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Netflix & Co. als Demokratie-Bedrohung? Medienwissenschaftler mit erschreckender Warnung

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Von: Sophia Adams

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Netflix testet aktuell eine neue Funktion, die nicht jedem was nützen könnte.
Ein Medienwissenschaftler warnt vor den Gefahren von Netflix & Co. © dpa / picture alliance / Jens Kalaene

Eine typische und vermeintlich harmlose Funktion auf Plattformen wie Netflix oder Prime Video könnte zur Gefahr werden, warnt ein Medienwissenschaftler.

Netflix*, Prime Video und viele weitere Streaming-Plattformen arbeiten kontinuierlich daran, ihre Angebote, Webseiten und Apps zu verbessern. Neue Funktionen, wie etwa die Möglichkeit, Filme und Serien vorzuspulen, werden deshalb auf den Seiten integriert. Den Plattformen gelingt es dadurch, das Streaming immer bequemer zu gestalten.

Doch diese Bequemlichkeit bereitet dem Medienwissenschaftler Marcus S. Kleiner Sorgen. Der an der SRH Berlin University of Applied Sciences tätige Professor spricht in seinem Buch „Streamland“ (werblicher Link) sogar von einer Bedrohung für die Demokratie.

Netflix, Prime Video & Co. – Diese praktische Funktion sollten Abonennten nicht unterschätzen

Es ist mittlerweile bekannt und schon zahlreich diskutiert worden, dass Plattformen wie Facebook oder Instagram große Mengen von Nutzerdaten sammeln. In der Netflix-Doku „Das Dilemma mit den sozialen Medien“ warnen die Interview-Gäste sogar davor, empfohlene Beiträge oder Videos anzuklicken. Dadurch erhalten die Plattformen genauere Hinweise über die Interessen der Nutzer. Was wiederum mit den gesammelten Informationen passiert, lässt sich schwer abschätzen.

Ironischerweise zeigt sich Netflix in der hauseigenen Doku keineswegs selbstkritisch. Mithilfe eines Empfehlungssystems sammelt der Streaming-Gigant aber ebenfalls Daten, erklärt Medienwissenschaftler Marcus S. Kleiner gegenüber der BILD-Zeitung. Auch in diesem Fall könne man nicht wissen, wofür die Informationen tatsächlich verwendet werden.

Nur eine Sache ist sicher: Mithilfe der Daten verbessern Netflix, Prime Video & Co. ihre Empfehlungssysteme immer weiter. Nutzer bekommen Filme, Serien und Dokus vorgeschlagen, die ihrem Interesse noch genauer entsprechen. Dadurch bleibt den Abonnenten das ewige Suchen nach passenden Inhalten erspart – das Streaming wird also bequemer.

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Video: Fünf Fakten über Netflix

Netflix, Prime Video und weitere Streamingdienste als Gefahr für die Demokratie?

Auf den ersten Blick scheint es praktisch zu sein, dass Nutzer dank der Empfehlungen nicht mehr das gesamte Streaming-Angebot durchforsten müssen. In einem Beitrag der BILD-Zeitung, der sich hinter einer Bezahlschranke befindet, warnt Professor Kleiner allerdings vor zu viel Bequemlichkeit: „Indem wir auf der Startseite der Video-on-Demand-Plattformen ständig angezeigt bekommen, was wir vermeintlich sehen wollen, verlernen wir die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Wir werden unmündig.“

Er erklärt weiter, dass wir durch konkrete Empfehlungen nur einen Bruchteil der Realität zu Gesicht bekommen. Wir umhüllen uns mit Themen, die uns gefallen und die wir bejahen. Dadurch sollen Nutzer nicht nur das Treffen von Entscheidungen verlernen, sondern sich auch nach und nach gegenüber Dingen verschließen, die nicht ihrem Weltbild entsprechen. „Weltoffenheit und Entscheidungsfähigkeit sind das demokratische Rüstzeug“, erklärt Kleiner gegenüber der BILD. Er sieht deshalb eine Gefahr, die sogar unsere Demokratie bedrohen könnte.

Als Gegenmaßnahme empfiehlt der Medienwissenschaftler, sich nicht zu sehr auf Streamingdienste zu konzentrieren. Stattdessen sollen die Konsumenten gelegentlich nach anderen legalen Wegen suchen, um Filme und Serien zu schauen. Dadurch bewahre man seine Weltoffenheit und Entscheidungsfähigkeit. (soa) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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