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Euphorie in der Oberpfalz: Regensburg will Schalke ärgern

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Jahn-Coach
Regensburgs Trainer Mersad Selimbegovic versucht, die Euphorie zu bremsen. © Armin Weigel/dpa

Verkehrte Welt: Die Topstarter aus Regensburg gehen tabellarisch als Favorit ins erste Zweitliga-Duell mit Bundesliga-Absteiger Schalke. Es ist ein Festtag für den Jahn und seinen besonderen Trainer.

Regensburg - Mersad Selimbegovic ist kein Träumer.

Daran musste der Trainer des SSV Jahn Regensburg mal wieder erinnern, als er vor dem Zweitliga-Heimspiel des Überraschungs-Spitzenreiters am Samstag (13.30 Uhr/Sky) gegen den großen Traditionsclub FC Schalke 04 darauf angesprochen wurde, ob er insgeheim nicht doch schon mal von einem sensationellen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga träume.

„Ich bin grundsätzlich kein Träumer. Wer meine Geschichte kennt, weiß, dass ich im Leben schon ein paar Dinge erlebt habe, die mich gelehrt haben, im Hier und Jetzt zu leben“, sagte der 39-Jährige am Donnerstag. Selimbegovic hat die schwierige Kindheit als Flüchtling im Bosnienkrieg geprägt. Für seine Familie ging es um Leben und Tod. Jetzt sorgt er in seiner neuen Heimat als Fußballcoach für Furore.

Top-Start für Regensburg

Drei Siege, 8:0 Tore - der Jahn ist optimal aus den Startblöcken gekommen, in denen die Schalker mit vier Zählern hängengeblieben sind. Die Euphorie in der Oberpfalz ist riesig, die Rollenverteilung aber bleibt für Selimbegovic eindeutig: „Ganz klar: Wir sind nicht der Favorit, Tabelle hin oder her. Schalke ist der große Favorit.“ Listig fügte er jedoch hinzu: „Wir sehen unsere Chancen trotzdem.“

Es ist das erste Punktspiel überhaupt zwischen dem Jahn und Schalke. Es sei „eigentlich unglaublich“, dass es dazu im Jahnstadion kommt, findet Torwart Alexander Meyer, einer der Regensburger Topspieler.

Die verfügbaren 5324 Karten in Corona-Zeiten - davon 600 für Schalke-Fans - waren rasch vergriffen. „Man muss sich erstmal daran gewöhnen, dass Jahn gegen Schalke spielt“, sinnierte Selimbegovic.

Der Coach braucht keine Motivationsrede

Er ist gespannt, wie seine Mannschaft mit der ungewohnten Situation umgeht. „Das ist ein Spiel, wo man als Trainer keine Motivationsrede braucht. Da muss man eher beruhigen. Auch wenn wir mit heißem Herzen unterwegs sind. Wenn der Kopf nicht kühl ist, kann das nicht gut gehen“, beschrieb Selimbegovic die Ausgangsposition der Jahn-Elf.

Er weiß wie seine Spieler, dass es einen weiteren perfekten Tag braucht, um die Momentaufnahme der Tabellenführung zu konservieren. In der vergangenen Saison bewiesen die Regensburger aber bereits im DFB-Pokal, dass sie Favoriten ärgern und stürzen können, etwa beim Achtelfinalerfolg gegen den Bundesligisten 1. FC Köln.

Singh stark

„Wir haben gerade echt einen richtigen Lauf“, sagte Torwart Meyer. Vorne eiskalt, hinten stabil - das zeichnet den Jahn gerade aus. Ein Hauptdarsteller des Höhenflugs ist der Neuseeländer Sarpreet Singh (22). Der vom FC Bayern München ausgeliehene Außenstürmer steuerte bereits einen Treffer und drei Torvorlagen bei. Insgesamt aber lebt der Jahn vom Kollektiv. Schalke dagegen hat auch in der 2. Liga noch namhafte Profis, etwa Torjäger Simon Terodde, der schon dreimal traf. „Wenn du eine Flanke nicht verteidigst, bist du im Rückstand“, mahnte Selimbegovic mit Blick auf Schalkes Offensive und speziell Terodde.

„Von der positiven Entwicklung in Regensburg bin ich nicht überrascht. Ihnen kommt die Eingespieltheit zugute“, kommentierte Schalke-Coach Dimitrios Grammozis. Er verkündete vor der Reise in die Oberpfalz am Donnerstag jedoch auch: „Aber wir sind Schalke!“ dpa

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