"The Salvation": Western-Welt ohne Wirklichkeit

In "James Bond - Casino Royal" standen Mads Mikkelsen und Eva Green bereits zusammen vor der Kamera. Nun sind die beiden im Western "The Salvation" zu sehen.

Ob spanische Wüste und (ex-)jugoslawisches Karstgebirge für die US-Prärie herhalten mussten. Ob seine Ikonografie und Struktur nach Indonesien oder in die Alpen verpflanzt wurde: Das vermeintlich uramerikanische Genre des Western hat sich als äußerst international interpretierbar erwiesen. Nun wagen sich auch die Dänen dran – und zumindest die Härte, die man aus ihren Filmen gewohnt ist, findet sich in den herben, aber eher unblutigen Grausamkeiten von „The Salvation“ wieder. Und man kann dem Film gewiss nicht vorhalten, er kenne und liebe nicht alle Versatzstücke klassischer Rachewestern.

Mads Mikkelsen gibt einen dänischen Einwanderer, der gleich bei der Ankunft auf brutale Weise Frau und Kind verliert – und sich anschickt zum einsamen Feldzug gegen die Mörder und den örtlichen Tyrannen. Gut, in „Michael Kohlhaas“ hat er Ähnliches unlängst noch deutlich kunst- und eindrucksvoller getan. So sehr er und die großartige Eva Green (als stumme, traumatisierte Mätresse des Schurken) in einen Gesichtsausdruck ganze Geschichten legen können: Der Film gibt ihnen zu wenig über den Moment hinweg tragende Substanz. Die größte Schwachstelle aber ist Jeffrey Dean Morgans monoton bedrohlich brummelnder Bösewicht, der nie glaubhaft wird. Nichts gegen wortkarge Figuren im Western – nur schaffen zu wenige in „The Salvation“ den Sprung vom Klischee zum Archetyp. Es hilft nicht, dass der Plot ein paar Unplausibilitäten und unverfolgte Ansätze zu viel häuft. All das hätte nebensächlich sein können, wenn es die Atmosphäre des Ganzen aufgewogen hätte – und der heimliche Star jedes Westerns, der Ort, die Landschaft. „The Salvation“ jedoch ist durchtränkt von einer keineswegs bewusst eingesetzten Künstlichkeit: Alles wirkt wie Kulisse, Kostüm, Requisit, das Licht bleibt Beleuchtung und digitale Retusche. Die Kombination aus südafrikanischem Außen- und Studiodreh atmet, lebt, staubt und riecht nicht. Eine Welt ohne Wirklichkeit, die konsequenterweise im virtuellen Computergrafik-Feuer vergeht. „The Salvation“ fehlt, was Western immer brauchen: eine Heimat.

Thomas Willmann

Rubriklistenbild: © Concorde Film/Jens Schlosser

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