Exklusives Interview

Kocak verrät: So war mein Praktikum bei Pep – das sind meine Zukunftspläne!

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Kenan Kocak (li.) hat bei Pep Guardiola (r.) hospitiert.

Mannheim – Im exklusiven Interview mit MANNHEIM24 spricht Kenan Kocak über seine Zeit beim SV Sandhausen, sein Praktikum bei Pep Guardiola und seine Zukunftspläne.

Kenan Kocak macht aktuell eine Erfahrung, die er in seiner Trainer-Karriere noch nicht erlebt hat: Nach seiner Entlassung beim SV Sandhausen ist der Fußball-Lehrer seit Oktober 2018 ohne Verein. 

Als MANNHEIM24 den 38-Jährigen an einem Dienstagmorgen in der Mannheimer Innenstadt zum Interview trifft, wirkt Kocak dennoch entspannt.

Diese Erfahrung war Neuland für mich. Das Leben geht aber trotzdem weiter. Ich bin jemand, der dann auch schnell loslassen kann. Ich habe mit dem Thema relativ schnell abgeschlossen“, sagt Kocak über die vergangenen Monate.

Auch wenn er aktuell keinen Trainer-Job hat, ist der ehemalige Sandhausen-Coach viel unterwegs. Anfang des Jahres ist er zum Premier-League-Topspiel Manchester City gegen Liverpool nach England gereist. 

Kenan Kocak schwärmt von Pep Guardiola - Austausch mit Jupp Heynckes und Thomas Tuchel

Nachdem er sich dort mit Trainer-Koryphäe Pep Guardiola ausgetauscht hat, ist er eine Woche später erneut nach Manchester geflogen - diesmal, um beim City-Trainer zu hospitieren! Nationalspieler Ilkay Gündogan hatte zuvor den Kontakt hergestellt. 

Nicht nur die Trainingseinheiten und die Akribie, mit der Guardiola arbeitet, sondern auch die menschliche Seite hat Kocak beeindruckt. „Er ist sehr warmherzig, aber auch sehr vorsichtig. Wenn er Vertrauen in dich hat, ist er der beste Freund, den man haben kann. Er ist zudem unheimlich wissbegierig - das ist schon Wahnsinn“, gerät Kocak über Guardiola ins Schwärmen. Trotz seiner unzähligen Erfolge ist der Katalane auf dem Boden geblieben: „Er ist familiär, bescheiden, demütig und nimmt sich nicht zu wichtig. Er ist weiter Mensch geblieben und ist kein Großmaul.

Überhaupt pflegt Kocak ein Netzwerk, das kaum hochkarätiger sein könnte. So steht er neben Guardiola unter anderem auch mit Trainer-Legende Jupp Heynckes und Schalke-Coach Domenico Tedesco in Kontakt. Mit Thomas Tuchel befindet er sich ebenfalls im ständigen Austausch - ein Praktikum bei Paris St. Germain soll in den kommenden Monaten folgen. 

Ein Netzwerk ist immer wichtig, weil du dich dadurch weiterentwickeln kannst. Ich würde aber nie zu einem Trainer gehen, der fachlich top ist, mit dem ich mich aber menschlich nicht verstehe“, macht Kocak deutlich: „Ich bin im ständigen Austausch, man schaut sich natürlich viele Spiele an. Ich habe mehr Zeit für die Familie, bin aber auch viel unterwegs und versuche mich weiterzubilden.

Kenan Kocak spricht über Zeit beim SV Sandhausen

Kenan Kocak hat den SV Sandhausen zweimal zum Klassenerhalt geführt.

Nachdem er den SV Sandhausen zweimal souverän zum Klassenerhalt geführt hat, hat Kocak den Verein nach einem durchwachsenen Saisonstart verlassen müssen. Seine Zeit am Hardtwald hat der Fußball-Lehrer aufgearbeitet und ist mit sich im Reinen: „Das ist aufgearbeitet. Ich bin dankbar, dass mir der SVS damals die Chance gegeben hat, in der zweiten Liga arbeiten zu dürfen – aber ich denke, dass ich das Vertrauen auch zurückgezahlt habe."

Vermisst er dennoch die Anerkennung für das Geleistete? „Was ich geleistet habe, müssen andere beurteilen. Die Frage ist, ob der Verein das Vertrauen und die Überzeugung auch bei einer Negativserie in dich hat. Aber ich weiß natürlich, wie die Mechanismen im Fußball funktionieren. Aber ich bin überzeugt, dass wir nicht abgestiegen wären. Ich wünsche dem Verein natürlich alles Gute und hoffe, dass sie den Klassenerhalt schaffen.

Kenan Kocak - das sind seine Pläne für die Zukunft

Der Fußball-Lehrer zieht auch einen Vergleich zu seiner Zeit beim SV Waldhof Mannheim, mit dem er 2016 in den Aufstiegsspielen zur 3. Liga an Lotte gescheitert ist. „Ich habe viele nette Leute in Sandhausen kennengelernt, aber Waldhof Mannheim war mein Jugendverein, dort bin ich großgeworden. Deshalb habe ich auch eine sehr große emotionale Beziehung zu dem Verein. Ich habe den SV Waldhof in seiner finanziell schwierigsten Phase betreut. Wir haben es mit minimalen Mitteln geschafft, dem Verein in Deutschland wieder einen Namen zu geben. Auch strukturell haben wir alles neu aufgestellt und ich bin froh, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte.

Kenan Kocak als Trainer des SV Waldhof Mannheim.

Nach seiner Zeit beim SV Sandhausen hat Kocak bereits Anfragen aus der 2. Bundesliga erhalten, doch der 38-Jährige will auf die passende Aufgabe warten. „Es muss etwas sein, wovon ich überzeugt bin. Seitdem ich Trainer bin, versuche ich mit wenig Mitteln das Maximale herauszuholen. Es wäre natürlich reizvoll, wenn ich bei einem Verein tätig wäre, der mehr Mittel zur Verfügung hätte“, verrät Kocak. Ein mögliches Engagement im Ausland - beispielsweise in England - will der ehemalige SVS-Coach nicht ausschließen, doch er bevorzugt einen Job in Deutschland.

Seiner Heimat Mannheim will Kocak dennoch treu bleiben. „Das Trainerleben ist unheimlich schnelllebig geworden. Ich bin der Meinung, dass man einen festen Wohnsitz haben sollte. Mein ältester Sohn geht derzeit in die zweite Klasse. Wenn ich ihn überall mitnehmen würde und es nach zwei Jahren bei einem anderen Verein wieder zu einer Freistellung kommen würde, müsste er auch immer wieder die Schule wechseln. Das ist alles nicht einfach. Wir Trainer müssen auch viel opfern, genauso wie die Spieler.

Die Entfernung zum neuen Arbeitgeber soll dadurch allerdings nicht beeinflusst werden. „Das ist kein Kriterium, denn heutzutage ist alles gut vernetzt und die Verbindungen sind kurz.

Übrigens: Kocak wird am Mittwoch (20. Februar) für die Champions-League-Partie Schalke gegen Manchester City als Experte im Sky Studio sein. Moderator der Sendung, die ab 19:30 Uhr auf Sky Sport 1 und Sky Sport 1 HD läuft, ist Michael Leopold, die weiteren Experten sind die Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann und Robert Huth sowie Erik Meijer.

nwo/mab

Quelle: Mannheim24

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