Weltmeisterschaft

Deutsche Handballer verpassen Medaille in letzter Sekunde

Jannik Kohlbacher sitzt nach der 25:26-Niederlage enttäuscht auf der Bank. Foto: Axel Heimken
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Jannik Kohlbacher sitzt nach der 25:26-Niederlage enttäuscht auf der Bank. Foto: Axel Heimken
Frankreichs Spieler jubeln mit Trainer Didier Dinart (2.v.l.) über den dritten Platz. Foto: Martin Meissner/AP
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Frankreichs Spieler jubeln mit Trainer Didier Dinart (2.v.l.) über den dritten Platz. Foto: Martin Meissner/AP
Deutschlands Trainer Christian Prokop reagiert verärgert an der Seitenlinie. Foto: Axel Heimken
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Deutschlands Trainer Christian Prokop reagiert verärgert an der Seitenlinie. Foto: Axel Heimken
Trotz Niederlage ein sicherer Rückhalt: Deutschlands Torwart Andreas Wolff. Foto: Martin Meissner/AP
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Trotz Niederlage ein sicherer Rückhalt: Deutschlands Torwart Andreas Wolff. Foto: Martin Meissner/AP
Deutschlands Kapitän Uwe Gensheimer. Foto: Axel Heimken
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Deutschlands Kapitän Uwe Gensheimer. Foto: Axel Heimken
Frankreichs Ludovic Fabregas (l) versucht, Paul Drux am Abspiel zu hindern. Foto: Martin Meissner/AP
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Frankreichs Ludovic Fabregas (l) versucht, Paul Drux am Abspiel zu hindern. Foto: Martin Meissner/AP

Die deutschen Handballer haben die erhoffte WM-Medaille verpasst. In einem dramatischen Spiel um Bronze unterliegt die DHB-Auswahl dem Rekord-Weltmeister Frankreich ganz knapp und fährt mit leeren Händen nach Hause.

Herning (dpa) - Der entsetzte Bundestrainer Christian Prokop schmiss nach dem Drama um WM-Bronze vor Wut seine Wasserflasche auf das Parkett, die enttäuschten deutschen Handballer verabschiedeten sich auf einer letzten Ehrenrunde mit leerem Blick von den Fans.

Trotz einer Weltklasse-Vorstellung von Torwart Andreas Wolff verlor die DHB-Auswahl im dänischen Herning das dramatische Spiel um Platz drei gegen den sechsmaligen Weltmeister Frankreich in letzter Sekunde mit 25:26 (13:9) und verpasste damit den größten Erfolg seit Olympia-Bronze 2016. "Der Schmerz ist sehr groß. Es ist brutal", sagte Prokop. Den Titel holte sich erstmals Olympiasieger Dänemark durch einen souveränen 31:22 (18:11)-Endspielsieg gegen Norwegen.

In einem Krimi ohne Happy End konnten sich Deutschlands Handballer somit nicht mit der ersten WM-Medaille seit zwölf Jahren für ihren starken Auftritt bei der Weltmeisterschaft belohnen. Dennoch konstatierte Prokop: "Ich bin richtig stolz auf diese Mannschaft. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, mit den Jungs die Tage dieser WM zu genießen. Bis auf das Endergebnis ist alles so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben."

Für das bittere Ende sorgte Frankreichs Superstar Nikola Karabatic, der mit der Schlusssirene traf. So herrschte zunächst nur Frust im deutschen Team, für das Kapitän Uwe Gensheimer mit sieben Toren bester Werfer war. "Es ist sehr, sehr bitter, ohne Medaille da zu stehen", sagte Rückraumspieler Kai Häfner.

In der entscheidenden Szene zuvor hatte Linksaußen Matthias Musche einen überhasteten Pass gespielt, den Ballgewinn nutzten die Franzosen eiskalt. "Ich glaube, eine Medaille wäre nicht unverdient gewesen nach den Leistungen, die wir das ganze Turnier gezeigt haben", sagte Prokop. "Aber am Ende hat die cleverere Mannschaft gewonnen."

Der überragende Wolff drückte seine Gefühle gewohnt drastisch aus. "Wir haben uns durch Dummheiten um die Bronzemedaille gebracht", polterte der Torwart vom THW Kiel. "Wir haben eigentlich eine tolle WM gespielt." Und Gensheimer ergänzte: "Wir haben ein großes Turnier gespielt. Wir haben alles gegeben und können uns keinen Vorwurf machen."

Die große Enttäuschung der verpassten Gold-Chance durch die Niederlage im Halbfinale gegen Norwegen wirkte bei den deutschen Spielern nicht nach. Von Beginn an demonstrierte die Prokop-Truppe den festen Willen, sich wenigstens mit Bronze zu belohnen. Die Abwehr stand wieder wie eine Wand, und dahinter lief Wolff zu großer Form auf.

Nach 17 Minuten gelang beim 9:6 erstmals eine Drei-Tore-Führung. Doch dann ging in der Offensive plötzlich nichts mehr. Neun Minuten lang gelang der DHB-Auswahl kein Treffer, was die Franzosen zum Ausgleich nutzten. Doch es ging wieder aufwärts. Dank eines 4:0-Laufs und eines weiter stark haltenden Wolff, der in der ersten Halbzeit 54 Prozent der französischen Würfe abwehrte, nahm die deutsche Mannschaft ein komfortables Polster in die Pause mit.

Den Wiederbeginn verschlief die DHB-Auswahl. Innerhalb von knapp sieben Minuten war die Führung futsch. Mitte der zweiten Halbzeit lag der WM-Gastgeber in seinem einzigen Turnier-Auswärtsspiel mit zwei Toren hinten. Trotz großen Kampfes gab es in der dramatischen Schlussphase aber nicht das erhoffte Happy End.

Dennoch geht der DHB zuversichtlich in das Mega-Jahr 2020 mit EM und Olympia. "Wir haben den Anspruch, jetzt weiter kleine Schritte zu gehen, um dann vielleicht ganz oben zu landen", sagte Sportvorstand Axel Kromer. Für beide Events muss sich die DHB-Auswahl aber noch qualifizieren.

Schon vor dem Anpfiff war klar: Der deutsche Handball war ein WM-Gewinner. Die Euphorie rund um die Mannschaft nahm unerwartete Dimensionen an und soll dauerhaft genutzt werden. "Das erinnert mich jetzt fast noch mehr an das Fußball-Märchen 2006", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning am Sonntag vor dem Spiel dem TV-Sender "Sky".

Die Hallen waren mit insgesamt 900.000 Zuschauern so voll wie noch nie, die TV-Quoten kletterten kontinuierlich in ungeahnte Höhen. Bei der bitteren Niederlage im Halbfinale gegen Norwegen (11,91 Millionen) saßen beinahe doppelt so viele Menschen vor den TV-Geräten wie beim Eröffnungsspiel gegen Korea (6,11 Millionen).

Quer durch die Gesellschaft nahmen die Menschen großen Anteil an den Auftritten der DHB-Auswahl. "Diese Mannschaft hat begeistert", lobte sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. "Ich habe selten eine Stimmung gesehen wie in den WM-Tagen. Das war wirklich eine Werbung für den Handball."

Hanning zog daher eine zufriedene Bilanz: "Wir haben eine überragende Weltmeisterschaft in Deutschland gespielt. Unter dem Strich können die Jungs auf das, was sie geleistet haben, superstolz sein." Prokop will diesen Weg mit seinen Schützlingen nun konsequent weitergehen. "Wir haben viele Sympathien gewonnen", sagte der Bundestrainer. "Es ist ganz wichtig, dass wir präsent bleiben und diese coole Sportart weiter nach vorn bringen."

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