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Ausschreitungen in Nizza: 32 Verletzte bei Köln-Spiel – UEFA ermittelt gegen beide Vereine

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Von: Antonio José Riether

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Die Ausschreitungen ereigneten sich vor der Partie und sorgten für eine Verschiebung des Anstoßes.
Die Ausschreitungen ereigneten sich vor der Partie und sorgten für eine Verschiebung des Anstoßes. © Ralf Treese/imago

Gewalttätige Auseinandersetzungen unmittelbar vor dem Conference-League-Spiel des 1. FC Köln in Nizza sorgten für einen verspäteten Anpfiff und mehrere Verletzte. Videos zeigen die brutalen Szenen.

Update vom 9. September, 18.59 Uhr: Der 1. FC Köln wartet nach den Krawallen von Nizza noch auf eine Entscheidung wegen möglicher Strafen durch die Europäische Fußball-Union (UEFA), steht allerdings in jedem Fall unter genauer Beobachtung. „Wir schauen, was von der UEFA jetzt kommt“, sagte Geschäftsführer Christian Keller am Freitag: „Wir wissen mittlerweile, dass das Spiel am kommenden Donnerstag zum Risikospiel hochgestuft wurde.“

Dann bestreitet der FC nach dem Duell bei OGC Nizza (1:1) sein zweites Gruppenspiel. Es geht gegen den 1. FC Slovacko aus Tschechien.

Die UEFA-Disziplinarkammer eröffnete am Freitagabend das Verfahren gegen den FC und Nizza. Köln muss sich wegen dreier Verstöße verantworten. Als mögliche Sanktion könnte dem Klub drohen, dass er bei künftigen Auswärtsspielen ohne Fans auskommen muss. Angesichts der Schwere der Ausschreitungen könnten weitere Strafen als Bewährung ausgesprochen werden.

Update vom 9. September, 9.45 Uhr: Am gestrigen Donnerstagabend ereigneten sich in Nizza furchtbare Szenen. Vor dem Anpfiff des Conference-League-Spiels zwischen OGC Nizza und dem 1. FC Köln kam es zu heftigen Krawallen im Stadion. Dabei flogen Bengalos in die Kurven, nach Angaben des SID wurden bei den Gewaltexzessen 32 Personen verletzt. Viele mussten sogar im Krankenhaus behandelt werden. Die Partie, die 1:1 endete, startete somit mit einer Verspätung von fast einer Stunde.

Fan fällt bei Krawallen fünf Meter tief vom Mittelrang - Zustand kritisch

Ein Fan, der von der Brüstung des Mittelrangs mehrere Meter in die Tiefe stürzte, war am Freitagmorgen laut SID im kritischen Zustand. Wie die Präfektur am späteren Morgen mitteilte, sei er zwar schwer verletzt, schwebe jedoch nicht mehr in Lebensgefahr. Wie mehrere Videos zeigen, war der laut AFP aus Paris stammende Anhänger auf Seiten der Kölner. Die FC-Ultras und die PSG-Anhänger pflegen guten Kontakt und hatten sich beim Angriff auf den Heimblock wohl zusammengetan. Die Anhänger von Paris und Nizza gelten wiederum als Erzrivalen.

Doch wie kam es zu den Ausschreitungen? Laut AFP sollen „einige Hundert“ Kölner - unter ihnen auch PSG-Ultras - in den Bereich der Nizza-Fans eingedrungen sein. Zudem sollen die Pariser ein provokantes Plakat entrollt haben.

Vor dem Conference-League-Spiel gab es Randale zwischen den beiden Fanlagern.
Randale zwischen den beiden Fanlagern vor dem Conference-League-Spiel. © Ralf Treese/imago

Kölner Fans reagieren kritisch auf Gewaltszenen - „Wir sind Kölner, und ihr nicht“

Update, 21.39 Uhr: Das erste Gruppenspiel des 1. FC Köln ist vorbei. Mit 50 Minuten Verspätung wurde die Partie beim OGC Nizza angepfiffen, die Partie endete nach Kölner Halbzeitführung mit 1:1. Die Partie wurde von den Krawallen vor Spielbeginn überschattet, vor und während des Spiels wurden viele Videos aus dem Stadion publik, bei denen heftige Gewaltszenen zu sehen waren. Es wurden Bengalos in gegnerische Blöcke geworfen, Gegenstände aller Art wurden bei den körperlichen Auseinandersetzungen als Waffe benutzt.

Elf Verletzte bei Conference-League-Spiel - heruntergestürzter Fan offenbar kein Kölner

Ein ganz anderes Video aus dem Kölner Fanblock macht nun ebenfalls die Runde. Als die vermummten Kölner Unruhestifter zurück in den Gästeblock kamen, wurden diese alles andere als positiv von den restlichen Anhängern begrüßt. „Wir sind Kölner, und ihr nicht“, riefen die friedlichen Fans den Randalierern zu. Auch unter den Kölner Anhängern herrschte scheinbar Fassungslosigkeit über die teils blutigen Auseinandersetzungen.

Auch die Zahl der Verletzten ist bekannt, so berichtet die Nachrichtenagentur AFP von elf verletzten Personen. Ein Kölner soll mit einem Messer verletzt worden sein. Der Fan, der aus fünf Metern Höhe vom Mittelrang gefallen war, ist - anders als erst angenommen - kein Kölner, sondern ein Fan aus Paris, der sich ebenfalls im Gästeblock aufgehalten hatte. Dies teilte ein Behördensprecher der Agentur mit. Mehr als 8000 Kölner Fans waren am Donnerstagabend in Nizza, einige Hundert drangen in den Bereich der Heimfans vor. Auch Anhänger von Paris Saint-Germain waren unter den Randalierern, die Fanszene der Hauptstädter pflegt ein gutes Verhältnis zu den Kölner Ultras.

Der Kölner Polizeipräsident Falk Schnabel ist über die Auseinandersetzungen in Nizza entsetzt.
Ausschreitungen in Nizza: Die Kölner Fans griffen den Heimblock an. © dpa & Jochen Tack / NRW Innenministerium

Ultras sorgen bei Nizza gegen Köln für Gewaltszenen - Kölner Geschäftsführer äußert sich

Update, 20.15 Uhr: Lange war davon ausgegangen worden, dass ein Fan einen anderen vom Oberrang auf die untere Tribüne geschubst oder gar getreten hatte. Ein aktuelles Video, das Bild teilte, gibt nun Aufschluss. So stolperte der Fan nach einem - wohl versehentlichen - Schubser am Arm über die Brüstung, als er über einen Bengalo springen wollte. In der Folge stürzte er rund fünf Meter in die Tiefe.

Update, 19.46 Uhr: Wie angekündigt wurde das Spiel zwischen dem OGC Nizza und Köln nun um 19.40 Uhr angepfiffen, und das trotz der heftigen Ausschreitungen vor der Partie. Christian Keller, Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln, versuchte gegenüber RTL die Gewaltexzesse, die er als „pervers“ bezeichnete, zusammenzufassen.

„Mein Informationsstand ist, dass zuerst Hooligans aus Nizza in unseren Fanblock eingedrungen sind. Daraufhin sind Hooligans aus unserem Fanblock, die größtenteils aus Paris kommen sollen und als Kölner verkleidet waren und natürlich ein paar aus Köln hinterher“ so der 43-Jährige. Man müsse die Provokateure ohne jeden Kompromiss und mit voller Härte betrafen, meinte Keller. „Sie dürfen nie, nie wieder ins Stadion kommen, zumindest nicht ins Kölner.“

Ausschreitungen beim Conference-League-Spiel zwischen Köln und Nizza

Erstmeldung vom 8. September:
Nizza – Am Donnerstagmittag feierten rund achttausend Fans des 1. FC Köln noch friedlich und ausgelassen auf den Straßen Nizzas. Doch am Abend eskalierte die Lage im Stadion, schlimme Ausschreitungen sorgen nun für eine Verschiebung des Anstoßes des Conference-League-Spiels beim OGC Nizza, das um 18.45 Uhr hätte angepfiffen werden sollen.

Auf Twitter kursierten im Rahmen des Spiels viele Videos, die grobe Gewaltszenen zeigten. Was war passiert? 50 vermummte Kölner Anhänger hatten den Block der Franzosen attackiert, die Folge war eine gewaltvolle Auseinandersetzung. Nach Informationen der dpa und Fernsehbildern zufolge bewarfen sich die Fanlager dabei sogar mit angezündeten Bengalos, E-Roller, Stühlen und Tischen. Ein Video zeigt, wie ein Fan offenbar von einem anderen Anhänger vom Oberrang in den Unterrang hinuntergestoßen wird. Etwa fünf Minuten dauerten die Attacken, ehe die Polizei die Situation in Griff bekam.

„Wir wollten mit euch ein Fußball-Fest feiern. Wir wollen immer noch spielen, aber das können wir natürlich nicht gutheißen“, sagte der Kölner Kapitän Jonas Hector, der an das Mikrofon trat. „Wir haben uns den Arsch aufgerissen, um uns für die Conference League zu qualifizieren, und wollen das hier auch spielen. Verhaltet euch bitte ruhig, wir wollen hier Fußball feiern und keine Gewalt haben“, fügte er hinzu. Auch Nizza-Spielführer und Ex-FC-Bayern-Profi Dante versuchte, auf die Fans einzuwirken.

Anstoß beim Conference-League-Spiel wird um knapp eine Stunde nach hinten verlegt

Die neue Anstoßzeit ist der UEFA zufolge 19.40 Uhr, wie kurz vor 19 Uhr mitgeteilt wurde. Bei einem weiteren Zwischenfall werde die Partie aber sofort abgebrochen, so die Stadiondurchsage. Noch gibt es keine Informationen zu verhafteten Personen, dem „heute journal“ zufolge soll es einen schwer verletzten Fan geben. (ajr)

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