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9-Euro-Ticket in BW: Nach Ende des Angebots – Preiserhöhungen drohen

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Von: Marten Kopf

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Es ist eine einmalige Aktion – und ein Experiment: Vom 1. Juni an können Fahrgäste den ÖPNV für monatlich 9 Euro nutzen. Bis Ende August. Anschließend gelten dann wieder die alten Preise – oder?

Baden-Württemberg - Es ist schon ein echtes Schnäppchen: Für gerade einmal läppische 9 Euro einen ganzen Monat lang mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) quer durch ganz Deutschland. Das Angebot steht. Von Anfang Juni bis einschließlich August gilt es, drei volle Monate lang gibt es den ÖPNV praktisch zum Schleuderpreis. Nicht etwa nur in Baden-Württemberg. Bundesweit.

Bezeichnung9-Euro-Ticket
Zeitraum1. Juni bis 31. August
Preis9 Euro für max. 4 Wochen
GültigkeitÖffentlicher Nahverkehr (ÖPNV)

9-Euro-Ticket ab Juni: Gut ein Drittel will Angebot gar nicht nutzen

Das Vorhaben ist Teil eines Entlastungspakets der Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Gleichzeitig soll das „Schnupperangebot“ insbesondere Pendler auf den Geschmack bringen, das Auto dauerhaft stehenzulassen. Was begrüßenswert klingt, stellt Deutsche Bahn und regionale Verkehrsbetriebe – man kann sich das fast denken – vor nicht ganz unerhebliche Herausforderungen, sehen das 9-Euro-Ticket gar als „ökologisch falschen Anreiz“.

Die durchaus verlockende Aussicht, 90 Tage lang für wenig Geld deutschlandweit zu reisen, ist das eine. Obwohl eine neueste Umfrage zeigt, dass gut ein Drittel der Deutschen das Ticket überhaupt nicht nutzen möchte, Spottpreis hin oder her, wie HEIDELBERG24 erst jüngst berichtet. Die andere Frage ist: Können sich Bahn und Verkehrsgesellschaften dieses Ticket aller Zuschüsse zum Trotz dauerhaft leisten?

„Schnupperangebot“ für den ÖPNV: 9-Euro-Ticket könnte zu Preisanstieg führen

Und die Antwort könnte lauten: nein. Und genau davor warnen jetzt auch die Verkehrsminister der Länder. Baden-Württembergs zuständiger Ressortchef Winfried Hermann (Grüne) etwa sagt am Donnerstag (5. Mai) in Bremen nach einer Konferenz der Verkehrsminister der Länder und des Bundes, nach dem „schönen Sonderangebot“ dürften die Tarife nicht durch die Decke schießen.

Hintergrund für möglicherweise steigende Preise nach Ende des Angebots ist tatsächlich das ursprüngliche Ziel der Aktion: neue Kunden bei der Stange zu halten. Weil aber Energie- und Personalkosten gestiegen sind, wird das zusätzliche Fahrgastaufkommen für die Verkehrsunternehmen teuer. Mehr Personal und zusätzliches Material wird benötigt.

9-Euro-Ticket: Bund lehnt zusätzliches Geld ab

Deshalb wollen die Länder in diesem Jahr vom Bund 1,5 Milliarden Euro zusätzliche „Regionalisierungsmittel“. Das sind Gelder, die der Bund den Ländern jährlich zur Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs zur Verfügung stellt. Das aber lehnt der Bund ab, wie Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) deutlich macht. Zum einen gebe es Entlastungspakete der Koalition. Zum anderen fordert Wissing Strukturreformen und mehr Transparenz bei der Verwendung der Mittel.

Zur Zukunft des ÖPNV sollen im Herbst Ergebnisse einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe vorgelegt werden. Bis dahin sind dann auch mittelbare und unmittelbare Folgen des 9-Euro-Ticket-Projekts feststellbar. Fest zugesagt hat der Bund dagegen, dass den Ländern Einnahmeausfälle beim 9-Euro-Ticket in Höhe von 2,5 Milliarden Euro ersetzt werden. (mko/dpa)

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