Geschichte einer Fußball-Arena

Carl-Benz-Stadion - alle Infos zur Heimspielstätte des SV Waldhof

Mannheim – Seit 1994 trägt der SV Waldhof Mannheim seine Heimspiele im Carl-Benz-Stadion in Neuostheim aus. Alle Infos zu der Fußball-Arena:

  • Carl-Benz-Stadion bietet insgesamt 24.302 Zuschauern Platz.
  • Jahrelange Querelen im Mannheimer Gemeinderat und ein juristischer Streit mit den Anwohnern verzögern den Stadion-Neubau
  •  Am 25. Februar 1994 wird das Fußball-Stadion beim Zweitliga-Spiel gegen Hertha BSC feierlich eröffnet. 

Das „Wunder Waldhof“ – lange ist es her: Am 15. Mai 1983 steigt der SV Waldhof in die Bundesliga auf und entfacht in der Region eine Fußball-Euphorie, wie sie die Quadratestadt seit der Meisterschaft des Stadtrivalen VfR Mannheim im Jahre 1949 nicht mehr erlebt hat. In der ersten Bundesliga-Saison 1983/84 kann der SV Waldhof sogar den benachbarten Traditionsverein aus der Pfalz in der Gunst der Zuschauer übertrumpfen. Mit knapp 27.000 Zuschauern im Durchschnitt rangieren die Waldhöfer deutlich vor dem Bundesliga-Konkurrenten 1. FC Kaiserslautern (19.118). Es ist der Startpunkt für eine Jahrzehnte andauernde Rivalität, denn der Verein aus dem Mannheimer Norden trägt seine Bundesligaspiele auf der linken Rheinseite im Einzugsgebiet der Pfälzer aus. Da in Mannheim ein bundesligataugliches Stadion fehlt, wird dasLudwigshafener Südweststadion notgedrungen die vorläufige Heimspielstätte der Waldhöfer. 

In der Folge werden die Rufe nach einem Mannheimer Stadion immer lauter – doch politische Querelen im Gemeinderat und ein Rechtsstreit mit den Anwohnern verzögern den Stadion-Neubau. Bis zur Eröffnung des Carl-Benz-Stadion wird ein weiteres Jahrzehnt ins Land gehen.

Carl-Benz-Stadion: Umzug, Aus- oder Neubau – jahrelange Diskussionen im Gemeinderat 

Erste Überlegungen für ein neuwertiges Fußballstadion in Mannheim reichen bis in die späten 1970er Jahre zurück. Damals beauftragt der technische Ausschuss des Gemeinderats ein Architekturbüro mit Vorplanungen für den Umbau des in die Jahre gekommenen Rhein-Neckar-Stadions  in Neuostheim. Bis 1971 in direkter Nachbarschaft ein gleichnamiges reines Fußballstadion entsteht, ist das Rhein-Neckar-Stadion die Heimat des VfR Mannheim

Als sich der Aufstieg des SV Waldhof allmählich abzeichnet, kehrt auch die Stadion-Frage auf die kommunalpolitische Tagesordnung zurück. So beschließt der Mannheimer Gemeinderat im März 1983 einen Planungsauftrag für den Ausbau des Waldhof-Stadions am Alsenweg (heute Seppl-Herberger-Sportanlage). Dieser wird aber aufgrund der mangelhaften Verkehrsinfrastruktur abgelehnt – damit rückt der Ausbau des Rhein-Neckar-Stadions wieder in den Vordergrund. Es folgt eine Abstimmungs-Odyssee mit mehreren Kehrtwendungen. Zwischenzeitlich findet sich im Gemeinderat sogar eine Mehrheit für eine finanzielle Beteiligung am Ausbau des Südwest-Stadions. Missfallen und Proteste der Anwohner in Ludwigshafen gegen ein dauerhaftes Exil des SV Waldhof und der Widerwillen seitens des DFB lassen diesen Plan jedoch wieder in der Schublade verschwinden.

Das Südweststadion in Ludwigshafen (Oktober 2005).

Letztendlich einigen sich die Stadträte im September 1990 nach wiederholten Bürgeranträgen des SV Waldhof auf einen Neubau in Neuostheim. Das Rhein-Neckar-Stadion soll abgerissen werden – schlechte Lärmwerte schließen einen Umbau aus. Für den Verein kommt die Entscheidung viel zu spät: Aufgrund sinkender Zuschauerzahlen und Druck von allen Seiten ist der SV Waldhof an den Alsenweg zurückgekehrt und anschließend aus der Bundesliga abgestiegen.

Carl-Benz-Stadion: Klagen der Neuostheim-Anwohner verzögern den Stadion-Neubau

Nach jahrelangem Hin und Her im Gemeinderat erteilt das Regierungspräsidium im November 1990 die Baugenehmigung: Einem neuen Mannheimer Fußball-Stadion steht nichts mehr im Weg – denkt man zunächst. Gemeinderat und Verein haben die Rechnung ohne die Anwohner gemacht. Die nämlich laufen gegen das insgesamt 33,2 Millionen D-Mark umfassende Projekt (Infrastruktur eingeschlossen) Sturm. 

Im März 1992 stoppt das Verwaltungsgericht Karlsruhe nach eingereichten Klagen Neuostheimer Bürger den Stadion-Neubau. Das juristische Tauziehen geht anschließend bis vor das Bundesverwaltungsricht in Berlin – mit dem besseren Ende für die Stadion-Befürworter. Auch eine Petition der Stadion-Gegner im Baden-Württembergischen Landtag, gegen einen Landeszuschuss in Höhe 14 Millionen D-Mark, wird im Parlament zurückgewiesen. 

Carl-Benz-Stadion: Die neue Waldhof-Heimat bekommt ihren Namen 

Am 30. März 1993 wird der Grundstein für das neue Stadion gelegt: „Es gehört zur guten Tradition, dass die Bürgerschaft Bauvorhaben nicht einfach nur hinnehmt“, zeigt sich Oberbürgermeister Gerhard Widder in seiner Festrede zur Grundsteinlegung versöhnlich. Im November selbigen Jahres benennt der Gemeinderat die Fußball-Arena nach dem Mannheimer Erfinder des Automobils: Carl Benz. Ursächlich hierfür ist die knapp eine Million D-Mark umfassende Spende der Mercedes-Benz-AG für die Anzeigetafel

Zum Auftakt der Rückrunde in der 2. Bundesliga (25. Februar 1994) rollt beim Spiel des SV Waldhof Mannheim gegen Hertha BSC zum ersten Mal der Ball im Carl-Benz-Stadion. „Nach 13 Jahren Kampf haben wir's endlich geschafft“, freut sich Jakob Helfermann, 2. Vorsitzende der Faninitiative des SV Waldhof, gegenüber dem Mannheimer Morgen.

Carl-Benz-Stadion: Lärmbelästigung schränkt Stimmung und Nutzung ein  

Dennoch bleibt nach den aufreibenden Auseinandersetzung mit den Anwohnern auch ein Wermutstropfen. Aufgrund der Anwohnerklagen dürfen jährlich lediglich 25 Veranstaltungen (später auf 27 erhöht) im Carl-Benz-Stadion stattfinden. Auch Flutlicht-Begegnungen sind auf fünf Spiele pro Jahr begrenzt. 

Um den Lärmpegel im mittlerweile 24.302 Zuschauer fassenden Stadion zu reduzieren sind die Ecken nach Westen hin geöffnet. Die U-Form soll den Schall vom angrenzenden Neuostheim Richtung Theodor-Heuss-Anlage abführen und so die Lärmbelästigung der Anwohner verringern. Zusätzlich begünstigt wird die gezielte „Lärmabführung“ zu den westlichen Sportanlagen durch das etwas abgesenkte Dach der West-Tribüne. Eine weitere Maßnahme zum Zwecke des Lärmschutzes ist die bei Fans unbeliebte Trennung der Stehplatz-Bereiche in Süd-Ost- und Nord-Ost-Blöcke, während die Osttribüne hinter dem Tor mit Sitzschalen bestückt wird.

Carl-Benz-Stadion: Streit um Nutzungsrechte mit dem Stadtrivalen

Bundesliga-Fußball im Carl-Benz-Stadion wird es auch in den kommenden Jahren nicht geben. Mit dem 1997 erfolgten Abstieg des SV Waldhof in die Regionalliga Süd entwickelt sich das Carl-Benz-Stadion zum Zankapfel zwischen den zwei größten Mannheimer Vereinen, die nunmehr in der gleichen Spielklasse auf Punktejagd gehen. 

Die Haupttribüne des Rhein-Neckar-Stadions -Heimat des VfR Mannheim (6. Juli 2019).

Damit stellt sich auch die Frage nach der Nutzung des städtischen Stadions, da aufgrund der Spiel-Begrenzung pro Jahr lediglich ein Verein im „Schmuckkästchen“ auflaufen kann. Der Nutzungsvertrag für das Carl-Benz-Stadion sieht vor, dass der höherklassige Verein der Stadt ein Erstzugriffsrecht hat – eine Klausel, die bei gleicher Ligazugehörigkeit nicht mehr greift. Die Ansprüche des VfR Mannheim werden jedoch zurückgewiesen: Nach Angaben der Stadt Mannheim gelten bei gleicher Spielklasse die älteren Rechte und so darf der SV Waldhof als alleiniger Verein das Carl-Benz-Stadion nutzen.

Carl-Benz-Stadion: Bundesliga-Fußball in Mannheim  

Knapp 14 1/2 Jahre nach dem Eröffnungsspiel im Carl-Benz-Stadion ist es endlich soweit: Die Bundesliga hält Einzug in das Carl-Benz-Stadion. Zum Ärger der Waldhof-Fans sind es aber nicht die Blau-Schwarzen, denen der Sprung ins Fußball-Oberhaus gelungen ist, sondern ein aufstrebender Verein aus dem Kraichgau: die TSG Hoffenheim

Im Jahr des Bundesliga-Aufstiegs der Blau-Weißen ist der SV Waldhof lediglich in der vierten Spielklasse vertreten. Da die Arena in Sinsheim erst zur Rückrunde der Saison 2008/09 fertiggestellt wird, kommen die Mannheimer für ein halbes Jahr in den Genuss von Bundesliga-Fußball in der Quadratestadt.

Die Anzeigetafel im Carl-Benz-Stadion weist nach dem Schlußpfiff die TSG Hoffenheim als Tabellenführer aus.

Zunächst aber muss das 1994 errichtete Stadion für die Anforderungen der DFL modernisiert werden. Neben einer neuen Videoleinwand werden unter anderem Kunstrasenstücke im Bereich der Spielerbänke verlegt und Sicherheitsmaßnahmen im Außenbereich umgesetzt. Einen Großteil der 1,4 Millionen Euro umfassenden Kosten übernimmt die Daimler AG, wobei der Restbetrag von Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp übernommen wird. Beim ersten Bundesliga-Spiel (23. August 2008) im Carl-Benz-Stadion gewinnt die TSG Hoffenheim am zweiten Spieltag mit 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach.

Carl-Benz-Stadion: Rekordkulisse in der Oberliga   

Entgegengesetzt zum Höhenflug der TSG Hoffenheim stürzt der SV Waldhof in der Folge weiter ab und findet sich nach einem Lizenzentzug zur Spielzeit 2010/11 gar in der fünftklassigen Oberliga wieder. Durch eine kaum noch für möglich gehaltene Aufholjagd erobern die Mannheimer am vorletzten Spieltag die Tabellenführung vom FC Nöttigen. Zum Saisonfinale können die Kurpfälzer mit einem Sieg gegen den FV Illertissen den Wiederaufstieg in die Regionalliga perfekt macht. Ein Umstand, der sage und schreibe 18.313 Zuschauer in das Carl-Benz-Stadion lockt – Rekordkulisse

Es ist die höchste Zuschauerzahl bei einem Punktspiel in einer fünften Spielklasse. Damit verweist der SV Waldhof den bisherigen Rekordhalter FC Sachsen Leipzig (seit 2011 BSG Chemie Leipzig) deutlich auf die Plätze. Das Stadtderby gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig verfolgen zuvor exakt 14.968 im Zentralstadion (seit 2010 Red Bull Arena). 

Carl-Benz-Stadion: Die „Ost“ wird zur Otto-Siffling-Tribüne    

Die bei den Waldhof-Fans unbeliebte Positionierung des Fanbereichs auf der Süd-Ost-Tribüne ist bereits nach dem Absturz in der Oberliga im Jahr 2003 revidiert worden. Um auch im Amateurlager bei geringerem Zuschauerzahlen eine stimmungsvolle Unterstützung zu gewährleisten, entwickelt sich die Ost-Tribüne zur neuen Heimat der Ultras

Zum Auftakt Saison 2012/13 in der der Regionalliga Südwest wird die Ost-Tribüne im Carl-Benz-Stadion mit einer neuen Hochbande bestückt. Pünktlich zum 100-jährigen Geburtstag von Waldhof-Ikone Otto Siffling trägt der Rang hinter dem Tor nunmehr seinen Namen. 

Im Mai 2018 sorgt die Otto-Siffling-Tribüne bundesweit für Negativ-Schlagzeilen, als Waldhof-Fans im Relegationsspiel um den Aufstieg in die 3. Liga einen Spielabbruch erzwingen. Nach dem dritten gescheiterten Anlauf in den Aufstiegsspielen wird auf der OST-Tribüne wiederholt Pyrotechnik abgebrannt und Leuchtraketen auf das Spielfeld abgefeuert. Schiedsrichter Patrick Ittrich sieht sich gezwungen das Rückspiel gegen den KFC Uerdingen abzubrechen. Als Konsequenz für des Spielabbruch werden die Waldhof-Anhänger mit der Sperrung der Otto-Siffling-Tribüne als Fanbereich sanktioniert. 

Carl-Benz-Stadion: Rückkehr in den Profifußball – Arena wird modernisiert 

Trotz drei misslungener Aufstiegsversuche in Folge und anhaltender Querelen zwischen Verein und DFB um die Wiederzulassung der Ost-Tribüne als Fanbereich, gelingt dem SV Waldhof Mannheim im vierten Anlauf unter Trainer Bernhard Trares die Rückkehr in den Profifußball

Obgleich das Carl-Benz-Stadion für die Bundesliga-Premiere der TSG Hoffenheim renoviert worden ist, muss die Arena wieder auf Vordermann gebracht werden. Hierfür investiert die Stadt Mannheim rund 2,8 Millionen Euro. Neben dem Rasen werden auch die Flutlicht- und Beschallungsanlage erneuert. Zudem soll in zwei Bauabschnitten bis zum Beginn der Saison 2020/21 die Installation einer Rasenheizung fertiggestellt werden. 

Fotos von den Umbaumaßnahmen im Carl-Benz-Stadion

Auch für die Waldhof-Fans gibt es gute Neuigkeiten: Die Otto-Siffling-Tribüne darf zur Heimpremiere in der 3. Liga gegen den SV Meppen wieder als Fanbereich genutzt werden. Beim Derby gegen den 1. FC Kaiserslautern ist das Stadion erstmals nach 23 Jahren in einem Ligaspiel ausverkauft. 

Carl-Benz-Stadion: Corona-Krise stoppt den Fußball 

Anders als in der 1. und 2. Bundesliga fallen die TV-Gelder für die Vereine in der 3. Liga wesentlich geringer aus. Daher sind auch für den SV Waldhof die kalkulierten Besucherzahlen im Carl-Benz-Stadion für die Finanzierung des Etats unerlässlich.

Spielpause in der 3. Liga durch die Coronavirus-Epidemie (22. Marz 2020). 

Umso deutlicher wird dieser Umstand im Zuge der Corona-Krise: „Geisterspiele hätten eine finanzielle Auswirkung und wären nicht einfach zu stemmen. Es gibt in der 3. Liga Vereine, bei denen es Spitz auf Knopf zugeht und jeder Zuschauer zählt“, so Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp.

Carl-Benz-Stadion: Spiele der deutschen Nationalmannschaft  in Mannheim

Datum

Begegnung

Ergebnis

4. Juni 1996

Deutschland gegen Lichtenstein

9:1 (4:0)

5. Juni 1998

Deutschland gegen Luxemburg

7:0 (4:0)

Carl-Benz-Stadion: DFB-Endspiele   

Datum

Endspiel

Begegnung

Ergebnis

3. August 1996

DFB-Supercup

Borussia Dortmund gegen 1. FC Kaiserslautern 

4:3 i. E. (1:1 n. V.)

21. Juli 2001

DFB-Ligapokal

FC Schalke 04 gegen Hertha BSC 

1:4 (1:2) 

esk 

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © MANNHEIM24/Peter Kiefer

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare