„100 Jahre SVS“ - Teil 5

SVS gegen VfB: Der Elfmeter-Wahnsinn vom Hardtwald

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SVS-Spieler Thorsten Ehmann (li.) feiert mit einem Fan den sensationellen Erfolg.

Sandhausen – 1995 empfing der SV Sandhausen in der ersten Runde des DFB-Pokals als krasser Außenseite den VfB Stuttgart. Es sollte eine noch nie dagewesene Nervenschlacht werden.

In der Geschichte des DFB-Pokals gibt es unzählige Überraschungen und Sensationen, die ihren Weg in die Geschichtsbücher gefunden haben. Im Jahr 1995 hat der damalige Regionalliga-Aufsteiger SV Sandhausen für eine solche gesorgt

Es ist der 27. August, die erste Runde im DFB-Pokal, der Regen prasselt auf den Rasen des Hardtwaldstadions, der große VfB Stuttgart ist zu Gast. Der deutsche Meister von 1992, bei dem damals ein gewisser Joachim Löw als Co-Trainer von Rolf Fringer auf der Bank sitzt, ist mit allen Stars ins beschauliche Sandhausen gereist. Darunter das sogenannte  Magische Dreieck‘ um Krassimir Balakov, Giovane Elber und Fredi Bobic, die auch allesamt in der Startaufstellung gestanden haben.

Auch wenn bereits nach acht Minuten Stuttgarts Abwehrrecke Frank Verlaat mit Rot vom Platz muss, hat es den Anschein, als kann sich der Favorit durchsetzen. So bringt Mittelfeldregiesseur Krassimir Balakov (11.) den VfB früh in Führung.

Sandhausen beißt sich in die Partie, kann durch Matthias Bernhard (37.) vor der Pause ausgleichen, doch Fredi Bobic stellt mit seinem Tor in der 51. Minute die VfB-Führung wieder her. Das Team von Hans-Jürgen Boysen gibt sich trotz des erneuten Rückschlags nicht geschlagen, kämpft leidenschaftlich und erhält eine Viertstunde vor dem Ende die ganz große Chance auf den Ausgleich. 

Hahn verschießt Elfmeter, Staletovic-Kopfball erzwingt Verlängerung

Schließlich gibt Schiedsrichter Winfried Buchhart nach einem Foul von Weltmeister Thomas Berthold Elfmeter für den SVS. Mittelfeldspieler Knut Hahn tritt an, doch ihm versagen die Nerven. Der Ball landet an den Pfosten.

Die große Stunde des SV Sandhausen, sie sollte aber tatsächlich noch kommen...

Angepeitscht von den vielen Zuschauern kämpft sich der Außenseiter abermals zurück. Drei Minuten vor dem Abpfiff überwindet Slavisa Staletovic VfB-Keeper Marc Ziegler per Kopf und macht das viel umjubelte 2:2. Es geht in die Verlängerung -  jetzt ist alles möglich!

Nachdem auch die Verlängerung keinen Sieger hervorgebracht hat, muss das Elfmeterschießen über Sieg oder Niederlage entscheiden. Natürlich liegt die Sensation in der Luft. Dass die rund 5.200 Zuschauer gleich Fußball-Geschichte erleben, ahnt zu diesem Zeitpunkt allerdings keiner.

Den Anfang macht ausgerechnet Knut Hahn, der im Spiel noch verschossen hat. Diesmal behält er jedoch die Nerven und trifft für die Sandhäuser. Es beginnt ein irrer Schlagabtausch. Nachdem alle Feldspieler getroffen haben, müssen sogar die Torhüter ran. Sowohl Georg Reiser als auch Marc Ziegler können ihr Gegenüber verladen

Die Folge: Das Elfmeterschießen wird mit den Schützen fortgesetzt, die bereits geschossen haben. Es ist kein Ende in Sicht: Balakov, Hahn, Berthold, Feucht, sie alle treffen. Dann tritt Hendrik Herzog als 26. Elfmeterschütze zum zweiten Mal an. Der VfB-Verteidiger jagt den Ball gegen den Pfosten, der Elfmeter-Wahnsinn ist beim Stande von 13:12 bzw. 15:14 beendet, Sandhausen steht Kopf und sensationell in der zweiten Runde des DFB-Pokals!

Auch wenn in der nächsten Runde gegen Homburg Schluss gewesen ist, dieses Spiel gegen den VfB Stuttgart wird auf ewig seinen Platz in den Annalen des SV Sandhausen haben. Es ist schließlich noch immer das längste Elfmeterschießen der Pokalgeschichte.

Im sechsten Teil unserer Serie „100 Jahre SVS“ blicken wir auf die zwei größten Titel der Vereinsgeschichte zurück.

>>> „100 Jahre SVS“ – Teil 1: Wie Gerd Dais den SVS geprägt hat!

>>> „100 Jahre SVS“ – Teil 2: Der SVS und die legendäre Pokalsaison 1985/86

>>> „100 Jahre SVS“ – Teil 3: Stefan Allgeier: Seit 47 Jahren mit Herzblut für den SVS

>>> „100 Jahre SVS“ – Teil 4: Vom Beinahe-Absteiger zum souveränen Aufsteiger

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nwo

Quelle: Mannheim24

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