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„Lieber arbeitslos als unglücklich im Job“ – viele Firmen müssen 4-Tage-Woche einführen

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Immer mehr Unternehmen führen die 4-Tage-Woche ein. Das Arbeitsprinzip hat viele Vor- und Nachteile. Viele Arbeitnehmer wünschen sich mehr Freizeit bei gleicher Bezahlung.

Die Arbeitszeiten haben sich im Laufe der Zeit nicht so sehr verändert. In der vorindustriellen Zeit waren die Arbeitszeiten ans Tageslicht gekoppelt, zur Zeit der Industrialisierung haben sich tägliche Arbeitszeiten von 14 bis 16 Stunden etabliert. 1900 kommen Beschäftigte auf 60 Arbeitsstunden die Woche, 1950 sind es noch 50 Wochenstunden und in den Sechzigern unsere aktuell bekannte 40-Stunden-Woche. In den 80er Jahren gibt es den Versuch von 35 Arbeitsstunden pro Woche, aber das setzt sich nur in wenigen Branchen durch.

Die 4-Tage-Woche: Generationenwechsel – die Hustle-Culture ist Geschichte

Durch die vielen Arbeitsstunden und die wenige Freizeit hat sich bei älteren Generationen die Hustle-Culture entwickelt. Hustle-Culture ist ein Begriff, um die Arbeitseinstellung von Menschen zu beschreiben, denen die Arbeit wichtiger als ihre Freizeit ist. Diesen Menschen ist es besonders wichtig, durch ihre viele Arbeit so viel Geld wie möglich zu verdienen. Auch wenn dies bedeutet, dass ihre Gesundheit und ihre Freizeit darunter leiden.

Besonders durch den Generationswechsel in den Arbeitsbereichen von der Generation der Baby-Boomer und der Generation X zu Generation Y und Z ist auffällig, dass die Hustle-Culture deutlich an Wert verliert. Die jüngeren Teile der Generation Y und die gesamte Generation Z legen mehr Wert auf Freizeit als auf Arbeit. Bei einer Umfrage gaben in dieser Zeit geborene Menschen an, „lieber arbeitslos als unglücklich im Job zu sein“.

Die 4-Tage-Woche: Geringe emotionale Bindung zum Job führt zur „inneren Kündigung“

Die Generation Z weist ebenfalls eine hohe Bereitschaft auf, den Job zu wechseln, wenn sie unzufrieden sind. Dieses Phänomen wird auf eine geringe emotionale Bindung zur Arbeitsstelle zurückgeführt und so ist die sogenannte „innere Kündigung“ nicht fern. Eine innere Kündigung ist, wenn Arbeitende ihre Stelle zwar weiter behalten, also nicht kündigen möchten, aber im Arbeitsalltag nur das Nötigste verrichten. Eine Lösung zu diesen Anforderungen und Problemen soll die 4-Tage-Woche darstellen.

Eine Alternative zur klassischen 5-Tage-Woche stellt die 4-Tage-Woche dar. Bei diesem Modell verteilen sich die 40 Wochenstunden auf vier Tage, anstelle auf fünf. Hier bleiben die Löhne gleich, die Arbeitenden haben aber weniger Arbeitstage in der Woche und ein längeres Wochenende. Auch bleibt ihr Urlaubsanspruch gleich. 

Immer mehr Menschen fordern die 4-Tage-Woche
Immer mehr Menschen fordern die 4-Tage-Woche © dpa/Michael Reichel

Die 4-Tage-Woche: Ein neues Arbeitsmodell – Mitarbeiter bekommen mehr freie Tage

Das Modell der 4-Tage-Woche bringt viele Vorteile mit sich. So erhalten die Mitarbeiter einen zusätzlichen freien Tag in der Woche, den sie zum Ausspannen und ihre Freizeit nutzen können. Dieser zusätzliche freie Tag in der Woche sorgt für eine bessere Work-Life-Balance, da die Angestellten weniger Stress ausgesetzt sind.

Behördengänge sind nun möglich, ohne sich extra einen Tag fei zu nehmen, es gibt weniger Krankmeldungen und die Arbeitenden können mehr leisten, da sie nach einem langen Wochenende frischer sind. Auch spart der freie Tag, an dem niemand im Unternehmen ist, Energie.

Natürlich gibt es am 4-Tage-Woche-Modell auch viel Kritik. Zum einen sind dies die längeren Arbeitstage, da immer noch 40 Stunden die Woche absolviert werden müssen. So können dann gerne 10 Stunden Arbeitstage auf den Arbeitenden zukommen. Auch befürchten viele Unternehmen, dass potenzielle Umsätze wegfallen könnten. 

Die häufigste Kritik an der Die 4-Tage-Woche

Zu diesen Kritiken ist nur zu sagen, wie sinnvoll längere Arbeitstage sind, da sich die meisten Menschen nicht einmal acht Stunden am Tag konzentrieren können. Auch kann das Problem der Umsätze umgangen werden, indem die Mitarbeiter über die freien Tage verteilt werden – ein Teil hat freitags frei, ein anderer montags.

Ein Langzeit-Projekt in Island führte die 4-Tage-Woche in mehreren Unternehmen ein und reduzierte bei gleicher Bezahlung auch die Wochenstunden der Mitarbeiter. So arbeiten sie bei vier Tagen in der Woche 34 bis 36 Wochenstunden und die Ergebnisse waren allesamt positiv. Dadurch ist klar, dass eine 4-Tage-Woche in vielen Bereichen, bei denen keine unbedingte Präsenz verlangt ist, funktioniert. 

Die 4-Tage-Woche: Eine zufriedenstellende Lösung

Im Pflegebereich wurde dieses Projekt vorzeitig abgebrochen, da es zu teuer wurde. Wenn Arbeitende im Pflegebereich an weniger Tagen in der Woche arbeiten, muss mehr Personal eingestellt werden. Auch in Deutschland erzielen die 4-Tage-Woche Projekte erstaunliche Ergebnisse.

Allgemein haben viele die Meinung, dass das Modell der 5-Tage-Woche mit acht Arbeitsstunden am Tag veraltet ist. Immerhin kommt dieses Modell noch aus einer Zeit, in der der Mann der Alleinversorger der Familie war. Arbeitende begrüßen ebenfalls sehr den Mix aus Home-Office und Präsenzarbeit.

Um der „inneren Kündigung“ und der Unzufriedenheit bei der Arbeit der jüngeren Generationen entgegenzuwirken, müssen die Unternehmen ihre Arbeitsmodelle ändern. Denn nur dadurch können Unternehmen ihre Mitarbeiter halten. Angemessene Bezahlungen, erfüllende Jobs und annehmbare Work-Life-Balance sind bereits ein guter Anfang. (rah)

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