Interview vor Saisonstart

SVS-Kapitän Kulovits: „Wir wollen die Großen ärgern“

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Stefan Kulovits geht zuversichtlich in seine dritte Saison am Hardtwald.

Sandhausen – Der SV Sandhausen steht kurz vor seiner vierten Zweitliga-Saison. Wir haben mit SVS-Kapitän Stefan Kulovits über Saisonziele, den Punktabzug und Spitznamen gesprochen.

Seit Sommer 2013 spielt der Österreicher Stefan Kulovits beim SV Sandhausen und hat sich am Hardtwald als Kapitän und Führungsspieler durchgesetzt. HEIDELBERG24 hat den 32-jährigen Mittelfeldakteur vor dem Saisonstart bei Eintracht Braunschweig getroffen.

Herr Kulovits, die Saisonvorbereitung neigt sich dem Ende entgegen. Wie fällt Ihr Fazit über die Vorbereitung aus und sind Sie froh, dass es am Sonntag wieder um Punkte geht?

Ja, natürlich! Jeder Fußballer ist froh, wenn es wieder losgeht. Wir haben eine sehr gute Vorbereitung hinter uns und eine wichtige Grundlage für die ganze Saison geschaffen, aber erst jetzt geht es ans Eingemachte. Wenn es um Punkte geht, spielen auch ganz andere Faktoren eine Rolle als bei Testspielen.

Der SV Sandhausen startet mit drei Minuspunkten in die Saison. Ist der Punktabzug innerhalb des Teams ein Thema?

Das Handicap mit den drei Punkten sieht man nur in der Tabelle. In der Kabine wird gar nicht darüber gesprochen. Wir gehen ganz normal in die Saison rein, denn wir haben jetzt 34 Spieltage lang Zeit, um das Handicap auszumerzen. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass wir das schaffen, hätte ich auch nicht meinen Vertrag verlängert.

War das 2:2-Unentschieden im Test gegen die Stuttgarter Kickers nach den ansonsten guten Ergebnissen in der Vorbereitung ein Dämpfer zur rechten Zeit?

Man darf die Stuttgarter Kickers und die Dritte Liga nicht unterschätzen. Das Ergebnis spricht vor allem für die Moral unserer Mannschaft, da wir das 0:2 noch aufgeholt haben. Das hat uns auch in den letzten Jahren ausgezeichnet, dass wir uns bis zur letzten Minute nie aufgeben. Das wird auch notwendig sein, um die nötigen Punkte für den Klassenerhalt zu holen.

Zum Auftakt geht es gegen Eintracht Braunschweig, gegen die der SV Sandhausen noch nie gewonnen hat. In der vergangenen Rückrunde hat Ihr Team aber vor allem auswärts gute Resultate erzielt. Was erwarten Sie für eine Partie? 

Vor dem ersten Pflichtspiel, weiß man noch nicht wo man steht. Braunschweig wird sicherlich Ambitionen haben, oben mitzuspielen, aber das kann ein Vorteil für uns sein. Wir haben im letzten Halbjahr bewiesen, dass wir uns auswärts etwas leichter tun, wenn wir das Spiel nicht machen müssen. Wenn wir kompakt stehen, können wir auch in Braunschweig drei Punkte holen.

In der vergangenen Saison ist der SVS mit einer negativen Serie in die Saison gestartet. Wie kann man einen solchen Fehlstart in diesem Jahr verhindern?

Wir haben natürlich ein schweres Auftaktprogramm, aber die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass wir nach einem schwachen Start die wichtigen Punkte noch geholt haben. Natürlich ist es besser, wenn man die Punkte gleich am Anfang holt. Aber wenn wir die Geduld nicht verlieren, werden wir auch in diesem Jahr den Klassenerhalt erreichen.

Im Sommer kamen viele junge Spieler nach Sandhausen. Nach außen hin hat man den Eindruck, dass die Neuzugänge bereits bestens integriert sind. Was haben Sie als Kapitän dazu beigetragen?

Die Integration hat super funktioniert. Viele der Spieler kannten sich auch schon vorher wie zum Beispiel Erik Zenga, der schon mit Leart Paqarada, Alexander Bieler und Aziz Bouhaddouz gespielt hat. Als Kapitän habe ich auch eine gewisse Verantwortung, die neuen Spieler mal beiseite zu nehmen und ihnen weiterzuhelfen, aber die Jungs sind auch schon sehr selbstständig.

Was waren die ausschlaggebenden Gründe, dass Sie Ihren Vertrag in Sandhausen bis 2016 verlängert haben?

Der SV Sandhausen war mein erster Ansprechpartner. Da ich kein Wandervogel bin und ich und meine Familie uns in Sandhausen sehr wohl fühlen, hat es für mich auch keinen Grund gegeben das Vertragsangebot nicht anzunehmen oder irgendetwas zu ändern.

Bevor Sie zum SV Sandhausen gewechselt sind, haben Sie Ihre Profikarriere bei Rapid Wien verbracht. Wie groß sind die Unterschiede zwischen den beiden Vereinen?

Wien ist eine Weltstadt. Ich bin dort aufgewachsen und habe dort 30 Jahre meines Lebens verbracht. Der Schritt ins Ausland war am Anfang nicht leicht, aber das Umfeld in Deutschlands Zweiter Liga ist besser als in Österreich. Das sieht man schon an den höheren Zuschauerzahlen.

Sie haben im vergangen Jahr die B-Trainerlizenz erworben. Ist es Ihr Ziel, dem Fußball auch nach der aktiven Karriere treu zu bleiben?

Ich bin jetzt 25 Jahre im Fußballgeschäft tätig. Fußball ist mein Leben, ich habe mein Hobby zum Beruf machen können. Ich wäre dumm, wenn ich dem Fußball nach meiner Karriere nicht treu bleiben würde. Ich kann mir eigentlich auch nichts anderes vorstellen. Ob als Trainer oder in anderer Funktion, ich möchte auf jeden Fall in dieser Branche so lange wie möglich bleiben.

In Österreich haben Sie den Spitznamen „Kampfgelse“. Wie kam es dazu?

Im Deutschen würde man Gelse als Stechmücke oder Schnake bezeichnen. Den Spitznamen hat mir in meinem ersten Profijahr bei Rapid Wien Andreas Herzog verpasst. Er wollte meine Spielweise mit einem Wort beschreiben und da eine Stechmücke sehr lästig sein kann, war das schon ein großes Kompliment.

Es ist oftmals von der stärksten Zweiten Liga der Welt die Rede. Wie stark ist die Liga tatsächlich auch im Vergleich zur österreichischen Ersten Liga?

Der große Unterschied ist, dass die Zweite Liga auf der ganzen Welt einen hohen Stellenwert hat. Allein die Berichterstattung und die Vermarktung ist ganz anders als in Österreich. Zudem gibt es viele Traditionsvereine, die in der Liga spielen. Auch wenn wir wieder als klarer Absteiger abgestempelt werden, wollen wir die großen Vereine ärgern.

Klappt es in dieser Saison endlich mit Ihrem ersten Tor für den SV Sandhausen?

Wenn man meine Karriere verfolgt, schieße ich alle drei Jahre ein Tor. Es wäre jetzt also wieder an der Zeit (lacht). Spaß beiseite, ich habe andere Aufgaben und versuche mich mit meinen Stärken im Team einzubringen, denn nur dann kann ich der Mannschaft auf dem Platz helfen. 

Zum Abschluss noch eine Prognose: Was ist in Braunschweig drin?

Ich gebe ungern eine Prognose ab, aber es wäre natürlich schön, wenn wir das erste Mal in der Vereinsgeschichte gegen Braunschweig gewinnen könnten. Wir gehen nach der Vorbereitung selbstbewusst in die Partie und da der Großteil der Mannschaft fit geblieben ist, gibt es auch keine Ausreden.

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Quelle: Mannheim24

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