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„One love“-Eklat bei WM: DFB erhebt Erpressungs-Vorwürfe gegen FIFA

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Von: Tobias Becker

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Die Diskussion um die „One love“-Binde bei der WM in Katar ist endgültig eskaliert. Nun erhebt der DFB schwere Vorwürfe gegen die FIFA:

Update vom 23. November: Eigentlich wollte DFB-Kapitän Manuel Neuer und mehrere Spielführer anderer Nationalmannschaften die „One Love“-Binde, die für Vielfalt, Offenheit und Toleranz steht, bei der WM in Katar tragen. Allerdings verbietet der Weltverband FIFA dies und verweist darauf, dass alle Kapitäne eine von der FIFA bereitgestellten Kapitänsbinde tragen müssen.

„One love“-Desaster bei WM: DFB erhebt Erpressungs-Vorwürfe gegen FIFA

„Die FIFA hat eine Aussage für Diversität und Menschenrechte untersagt. Das sind Werte, zu denen sie sich in ihren eigenen Statuten verpflichtet. Wir wollen nicht, dass der Konflikt, den wir zweifellos haben, auf dem Rücken der Spieler ausgetragen wird. Wir stehen zu unseren Werten“, äußert sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf zum FIFA-Verbot.

Wie Steffen Simon, Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes, im Interview mit dem Deutschlandfunk zudem erklärt, habe der Turnierdirektor das englische Team, dessen Kapitän Harry Kane die „One Love“-Binde ebenfalls tragen wollte, einen Tag vor deren Auftaktspiel besucht und vor „einem mehrfachen Regelbruch“ gewarnt sowie mit „massiven sportlichen Sanktionen gedroht.“

Entscheidung für oder gegen „One Love“-Binde eine „Wahl zwischen Pest und Cholera“

Um welche Sanktionen es genau ging, ist aber nicht konkretisiert worden .„Wir sind in einer extremen Erpressung gewesen, in der wir so handeln mussten, wie wir nicht wollten“, so Simon, der die Entscheidung für oder gegen die „One Love“-Binde als „Wahl zwischen Pest und Cholera“ beschrieben hat.

WM in Katar: Eklat um die „One love“-Binde

Erstmeldung: Das Desaster um die One Love“-Binde bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar wird zum Mega-Eklat! Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der am Mittwoch ins Turnier einsteigt, hat nun einen ersten Partner verloren. Der Supermarkt-Riese Rewe beendet die Kooperation mit dem DFB ab sofort, das gab der Konzern am Dienstag bekannt.

Das Austragungsland Katar steht bereits seit langer Zeit in der Kritik. Die Gründe dafür sind unter anderem Homophobie oder fehlende Menschenrechte. Während viele Fußballmannschaften in der Vergangenheit mit einer Regenbogenfarben-Kapitänsbinde aufgelaufen sind, um ein Zeichen zu setzen, wurde diese Binde bereits für das Turnier verboten.

Stattdessen haben sich sieben Teams, darunter auch Deutschland, England, Frankreich und die Niederlande, zusammengeschlossen und die Kapitäne wollten bei der WM in Katar eine Binde mit einem bunten Herz und dem Slogan „One Love“ tragen. So sollte dennoch ein Zeichen gegen Homophobie, Antisemitismus, Rassismus und für Menschenrechte und Frauenrechte gesetzt werden.

TurnierFußball-Weltmeisterschaft 2022
AustragungslandKatar
Zeitraum20. November 2022 - 18. Dezember 2022
TitelverteidigerFrankreich

WM in Katar: FIFA geht gegen „One love“-Binde vor, Rewe beendet DFB-Kooperation

Das Problem: Die FIFA ist eingeschritten, drohte zunächst mit Geldstrafen für das politische Zeichen und letztlich auch mit Gelben Karten. Heißt für die Kapitäne, dass ihnen Spielsperren drohen, sollten sie die „One love“-Binde tragen. Die Teams sind nach und nach eingeknickt - auch die deutsche Nationalmannschaft. Das sorgt für eine neue Welle der Empörung.

So titelt der Focus mit „Tragt die „One love“-Binde doch einfach, ihr DFB-Feiglinge!“, der Spiegel zitierte ausländische Medien mit „Beschämende FIFA verdient Verachtung“. Die Wut ist groß, aber von den Sportlern scheinen keine Proteste zu kommen. Dafür aber nun von DFB-Partner Rewe! Der Handelsriese distanziert sich von der FIFA und beendet sofort die Zusammenarbeit mit dem DFB.

WM in Katar: Rewe-Chef wird deutlich und kündigt Partnerschaft mit dem DFB

Dadurch wolle man sich in aller Deutlichkeit von der Haltung des Weltverbandes distanzieren, ebenso wie von den Äußerungen von Gianni Infantino. Auf die Werberechte aus dem bestehenden DFB-Vertrag verzichtet Rewe insbesondere im Kontext der Weltmeisterschaft, heißt es. Rewe-Konzernchef Lionel Souque: „Wir stehen ein für Diversität - und auch Fußball ist Diversität.“

Weiter sagt der Rewe-Boss: „Die skandalöse Haltung der FIFA ist für mich als CEO eines vielfältigen Unternehmens und als Fußballfan absolut nicht akzeptabel.“ Zwar hatte Rewe bereits im Oktober angekündigt die langjährige Partnerschaft nicht weiterführen zu wollen mit dem DFB, nun ist aber auch die WM in Katar ein Grund - und die Beendigung gilt ab sofort!

WM in Katar: Auch adidas äußert sich gegenüber der FIFA zum „One love“-Eklat

Die Sammelalben, die es bei Rewe gibt, sind weiterhin erhältlich, allerdings kostenlos. Die Kosten für die Aktion trägt das Unternehmen und kündigt gleichzeitig an, dass die bisherigen Erträge des Albums nach Ablauf der Aktion vollständig gespendet werden. Dennoch wünscht der Konzern den deutschen Spielern viel Erfolg bei der WM.

Der DFB ist nicht der einzige Verband, der mit Konsequenzen rechnen muss. Auch die FIFA könnte Probleme bekommen. Ein großer Sponsor hat sich bereits geäußert: adidas! Sprecher Oliver Brüggen erklärte gegenüber SID: „Wir sind davon überzeugt, dass Sport offen für alle sein muss. Wir unterstützen unsere Spieler*innen und Teams, wenn sie sich für positiven Wandel einsetzen. Sport bietet wichtigen Themen eine Bühne. Es ist unerlässlich, die Diskussion fortzuführen.“ (tobi)

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