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AstraZeneca: Erstes EU-Land stoppt Impfungen mit dem Vakzin komplett

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Von: Daniel Hagen

Ursula von der Leyen in der EU-Kommission.
Die EU-Kommission will sich mehr auf mRNA-Impfstoffe fokussieren. (Symbolfoto) © John Thys/dpa

Als erstes Land in der EU setzte Dänemark die Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca aus. Nun fasst Deutschlands nördlichster Nachbar einen weitreichenden Entschluss.

Update vom 14. April, 14:30 Uhr: Jetzt verzichtet das erste EU-Land komplett auf den Impfstoff von AstraZeneca. Dänemark stoppt nun dauerhaft den Einsatz des Corona-Impfstoffs. Die Impfkampagne werde ohne das Präparat des britisch-schwedischen Unternehmens fortgesetzt, gab der Direktor der dänischen Gesundheitsverwaltung, Søren Brostrøm, am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen bekannt. Es bestehe ein Zusammenhang zwischen dem Impfstoff von Astrazenca und sehr seltenen Fällen ungewöhnlicher Blutgerinnsel, Blutungen und niedriger Blutplättchenzahlen, teilte Brostrøms Behörde mit.

Dänemark hatte die Impfungen mit dem Präparat des britisch-schwedischen Herstellers am 11. März vorsorglich ausgesetzt und sie seitdem auch nicht wiederaufgenommen. Grund für den Impfstopp waren vereinzelte schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Personen, die zuvor mit dem Mittel gegen Covid-19 geimpft worden waren, darunter auch Todesfälle.

AstraZeneca und Johnson & Johnson: Aus in Europa? EU-Beamter dementiert Gerücht

Erstmeldung vom 14. April, 12:55 Uhr: Die Impfstoffe gegen das Coronavirus* sollten eigentlich die Lösung sein, um die Corona-Pandemie endlich zu beenden. Stattdessen gibt es immer wieder Ärger mit den Vakzinen – was zu massiven Verzögerungen bei der Impf-Offensive in Deutschland führt. Nun könnte sich die Lage sogar noch verschärfen. Gleich zwei der vier in Europa zugelassenen Stoffe stehen unter Kritik und könnten bald vom europäischen Markt verschwinden. Eines davon sogar noch, bevor es richtig aufgetaucht ist. Über den Impfstoff-Eklat berichtet HEIDELBERG24.de*.

NameEuropäische Kommission
VorsitzUrsula von der Leyen
Gründung1. Januar 1958
HauptsitzBerlaymont-Gebäude, Brüssel, Belgien

AstraZeneca und Johnson & Johnson: EU will Verträge wohl nicht verlängern

Comirnaty von BioNTech*/Pfizer, Vaxzevria von AstraZeneca, Moderna und Janssen von Johnson & Johnson sind die Impfstoffe, die bereits in der EU zugelassen worden sind. Zwei der Vakzine haben allerdings immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. So ist es nach der Verabreichung von AstraZeneca vermehrt zu seltenen Hirnvenenthrombosen gekommen. Laut Paul-Ehrlich-Institut gibt es bislang 42 Verdachtsfälle. Das Vakzin ist zuerst gar nicht mehr verabreicht worden und wird nun nur noch Menschen über 60 Jahren injeziert*.

Am Freitag (9. April) folgt der nächste Schock. Kurz vor der ersten Lieferung nach Europa gibt es den Verdacht, dass auch der Impfstoff von Johnson & Johnson für Thrombosen verantwortlich sein könnte*. Insgesamt sechs Fälle sind nach der Injektion aufgetreten – einer verläuft sogar tödlich. Die EMA beginnt daraufhin mit der Untersuchung der Vorfälle. Kurz darauf verhängen die amerikanischen Behörden CDC und FDA einen Impfstopp mit Janssen in den USA.

AstraZeneca und Johnson & Johnson: EU-Beamter dementiert Gerücht

Für die Europäische Union sind die beiden Impfstoffe wohl plötzlich zu unsicher. Wie die italienische Tageszeitung La Stampa von einer Quelle auf dem italienischen Gesundheitsministerium erfahren haben möchte, plane die EU-Kommission um Ursula von der Leyen, die Verträge mit den Herstellern AstraZeneca und Johnson & Johnson nicht zu verlängern. Man wolle sich stattdessen lieber auf die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna verlassen, bei denen solche schweren Nebenwirkungen noch nicht vorgekommen sind.

Kurz darauf dementiert ein EU-Beamter aber die Nachricht, wie Focus Online berichtet. Nur, weil man sich mehr auf die mRNA-Vakzine fokussieren wolle, heiße das nicht, dass andere Verträge nicht verlängert würden. Es sei zudem viel zu früh, um darüber jetzt zu entscheiden. Damit könnten die Verträge der Konzerne, die bis Ende 2021 gehen, auch danach verlängert werden. Bis dahin sollte auch feststehen, ob Janssen wirklich Thrombosen auslöst. Trotzdem hat Johnson & Johnson die Lieferungen nach Europa erst einmal eingestellt.

AstraZeneca und Johnson & Johnson: Brandenburg vergibt keine Erstimpfungen mehr

Doch auch wenn die Verträge von AstraZeneca und Johnson & Johnson verlängert werden, hilft das nicht in der aktuell sehr angespannten Impfsituation in Deutschland. Laut dem Robert-Koch-Institut sind in der ganzen Republik gerade einmal 6,2 Prozent der Menschen komplett geimpft – das entspricht knapp 5,2 Millionen Menschen. Nach Informationen der BILD-Zeitung hat das Bundesland Brandenburg sogar verkündet, aktuell keine Ersttermine mehr zu vergeben.

Die Vakzine von BioNTech/Pfizer und Moderna seien laut Innenminister Michael Stübgen so knapp, dass man erstmal die notwendigen Zweitimpfungen verabreichen wolle. In den vier nächsten Wochen seien 62.000 Impfdosen nötig, die man nicht habe. (dpa/dh) HEIDELBERG24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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