinen Sport machen*, denn: Das jährlich wiederkehrende Wetterphänomen kann Pollen und sogar Keime transportieren. Für alle, die keine Lust haben, sich schon wieder stundenlang an der Waschanlage anzustellen, gibt es Tipps, was bei der heimischen Autowäsche zu beachten ist* (fas mit dpa) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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