Serie: 10 Jahre Hoffenheim in der Bundesliga - 11. Teil

Was wurde aus den ehemaligen Hoffenheim-Trainern...Babbel, Kramer und Kurz? 

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Markus Babbel ist inzwischen Trainer in Australien.

Zuzenhausen – In unserer Serie „Was wurde aus...?“ blicken wir auf zehn Jahre Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga zurück und klären die Frage, was die ehemaligen Hoffenheimer heute machen.

Zum Hinrundenbeginn 2018 feiert die TSG 1899 Hoffenheim ihr zehnjähriges Bundesliga-Jubiläum!

In dieser Zeit haben einige Strategen auf der Trainerbank Platz genommen. In unserer zwölfteiligen Serie „Was wurde aus...?“ schauen wir, was aus den Tops und Flops der TSG-Geschichte geworden ist. 

Im elften Teil richten wir den Fokus auf die Nach-Stanislawski-Ära bis zur Freistellung von Marco Kurz. 

Markus Babbel (46)

Nach dem unrühmlichen Ende der Stanislawski-Ära und dem gescheiterten Imagewechsel soll Markus Babbel die Ambitionen des Kraichgauer Klubs erfolgreich umsetzen. Die Titelsammlung des ehemaligen Verteidigers als aktiver Spieler kann sich sehen lassen: Vier deutsche Meisterschaften, zwei Pokalsiege, UEFA-Pokalsieger mit dem FC Bayern und Europameister mit der DFB-Auswahl 1996.

Dennoch geht mit der Verpflichtung des Eigengewächses vom FC Bayern ein fader Beigeschmack einher. Dem Rausschmiss bei Hertha BSC geht eine öffentliche Schlammschlacht voraus. Der über die Medien ausgetragene Disput gipfelt darin, dass der Präsident der Alten Dame aus Berlin dem jungen Coach der Lüge bezichtigt: „Jetzt sollte man nicht mit Baron-Münchhausen-Geschichten kommen“. Auslöser der Schlammschlacht ist Babbels öffentliche Ankündigung, sein Engagement bei der Hertha nach Ablauf der Spielzeit zu beenden. Anders als in der Darstellung des Aufstiegstrainers, gibt sich die Berliner Vereinsführung völlig ahnungslos und sieht sich vor vollendete Tatsachen gestellt.

Die Erwartungen in den gebürtigen Bayern erfüllen sich auch in Hoffenheim nicht, denn auch mit dem Europameister auf der Bank mag sich der Erfolg bei der TSG nicht einstellen. Der Verein startet mit einer desolaten 0:4 Niederlage beim Regionalligisten Berliner AK im DFB-Pokal in die Saison 2012/13. Damit ist der Startpunkt für die spätere Degradierung und Suspendierung des Neuzugangs Tim Wiese eingeleitet.

Zuvor ist der Hoffnungsträger von der Weser vom Trainer als neuer Mannschaftskapitän ernannt worden. Damit fällt seine öffentliche Demontage zwangsläufig auf die Autorität des Chefcoachs zurück. Ein Eigentor, das unwillkürlich zu einer Abwärtsspirale führt und an dessen Ende sich der Klub im Dezember 2012 dem Abstiegskampf stellen muss. Noch vor der Winterpause zieht die Vereinsführung die Reißleine und Babbel muss seinen Hut nehmen.

Hinterher verschwindet der geschasste Coach für die nächsten zwei Jahre in der Versenkung. Erst im Oktober 2014 verkündet der akut abstiegsgefährdete Schweizer Erstligist FC Luzern seine Verpflichtung. Babbel vollzieht die Mission Klassenerhalt mit Bravour und leitet eine starke Rückrunde ein. Doch auch in der Alpenrepublik legt sich der Bajuware mit der Vereinsführung an und kritisiert sowohl die Personalpolitik, als auch die Geschäftsführung öffentlich. In diesem Zusammenhang kündigt er an, seinen zum Ende der Saison 2017/18 auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Ein Umstand der an Berliner Zeiten erinnert und gleichsam zu seiner unmittelbaren Entlassung führt. 

Öffentliche Stellungnahmen Babbels machen jedoch nicht nur vor seinen Arbeitgebern Halt. In seiner Zeit als Luzerner Übungsleiter rügt er auch den Hoffenheimer Cheftrainer Julian Nagelsmann, als dieser sich als potentieller Nachfolger beim großen FC Bayern in Stellung bringt. 

Babbel neuer Cheftrainer bei Western Sydney Wanderers

Nach seinem Engagement in der beschaulichen Schweiz verschlägt es Babbel nach Down Under. Am anderen Ende der Welt leitet der 46-jährige seit Mai 2018 die Übungseinheiten unter dem sonnigen Himmel Australiens bei den Western Sydney Wanderers. Man kann ihm nur wünschen, dort sein Trainerglück zu finden, jedoch birgt bereits der holprige Saisonstart bei dem ambitionierten Klub eine Menge Sprengstoff.

Frank Kramer (46)

Zum Zeitpunkt der Entlassung Babbels stehen noch zwei weitere Ligaspiele vor der Winterpause auf dem Programm. Aus der zweiten Mannschaft der Hoffenheimer wird Frank Kramer auf den Chefposten der Bundesliga-Mannschaft befördert. Er nutzt jedoch seine Chance nicht und verliert sowohl auswärts gegen den HSV als auch im letzten Heimspiel gegen den BVB. Damit bleibt der studierte Gymnasiallehrer in den Bundesligatrainer-Annalen der TSG lediglich als Interimstrainer der Hinrunde 2012/13 verewigt und zieht sich wieder auf seinen Posten bei der zweiten Mannschaft zurück. 

Ausgerechnet im Anschluss an das Kellerduell der beiden Letztplatzierten SpVgg Greuther Fürth und TSG Hoffenheim - mit dem Endstand 0:3 zugunsten der Kraichgauer - wird Kramer am 25. Spieltag 2012/13 als Nachfolger auf dem Chefposten der Franken vorgestellt. Der Abstand zum rettenden Ufer beträgt für die Spielvereinigung aus Fürth nach der Niederlage bereits 14 Punkte. Folglich gilt der ehemalige Hoffenheimer lediglich als ‚Konkursverwalter‘ der ausstehenden Spielzeit. Der Fokus richtet sich bereits auf die kommende Saison mit der Mission Wiederaufstieg, wobei diese Zielsetzung im folgenden Jahr weit verfehlt wird. Nach 22 Spielen in der 2. Bundesliga belegen die Fürther im Februar 2015 einen enttäuschenden 13. Tabellenplatz und der Fußballlehrer wird aufs Abstellgleis gestellt.  

Offensichtlich scheint die bescheidene Profitrainer-Vita des Fußballprofessors die Fortuna aus Düsseldorf nicht davon abzuhalten, dem erfolglosen Coach das Vertrauen zu schenken. Zu Beginn der Saison 2015/16 beauftragt ihn der Klub vom Rhein mit dem Neuaufbau der Mannschaft. Doch auch hier wird Kramer nach knapp viermonatiger Amtszeit wegen Erfolglosigkeit entlassen. 

Frank Kramer trainiert aktuell die U18-Nationalmannschaft des DFB

Damit ist der vorläufige Schlusspunkt unter seine Vereinstrainerkarriere gesetzt. Dennoch bleibt der hochgebildete Fußballtaktiker dem Sport erhalten und betreut seit August 2016 eine Juniorenauswahl des DFB.     

Marco Kurz (49)

Von der Pfalz in den Kraichgau, so könnte das Motto der Verpflichtung von Marco Kurz für den Trainerjob lauten. Der ehemalige Lauterer Aufstiegstrainer vermag es jedoch nicht der Hoffenheimer Leidenszeit ein Ende zu setzen. Vielmehr bleibt seine kurze dreimonatige Amtszeit für immer mit den Querelen um die Suspendierung Tim Wieses verbunden. Auch Kurz bleibt der Erfolg versagt und so belegt die TSG am Ende seiner vorzeitig beendeten Laufbahn weiterhin einen direkten Abstiegsplatz. 

Die weitere Trainerkarriere des gebürtigen Schwaben setzt sich daraufhin in der 2. Bundesliga fort. Zur Saison 2013/14 übernimmt er den FC Ingolstadt 04, aber auch hier erfüllt er nicht die Erwartungen. Eine katastrophale Ausbeute mit vier Punkten in neun Spielen spricht für sich und bedeutet das vorzeitige Aus bei den Oberbayern. 

Marco Kurz als Trainer von Fortuna Düsseldorf.

Die Wege der beiden glücklosen Hoffenheim-Veteranen Kurz und Kramer kreuzen sich anschließend in Düsseldorf. Im Dezember 2015 wird Kurz, als Nachfolger Kramers, bei den abstiegsbedrohten Fortunen mit dem Chefposten auf der Trainerbank betraut. Man könnte den Eindruck gewinnen, auf den Nachfolgern von Ralf Rangnick in Hoffenheim lastet der Fluch der Erfolglosigkeit. Denn auch in Düsseldorf wird Kurz nach ungenügenden vier Punkten aus sieben Spielen bereits vor Abschluss der Saison wieder entlassen. 

Und so verschlägt es auch ihn, genau wie seinen Vorgänger Markus Babbel, ins ferne Australien zum Adelaide United FC. Dort erfüllt er seit Juni 2016 einen Zwei-Jahres-Vertrag und trifft am zweiten Weihnachtsfeiertag (Mittwoch, 26. Dezember 2018/9:50 Uhr MEZ) im heimischen Stadion zur besten Sendezeit auf die Western Sydney Wanderers mit Babbel auf der Trainerbank - vorausgesetzt keiner der Beiden wird bis dahin entlassen...  

esk     

 

Quelle: Mannheim24

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