SVS-Coach im Interview

Schwartz: „Die Mannschaft hat Charakter gezeigt"

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Alois Schwartz ist seit 2013 Trainer beim SV Sandhausen.

Sandhausen – Im Interview mit HEIDELBERG24 spricht SVS-Coach Alois Schwartz unter anderem über sein Saisonfazit und die Transferstrategie für die kommende Saison.

Fast immer, wenn in der 1. oder 2. Bundesliga ein Trainerposten frei wird, fällt der Name Alois Schwartz (49). Nicht ohne Grund: Der gebürtige Nürtinger leistet schließlich seit 2013 erfolgreiche Arbeit beim SV Sandhausen und hat großen Anteil daran, dass die Badener bereits vor ihrer fünften Zweitliga-Saison stehen.

Vor dem letzten Saisonspiel gegen Greuther Fürth haben wir den SVS-Coach zum exklusiven Interview getroffen.

Frage: Herr Schwartz, Sie haben mit dem SV Sandhausen bereits frühzeitig den Klassenerhalt perfekt gemacht. Welche Note würden Sie der Saison 2015/16 geben? 

Alois Schwartz: „Ich denke, dass wir eine ordentliche Runde gespielt haben. Wenn ich eine Note geben müsste, dann eine 2-3. Wenn wir eine etwas bessere Rückrunde gespielt hätten, vielleicht sogar eine 1-2 (lacht).“ 

War diese Saison durch die drei Punkte Abzug die schwierigste, seitdem sie Trainer in Sandhausen sind? 

„Das kann man schon so sagen, auch wenn natürlich jedes Jahr schwer gewesen ist. Wenn man mit drei Minuspunkten startet und wenn man sieht, wie eng die Tabelle zwischen den Plätzen 4 und 14 ist, dann sind drei Punkte schon viel. Nach 17 Spielen wären wir zum Beispiel normalerweise Dritter gewesen. Was man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen muss, ist, dass wir die Hypothek ja das ganze Jahr mit uns mitgeschleppt haben. Unser Geschäftsführer sagt immer, dass es unser Ziel ist, eine sorgenfreie Saison zu spielen - das haben wir geschafft.“ 

Wie wichtig war der gute Start mit drei Siegen in Folge? 

„Sehr wichtig! Das hat man spätestens dann gesehen, als es in der Rückrunde nicht mehr so gut lief. Wenn wir diese Negativserie am Anfang gehabt hätten, wäre es vielleicht anders gelaufen. So sind wir nie wirklich in Gefahr geraten.“

Nach dem Sieg gegen Paderborn lief es in der Rückrunde lange Zeit nicht mehr rund. Hatten Sie den Eindruck, dass sich bei manchen Spielern nach der guten Hinrunde eine gewisse Selbstzufriedenheit eingestellt hat? 

„Ich weiß nicht, ob das unbedingt Selbstzufriedenheit gewesen ist. Es ist völlig normal, dass es in einer Saison Höhen und Tiefen gibt, das haben auch Spitzenteams wie Freiburg oder Leipzig durchgemacht. Diese Mannschaften haben dann aber eine andere Qualität und können das auffangen. Wir hingegen müssen immer als Kollektiv funktionieren. Dass immer alle auf einem hohen Level spielen, ist nicht einfach. Die Mannschaft hat sich aber zurückgekämpft. Das zeigt, wie viel Substanz und Charakter in ihr steckt. Es gibt Mannschaften, die haben das nicht hingekriegt.“

Sie haben im November ihren Vertrag bis 2018 verlängert, unter anderem mit der Begründung, dass aus der Mannschaft noch viel herauszuholen ist. Wo sehen Sie denn das Maximum für den SVS? 

„Das kann man so gar nicht definieren. Das große Ziel der Bayern ist jedes Jahr das Triple. Wir haben jetzt hier unser ganz eigenes Triple erreicht, indem wir drei mal hintereinander in der Liga geblieben sind. Das ist schon eine Hausnummer! Es ist wichtig, dass man sich in dieser Liga etabliert, das geht nicht in ein oder zwei Jahren. Mannschaften mit einem weitaus größeren Etat stehen schlechter da als wir. Nächstes Jahr kommen Hannover und eine andere große Mannschaft sicher runter, Dresden kommt hoch, das ist teilweise schon fast Bundesliganiveau, was oftmals vergessen wird. Deswegen hebe ich ja auch immer wieder den Finger. Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir uns mit solchen Mannschaften messen dürfen. Jedes Jahr, in dem der SV Sandhausen in der 2. Bundesliga bleibt, ist ein tolles Jahr für den Verein.“  

Vermissen Sie manchmal die Wertschätzung für das Geleistete? 

„Es wird eben schnell zur Normalität, der Mensch ist einfach so. Wir müssen für den Erfolg aber unglaublich viel Arbeit investieren. Wir holen schließlich Spieler aus unteren Ligen und bilden diese aus. Da muss man mit Schwankungen leben und braucht Geduld. Das habe ich in den sechs Jahren in Kaiserslautern gelernt.“ 

Welche Rolle hat bei der Vertragsverlängerung ihre Familie gespielt? 

„Im Profifußball kann man sich das nicht aussuchen. Aber die ganze Familie fühlt sich hier wohl. Jürgen Machmeier und Otmar Schork bin ich sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, mich hier zu beweisen.“ 

Sie haben gesagt, dass der SVS durch die frühzeitige Planungssicherheit vielleicht für Überraschungen auf dem Transfermarkt sorgen wird. Wie könnte so eine Überraschung aussehen? Könnten auch Leihgeschäfte mit Bundesligaspielern ein Thema werden? 

„Leihgeschäfte sind bei uns schon ein Thema, aber zu viele Leihgeschäfte sind nicht gut, das ist im Endeffekt kontraproduktiv. Wir wollen im Sommer auch mal etwas erfahrenere Spieler verpflichten. Wir haben nämlich nicht viele Spieler, die so erfahren sind, dass sie auch die jungen Spieler führen können.“ 

Mit Aziz Bouhaddouz und Jakub Kosecki verlassen zwei wichtige Offensivspieler den Verein. Sehen Sie im Offensivbereich die größte Baustelle? 

„Es ist natürlich wichtig, dass wir uns in der Offensive wieder ordentlich aufstellen. Wir werden auch eine gewisse Breite im Kader benötigen. Im ersten Jahr haben wir die Defensive stabilisiert, im zweiten Jahr haben wir dann das Hauptaugenmerk auch mehr auf die Offensive gelegt. Dieser Spagat ist letztlich aber ganz schwierig. Wir können nicht immer das Spiel gestalten und dominieren, das kann vielleicht der FC Bayern. Es kann nicht die Erwartungshaltung sein, dass wir hier jede Woche ein Feuerwerk hinlegen. Du brauchst eine Mannschaft, die Charakter hat, die kompakt steht und die das gemeinsame Ziel über das persönliche stellt.“ 

Wie läuft die Beobachtung von Spielern ab? Eine große Scoutingabteilung wie bei anderen Vereinen gibt es beim SVS ja nicht. 

„Wir haben schon unsere Leute, die für uns Spieler beobachten, aber wir können natürlich nicht alles abdecken. Otmar Schork und mein Co-Trainer Gerhard Kleppinger sind immer viel unterwegs. Ich probiere natürlich auch in diesem Bereich so viel wie möglich unterwegs zu sein, bin aber in der Regel mit der Beobachtung des nächsten Gegners beschäftigt.“ 

Sie waren lange Jahre auch als Spieler in der Bundesliga und 2. Liga aktiv. Wie sehr haben Sie ihre Trainer von damals geprägt und wie würden Sie ihren eigenen Stil beschreiben? 

„Das war früher eine ganz andere Zeit, ein ganz anderer Umgang. Wenn man heute so mit Spielern umgehen würde, würde man vielleicht eine Anzeige kriegen (lacht). Ich versuche, so ein Trainer zu sein, den ich mir als Spieler immer gewünscht habe. Kommunikation ist dabei sehr wichtig. Ich habe für meine Spieler immer ein offenes Ohr. Die Trainingseinheiten will ich immer relativ ausgewogen gestalten. Ich sehe nicht nur den Spieler, sondern auch den Menschen. Das ist ganz wichtig, um einen Spieler weiterentwickeln zu können. Ich will aus dem Fußball auch keine Wissenschaft machen.“ 

Trotz der starken Saison war das Hardtwaldstadion in dieser Saison nie ausverkauft. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? 

„Das ist schon schade! Es gibt Spiele, da motivierst du die Spieler in der Kabine und dann gehst du raus und siehst so wenig Zuschauer im Stadion. Das ist gegenüber anderen Mannschaften manchmal schon ein Nachteil. Das beste Beispiel ist das letzte Spiel gegen Duisburg. Die vielen MSV-Fans haben durch ihre Stimmung großen Anteil daran, dass sie noch das 2:2 geschafft haben.“ 

Ist es im Gegenzug auch besonders motivierend, wenn man auswärts in einem Hexenkessel als Außenseiter auftritt? 

„Ja, es gab ja genug Beispiele. Wir haben auf St. Pauli, in Leipzig oder auch in Düsseldorf gewonnen. Das sind schöne Erlebnisse gewesen. Wir wissen, dass wir nie so viele Zuschauer haben werden wie St. Pauli oder Kaiserslautern, aber wir würden uns sehr freuen, wenn uns künftig mehr Fans unterstützen würden.“ 

Der SVS wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Sie haben in den vergangen drei Jahren die wohl erfolgreichste Zeit mitgestaltet. Macht Sie das stolz? 

„Klar, das macht mich schon stolz, wie die Mannschaft hier mitgezogen hat und was sich auch innerhalb des Vereins alles entwickelt hat. Es ist doch toll, dass jetzt zum Beispiel wieder am Stadion gebaut werden kann, da haben wir mit unseren Leistungen auch unseren Teil beigetragen. Die erste Mannschaft ist schließlich das Flaggschiff eines Vereins.“ 

Spüren Sie nach dieser langen Saison bei sich auch eine gewisse Leere? 

„Ja, das war schon eine anstrengende Saison, gerade auch mit den drei Minuspunkten. Dass der Akku dann auch etwas leer ist, ist ganz normal, auch bei den Spielern - da muss man Verständnis haben. Es ist jetzt gut, dass man im Urlaub mal komplett abschalten kann, um dann die neue Saison anzugehen.“ 

Geben Sie den Spielern Trainingspläne mit in den Urlaub? 

„Wir haben noch einen Laktattest gemacht, dass wir wissen, wo die Mannschaft vor dem Urlaub steht. Wir haben aber auch großes Vertrauen in die Spieler. Jeder sollte selbst wissen, dass er jetzt nicht vier Wochen die Beine hochlegen kann.“ 

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das letzte Spiel gegen Fürth? 

„Ich möchte einfach, dass wir ein gutes Spiel abliefern. Wir wollen die Fans, die mitreisen, auch noch einmal belohnen. Wir haben unter meiner Leitung zweimal in Fürth gespielt. Im ersten Jahr haben wir verloren, im zweiten Jahr unentschieden gespielt, dann wäre doch jetzt eigentlich ein Sieg an der Reihe (lacht).“

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Quelle: Mannheim24

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