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25 Jahre nach Möllers „Jahrhundertschwalbe“ gegen den KSC: So blickt Winfried Schäfer zurück

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Winfried Schäfer erinnert sich an die „Jahrhundertschwalbe“ von Andreas Möller. (Archivfoto)
Winfried Schäfer erinnert sich an die „Jahrhundertschwalbe“ von Andreas Möller. (Archivfoto) © picture alliance / dpa

Karlsruhe – Vor 25 Jahren segelt Andreas Möller unberührt durch den Strafraum des Karlsruher SC. Nicht nur KSC-Trainer Winfried Schäfer sieht die Szene etwas anders als der Dortmunder Nationalspieler.

Ein Vierteljahrhundert später ist die Wut auf Andreas Möller längst verraucht. Daran lässt Winfried Schäfer keinen Zweifel. „Andy war doch schon genug bestraft. Überall, wo er hinkam, wurde er ausgepfiffen“, sagt Schäfer im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Besonders lustig findet er ihn aber noch immer nicht, den denkwürdigen Tiefflug durchs Westfalenstadion, mit dem sich Möller auf ewig einen unrühmlichen Platz in der Bundesligageschichte sicherte. 

Der Fußball ist zu schön für solch eine Unsportlichkeit“, so Schäfer. Er bezeichnet Möllers Vergehen am 13. April 1995, als sich Borussia Dortmund vor heimischem Publikum verzweifelt gegen Schäfers Karlsruher SC und die drohende Niederlage stemmt, als „die Jahrhundertschwalbe, ohne die der BVB das Spiel nicht gedreht hätte“. Und später wohl auch nicht Meister geworden wäre. 

Karlsruher SC: Möllers „Jahrhundertschwalbe“ gegen den KSC

Zur Erinnerung: Es läuft die 76. Minute am 26. Spieltag der Saison 1994/95, die Starauswahl aus Dortmund liegt gegen Karlsruhe 0:1 in Rückstand. Das Publikum beginnt zu murren, und offensichtlich weiß sich Möller nicht anders zu helfen, als im Strafraum zu stürzen, um einen Elfmeter zu schinden. 

Sein ‚Gegenspieler‘ Dirk Schuster erinnerte sich später im 11Freunde-Interview: „Zwischen ihm und mir hätte ein Kleinwagen parken können - da fiel er plötzlich hin.“ Schiedsrichter Günther Habermann zeigt tatsächlich auf den Punkt, er ist im Stich gelassen worden von seinem Assistenten an der Seitenlinie. 

Der Schiri war der ärmste Kerl“, sagt Schäfer 25 Jahre später: „Er stand so, dass er es gar nicht sehen konnte.“ Möller lässt sich noch auf dem Feld eine Ausrede einfallen, nach Abpfiff erfindet er den Begriff „Schutzschwalbe“. Denn: „Ich dachte, dass Dirk Schuster mich voll umhauen würde.“ 

Karlsruher SC: BVB siegt nach Möller-Schwalbe

Michael Zorc, heute Sportdirektor in Dortmund, nimmt das Elfmetergeschenk an, Matthias Sammer schießt den BVB zum 2:1-Sieg und auf den Weg zum Titel. Für den Übeltäter selbst hat der Sturzflug Konsequenzen, der DFB sperrte Möller für zwei Spiele - eine Bundesligapremiere nach einer Schwalbe. Zudem muss Möller 10.000 D-Mark bezahlen, Bundestrainer Berti Vogts verzichtet zähneknischernd für ein Länderspiel auf seinen Regisseur. Der liefert sich derweil ein Scharmützel mit KSC-Trainer Schäfer

Als ich mit der Mannschaft vom Platz ging, haben uns fünf- oder sechsjährige Jungen den Finger gezeigt. Das ist das Produkt von Möller. Das, was er als Vorbild in der Nationalmannschaft verpasst hat“, ätzt Schäfer. Möller sagt: „Der Trainer attackiert mich Jahr für Jahr. Bei jedem anderen wäre ich zum Schiedsrichter gegangen und hätte gesagt, dass es kein Elfmeter war, bei ihm jedoch nicht.“ 

Die Versöhnung folgt wenige Jahre später am Spielfeldrand, für Schäfer war der Vorfall aber noch schneller abgehakt. „Ich habe Andy nie angegriffen. Es war aber so: Wir hatten Icke (Häßler, d.Red.), und er war Möller“, erzählt Schäfer, der zuletzt die Transferpolitik des KSC kritisiert hat, heute: „Ich habe immer Icke den Rücken gestärkt, aber Andy war ein Riesenfußballer. Ich hoffe, er kann das bei Eintracht Frankfurt weitergeben, wir brauchen Fußballer, die in keine Schablone passen. Ich wünsche Andy alles Gute!

Beim Karlsruher SC macht indes ein Gerücht die Runde. Marvin Wanitzek wird bei Liga-Konkurrent Hannover 96 gehandelt.

SID

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