Filmdreh in Kelkheim

"Tatort": HR dreht in Kelkheim im Ex-Haus von Nele Neuhaus "Funkstille"

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Selbst bei Interviews machen die „Tatort“-Schauspieler Wolfram Koch und Margarita Broich Späße.

Viele blaue Autos an der Straße, einiger Trubel im Haus: Der neue Frankfurter Sonntagskrimi wird auch im Ex-Haus von Nele Neuhaus produziert. Noch bis zum 22. November ist Kelkheim Filmstadt. 

Hornau - Wolfram Koch muss in der Drehpause zum Mittagessen. Doch schnell outet er sich und sagt: "Ich gucke nicht viel ,Tatort'." Dabei spielt er selbst einen der Kommissare: Er ist Paul Brix, der zusammen mit Anna Janneke (Margarita Broich) schon zum zwölften Mal in und um Frankfurt ermittelt. Seine Partnerin aber mag den Sonntagskrimi, vor allem die Wiener Ermittler finde sie klasse, sagt Broich.

Das bekannte TV-Duo ist in diesen Tagen in Kelkheim beruflich zu Hause - genauer gesagt in der Hornauer "Adolfshöhe" im ehemaligen Wohnhaus der MTK-Bestseller-Autorin Nele Neuhaus. Das hat ein Location-Scout des HR entdeckt. Dort wird der neue, vom Hessischen Rundfunk produzierte Frankfurt-"Tatort" mit dem Titel "Funkstille" gedreht (siehe Text rechts). Broich und Koch outen sich wieder, sie hätten von Neuhaus noch kein Buch gelesen. Sie wollen es aber so bald wie möglich nachholen. Zeit bleibt an den zwölf Drehtagen in Kelkheim aber wenig. Mit Maske beginnt ihr Tag schon vor 8 Uhr, um die acht Stunden wird dann gearbeitet. Unter dem Strich für Netto-Filmmaterial von drei bis vier Minuten am Tag, erläutert Redakteurin Lili Kobbe. Genau 47 Personen sind dafür im Einsatz, und bis zu 1,4 Millionen Euro seien für einen solchen "Tatort" als Budget veranschlagt - das liege noch am "unteren Level", so Kobbe.

In Münster haben indes die Dreharbeiten zum neuen Tatort "Limbus" begonnen, wie msl24.de* berichtet.

„Tatort“ in Kelkheim: „Lagerfeuer der Nation“

Doch ums Geld geht es vielen hier nicht einzig. Die Schauspieler hat das "Tatort"-Fieber gepackt. Das sei "seit 30 Jahren die Leistungsklasse, das heimelige Lagerfeuer des Fernsehnation", sagt Tessa Mittelstaedt, die jetzt die Mutter in der US-Familie Fisher spielt. Sie war schon zwölf Jahre als Assistentin im Köln-"Tatort" im Einsatz. Nun das Comeback, weshalb dieser Dreh für sie etwas ganz Besonderes sei. Ihre "Filmtochter" Emilia Bernsdorf findet es interessant, "dass man immer die Titelmelodie im Kopf hat". Die 22-Jährige spielt die 17 Jahre alte Emily. Ebenso wie ihr "Filmpapa" Kai Scheve schaut sie gerne "Tatort". In Berlin gebe es sonntags regelrechtes Public Viewing, ergänzt Mittelstaedt. Sie ist beeindruckt vom Dortmunder Kommissar Faber, der so viel von sich preisgebe. Der Frankfurter "Tatort" sei ebenso "nicht festgelegt", erzähle "immer Neues", lobt die Akteurin.

Selbst bei Interviews machen die „Tatort“-Schauspieler Wolfram Koch und Margarita Broich Späße.

Genau das schätzen auch die beiden bekannten Kommissare sehr an ihrem Auftrag. "Wir haben immer noch Spaß, keine Folge ist wie die andere", sagt Koch im Gespräch mit dieser Zeitung, nachdem er mit seiner Kollegin Broich für die Pressefotografen ein wenig Spaß gemacht und ein Interview für den hauseigenen HR gegeben hat. Die Folgen aus Frankfurt seien "nicht gleich in eine Tüte, eine Schublade" zu packen. Klar ist für das Duo: "Wir wollten nie unsere privaten Geisteskrankheiten zeigen." Deshalb können sie schon mitreden, wenn das Drehbuch zu viel von den Figuren Brix und Janneke preis gebe. Kollegin Broich lobt das Team, auf das sie sich "unheimlich verlassen" könne. "Das wird beim HR im Haus produziert, die sind jederzeit mit dem Herzen dabei." Dennoch gebe es bei einem Format wie dem "Tatort" bei 1000 Zuschauern auch 1000 Meinungen. "Man kann es nicht allen recht machen", weiß Broich, die ebenso wie der Kollege Koch gerne auch auf der Theaterbühne steht.

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„Tatort“ in Kelkheim: Ärger bei anderem Film

Aktuell ist das Ex-Haus von Neuhaus ihre Bühne. Mit der Staffage sind sie sehr zufrieden, vom Inhalt dürfen sie nicht allzu viel sagen. Sie verraten dann aber doch, dass es offensichtlich auch um Spionage und ein Doppelleben geht. Von der Kelkheimer Umgebung bekommen sie in den Tagen nicht viel mit. Dafür aber können die Kelkheimer das Spektakel nicht übersehen. Vor dem Haus stehen bis zu zehn blaue HR-Fahrzeuge, drumherum wurde ein Parkverbot eingerichtet. Die Garage in dem derzeit laut HR unbewohnten Haus ist vollgepackt mit Material und Technik - vom Absperrteil bis zur Kamera-Ausrüstung. Nach dem Mittagessen wird im Haus die erste Vernehmung der Familie Fisher durch die Kommissare weiter gedreht. Allein der Flur ist kräftig voll gestellt mit Technik, Kameras, Scheinwerfern, Mischpult. Mitarbeiter wuseln umher, andere warten auf die Fortsetzung.

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Auch Bürgermeister Albrecht Kündiger schaut mal rein und ist beeindruckt. "Ich freue mich, dass wir als Drehort ausgesucht worden sind. Aber das ist auch mit gewissen Beeinträchtigungen verbunden", betont er. Nicht gut findet er die Vorgeschichte: Zuvor sei schon ein Werbefilm hier in der Siedlung gedreht worden. Da habe es Ärger in der Kommunikation zwischen Anwohnern und Wachleuten gegeben. Das werde er mit der Produktionsfirma besprechen. Für den HR betont Produktionsleiter Robert Malzahn: "Wir sind glücklich hier." Um ein Lager zu haben, hat sogar das Hornauer Blasorchester sein Vereinsheim geräumt.

Unter dem Arbeitstitel "Funkstille" dreht der Hessische Rundfunk vom 29. Oktober bis 1. Dezember einen neuen "Tatort" in Frankfurt, aber auch in Eschborn (alter Flugplatz-Hangar) und Schwalbach. Die Ausstrahlung ist im letzten Quartal 2020. Zwei Frankfurt-Teile werden im Jahr produziert. Die Kommissare Janneke und Brix ermitteln zu Sebastians Tod, der mit dem Nachbarmädchen verabredet war. Emilys amerikanische, gut integrierte Familie gerät ins Visier. Hat sie ein dunkles Geheimnis? 

Frank Weiner

*msl24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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