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WM 2022: Organisatoren streichen offenbar „Taschengeld“ für bezahlte Fans

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Von: Antonio José Riether

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Vor der WM häufen sich die negativen Meldungen. Die Organisatoren sollen den eingeladenen Fans das „Taschengeld“ gestrichen haben, zudem sagte der DFB-Fanclub seine Teilnahme am Fanturnier ab.

Doha - Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar könnte vor allem für die Fans vor Ort gewöhnungsbedürftig werden. Viele Regeln für Besucher, eingeschränkter Alkoholausschank und die Menschenrechtslage im Land trüben die Euphorie. Nun wurde unmittelbar vor dem Turnierbeginn bekannt, dass angeblich gekaufte Fans kein „Taschengeld“ mehr bekämen. Zudem stellte sich der DFB-Fanclub aufgrund von Ungleichbehandlung seiner weiblichen Mitglieder gegen eine Teilnahme am offiziellen Fanturnier in Katar.

Fußball-Weltmeisterschaft 2022
Gastgeber: Katar
Eröffnungsspiel: 20. November
Endspiel: 18. Dezember 2022
Titelverteidiger: Frankreich

WM 2022: Katar kaufte hunderte Fans ein – und streicht ihnen offenbar das „Taschengeld“

In den Wochen vor dem Turnierstart machten Berichte zu eingekauften Fans die Runde. Die FIFA reagierte offenbar auf das zögerliche Interesse der Fans großer Fußball-Nationen und ließ Zuschauer einfliegen, die für Stimmung und positive Fernsehbilder sorgen sollen. Als Gegenleitung würden Unterkünfte und Flüge gestellt. Am sogenannten „Fan Leader Network“ sind dem Bericht nach etwa 450 Fußball-Anhänger aus 59 Ländern beteiligt.

WM 2022: Katar will eingeladene Fans vor „falschen Behauptungen“ schützen

Nun berichtet die ARD-Sportschau jedoch, dass das WM-Organisationskomitee den eingeladenen Fußballfans kein „Taschengeld“ mehr zahlen werde. Demnach heißt es in einer E-Mail an die Teilnehmer des WM-Reiseprogramms, dass die Gäste damit vor der „irrtümlichen, falsch informierten Behauptung“, sie seien „bezahlte Fans“ geschützt werden.

Aus diesem Grund werde „das Taschengeld leider nicht mehr bereitgestellt“. Ursprünglich war ein Tagesbudget von 70 Euro in Form einer aufgeladenen Kreditkarte für die eingeflogenen Fans vorgesehen. Das Organisationskomitee reagierte noch nicht auf die Berichte zur Streichung des Taschengelds für die Teilnehmer des Programms.

Die Mitglieder des „Fan Club Nationalmannschaft“ sagten die Teilnahme am Fanturnier in Katar ab.
Die Mitglieder des „Fan Club Nationalmannschaft“ sagten die Teilnahme am Fanturnier in Katar ab. © Gladys Chai von der Laage/imago

WM 2022: Fans-Sprecher rät, gekaufte Anhänger „nicht als repräsentative Fanvertreter“ zu betrachten

In Deutschland fand die Fan-Akquisition keinen großen Anklang, der „Fan Club Nationalmannschaft“ des Deutschen Fußball-Bundes zählt nicht zu den Unterstützern des Programms. Trotzdem wurden bereits Ende Oktober 35.000 Tickets für die WM-Partien an deutsche Fans verkauft.

Martin Endemann, Politologe und Sprecher des europäischen Fan-Bündnisses Football Supporters Europe, hatte schon Anfang November gegenüber der dpa die künstliche Anschaffung der ausländischen Fans erklärt. „Dass Katar kurz vor Turnierstart noch Fans einkauft, spricht auch dafür, dass die Begeisterung unter aktiven Nationalmannschafts-Fangruppen in vielen Ländern eher gering ausgeprägt ist“. Man dürfte „diese Leute nicht als repräsentative Fanvertreter betrachten, sondern höchstens als freiwillige Helfer für die FIFA und das Organisationskomitee“, fügte er hinzu.

WM 2022: DFB-Fanclub sagt für Fanturnier in Katar ab – gemischte Teams verboten

Doch nicht nur die eingeladenen Stimmungsmacher stoßen den deutschen Fans vor Ort übel auf. Der offizielle Fanclub der deutschen Nationalmannschaft sagte seine Teilnahme an einem Fanturnier kurzfristig ab. Grund dafür war das Verbot von gemischten Teams aus Männern und Frauen, wie ein Sprecher des Fanclubs gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung bestätigte.

„Auf Nachfrage hatte man uns mitgeteilt, dass nur gleichgeschlechtliche Teams antreten dürfen. Deshalb haben wir uns dagegen entschieden“, hieß es vonseiten des Fanclubs. Die Organisatoren hätten zunächst „darauf verwiesen, dass sie die Männer-WM nachspielen“, erklärte Philipp Beitzel von der Koordinationsstelle Fanprojekte. „Dann hieß es, das Turnier sei auch für Frauen offen, jedoch dürften die Teams nicht durchmischt werden.“ Das ging den deutschen Nationalelf-Anhängern nun klar ersichtlich zu weit. (ajr)

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