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9-Euro-Ticket: Umfrage überrascht – jeder Dritte will Ticket nicht nutzen

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Von: Marten Kopf

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Von Juni an soll es ein Ticket für Bus und Bahn geben, das nur 9 Euro im Monat kostet. Die Bundesregierung will damit vor allem Pendler entlasten. Doch viele sehen darin keine große Hilfe.

Ab Juni soll für drei Monate das günstige 9-Euro-Ticket im Nah- und Regionalverkehr gelten. Nicht nur für Baden-Württemberg, sondern tatsächlich bundesweit. Das Vorhaben ist Teil des Entlastungspakets der Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Gleichzeitig soll das „Schnupperangebot“ insbesondere Pendler auf den Geschmack bringen, das Auto dauerhaft stehenzulassen.

Bezeichnung9-Euro-Ticket
Zeitraum1. Juni bis 31. August
Preis9 Euro für max. 4 Wochen
GültigkeitÖffentlicher Nahverkehr (ÖPNV)

9-Euro-Ticket: Umfrage überrascht – ein Drittel will Angebot nicht nutzen

Aber: Mehr als ein Drittel der Menschen in Deutschland will das geplante 9-Euro-Ticket womöglich gar nicht nutzen, wie HEIDELBERG24 berichtet. Das nämlich ergab eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zwischen dem 2. und 5. Mai unter mehr als 2.000 Erwachsenen durchführte. Entsprechend äußerten sich dabei 37 Prozent der Befragten.

Andererseits steht eine Mehrheit dem 9-Euro-Ticket grundsätzlich positiv gegenüber: 33 Prozent gaben an, damit Bus oder Bahn fahren zu wollen, 22 Prozent wollen das nach eigener Aussage „wahrscheinlich“. 80 Prozent der Befragten haben demnach bisher kein Ticket-Abo für den öffentlichen Nahverkehr.

9-Euro-Ticket im ÖPNV: Zustimmung ist Altersfrage

Ob der Plan also aufgeht, wie erhofft, ist offen. Von denjenigen, die kein ÖPNV-Abo haben, wollen 43 Prozent das neue 9-Euro-Ticket nicht nutzen. Nur 28 Prozent möchten davon sicher Gebrauch machen, 22 Prozent wahrscheinlich. Die Bereitschaft, das Ticket zu nutzen, ist dabei auch eine Altersfrage: So gaben 48 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an, das sicher zu wollen, 26 Prozent nannten es wahrscheinlich.

Dagegen sind es in der Gruppe der Menschen ab 55 Jahren nur 26 bzw. 18 Prozent. Von denen, die das Ticket nicht nutzen möchten, nannte eine Mehrheit (nämlich 51 Prozent) zur Begründung „Weil ich es nicht brauche“. Gut jeder Dritte (34 Prozent) gab an, lieber andere Fortbewegungsmittel zu nutzen. Ein Viertel (26 Prozent) sagte, der zusätzliche Aufwand bei der Nutzung von Bus und Bahn sei zu groß.

9-Euro-Ticket ab Juni: „Ausbau des ÖPNV wichtig“

Immerhin gaben nur 9 Prozent der Befragten an, das Ticket politisch für eine Fehlentscheidung zu halten. Und einer kleinen Minderheit von 3 Prozent ist das Ticket mit 9 Euro immer noch zu teuer. „Wir denken, dass es noch mehr braucht als ein 9-Euro-Ticket. Wichtig ist der Ausbau des ÖPNV insgesamt und seine solide Finanzierung“, sagt Bastian Kettner, ÖPNV-Experte beim Verkehrsclub Deutschland, der dpa.

„Gerade im ländlichen Raum, wo das Angebot dünn ist, ist der Mehrwert des Tickets nicht sehr groß, auch wenn es günstig ist. Wir sagen, dass es in jedem Ort ab 200 Einwohnern mindestens stündlich ein Angebot mit öffentlichen Verkehrsmitteln geben muss“, so Kettner weiter.

9-Euro-Ticket: Besonders attraktiv für Tagestouristen

51 Prozent der Befragten gaben allerdings an, mit dem Ticket vor allem touristische Ausflüge machen zu wollen. In manchen Regionalzügen könnte es in der Ferienzeit in diesem Sommer daher eng werden. Schließlich ist das Angebot perfekt, den nächsten Kurzurlaub ohne Auto, dafür per 9-Euro-Ticket zu planen und die schönsten Ecken Deutschlands zu entdecken

Und so ist das Angebot auch nach Einschätzung des Deutschen Tourismusverbandes besonders attraktiv für Tagestouristen und eben eine gute Möglichkeit, die eigene Umgebung mit Bus und Regionalbahn zu erkunden. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Befragten wollen das Ticket denn auch für private Wege nutzen. Knapp ein Drittel (31 Prozent) hat vor, mit dem 9-Euro-Ticket in erster Linie zur Arbeit zu pendeln. (mko/dpa)

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