Kino-Doku über Leben in der Psychiatrie

„Nicht alles schlucken“: Entwaffnend offen

„Nicht alles schlucken“ beleuchtet das Leben in der Psychiatrie und den Einsatz von Psychopharmaka entwaffnend offen. Hier sehen Sie den Kinotrailer und die Filmkritik.

Mit Krankheiten wie Depression und Burnout kommen die Menschen mittlerweile klar. Mit Psychosen dagegen haben viele immer noch Probleme. Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis – das klingt nach geschlossener Psychiatrie. Und die ist für viele immer noch ein Ort des Schreckens. Dass es um die Psychiatrie nicht optimal bestellt ist, illustriert die Dokumentation „Nicht alles schlucken“. Das jedoch liegt für die Regisseure und Autoren Jana Kalms und Piet Stolz weniger an den Krankheitsbildern, als vielmehr an den Ärzten und ihrem Umgang damit. Wie der Titel andeutet, wirft der Film einen kritischen Blick auf den Umgang mit Medikamenten – ohne in esoterisches Pillepalle und irrationale Furcht vor Chemikalien abzugleiten.

Dass Medikamente helfen können, steht nicht zur Disposition. Vielmehr geht es um die Frage der richtigen Dosierung. Ganz reduziert gehen die Macher ans Werk. Alles spielt sich in einem Raum ab. Dieser weckt Assoziationen an Wartezimmer, aber auch an Säle, in denen über gesellschaftliche Probleme diskutiert wird. Genau das passiert hier. Menschen mit Psychose-Erfahrung, Angehörige, Pfleger und Ärzte sprechen offen über wunde Stellen der Psychiatrie. Tief sind die Einblicke, die sie gewähren, teils erschütternd die Erlebnisse, die sie machten. Gerade weil die Dokumentation optisch fast statisch bleibt, lenkt sie den Fokus auf die Reflexion, auf Verarbeitung eines Missstands, und erreicht so eine gewaltige Sprengkraft. Hier wird nicht mit Betroffenheit gearbeitet, sondern mit Verständnis. Das ist aufmunternd und unglaublich spannend.

Katrin Hildebrand

„Nicht alles schlucken“

Regie: Jana Kalms, Piet Stolz

Laufzeit: 86 Minuten

Rubriklistenbild: © credofilm/dpa

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