„Macht physiologisch Sinn...“

AstraZeneca: Thrombose-Gefahr – jetzt rudert Karl Lauterbach zurück

AstraZeneca - Jetzt stoppt auch Deutschland die Impfung mit dem umstrittenen Impfstoff von AstraZeneca. Das sagt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zum Thrombose-Risiko:

Update vom 16. März, 10:45 Uhr: Nach seiner Kritik rudert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach jetzt ein wenig zurück. In seinen Augen seien die Thrombosen (Blutgerinnsel) „mit großer Wahrscheinlichkeit“ auf das Präparat von AstraZeneca zurückführen. Wie der 58-Jährige im Gespräch mit dem ARD-Morgenmagazin erklärt, kämen solche Gerinnsel der Hirnvenen in Deutschland sonst nur 50 Mal innerhalb eines Jahres vor. Nun sind im zeitlichen Zusammenhang zur Impfung sieben Fälle dieser Thrombose aufgetreten – drei davon mit tödlichem Ausgang. „Der Zusammenhang macht auch physiologisch Sinn“, wie Lauterbach weiter erklärt.

NameKarl Lauterbach
Geboren21. Februar 1963 in Düren
EhepartnerinAngela Spelsberg (verh. 1996–2010)
ParteiSPD
AusbildungHarvard Medical School, RWTH Aachen University

AstraZeneca: Karl Lauterbach sieht Zusammenhang zwischen Thrombose und Impfung

Den vermeintlichen Zusammenhang sehe Karl Lauterbach aber nicht als Grund dafür, den Impfstoff von AstraZeneca auch weiterhin einzusetzen. „Auf der Grundlage der Zwischenfälle, die wir jetzt kennen, überwiegt natürlich der Nutzen des Impfstoffs, insbesondere bei den Älteren“, meint der Experte. In Abwägung mit der Thrombose, die „behandelbar ist, wenn auch schwer behandelbar ist gegen eine Erkrankung, die bei Älteren sehr, sehr häufig tödlich verläuft“, hätte er die Impfungen nicht ausgesetzt.

Im gleichen Gespräch äußert sich Karl Lauterbach zudem skeptisch über die Vergleiche, die seit gestern in den sozialen Medien kursieren. So äußern sich viele Menschen kritisch über den Impfstopp, weil auch die Antibabypille eine hohe Thrombosegefahr mit sich bringe. „Die Thrombosen, die es nach Einnahme der Pille gibt, sind nicht in der Schwere vergleichbar mit den Thrombosen, über die wir hier sprechen“, erläutert der Mediziner dazu.

AstraZeneca: Karl Lauterbach spricht von „großem Fehler“

Update vom 15. März, 19:01 Uhr: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58) hat den Impfstopp für das Präparat von AstraZeneca als „großen Fehler“ bezeichnet. „Das schafft nur große Verunsicherung und Misstrauen in einer Situation, in der es auf jede Impfung ankommt“, so Lauterbach zur „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe). Besser sei eine Prüfung bei laufenden Impfungen. „Ich kenne keine Analysen, die ein Aussetzen rechtfertigen würden“, erklärt der SPD-Politiker und Epidemiologe. Das Risiko einer Thrombose läge „in der Größenordnung von 1 zu 100.000 oder weniger“ und scheine im Vergleich zu Ungeimpften nicht erhöht zu sein.

Im Gespräch mit dem Portal „t-online“ machte sich Lauterbach dagegen für einen sofortigen neuen Lockdown stark: „Wir müssen jetzt bundesweit die Notbremse ziehen und zurück in den Lockdown! Es nützt nichts, jetzt zu warten, bis die Inzidenz überall über 100 liegt. Das exponentielle Wachstum ist zurück, wir wissen, dass die Zahlen weiter steigen werden.“ Das Land müsse zurück zu den Regeln, die am 7. März galten – also vor den jüngsten Lockerungen.

AstraZeneca: „Verschwindend gering...“ – Karl Lauterbach verharmlost Impfstoff-Nebenwirkung

Erstmeldung von 15. März, 15:32 Uhr: Die Liste der Skeptiker wird immer länger: Dänemark, Norwegen, Island, Bulgarien – und jetzt auch Irland. Immer mehr Länder stoppen zumindest vorübergehend vorsorglich die Impfung ihrer Bürger mit dem umstrittenen Impfstoff von AstraZeneca, weil immer mehr mutmaßliche Nebenwirkungen bekannt werden. Darunter teils tödliche verlaufende Thrombosen, Blutgerinnsel und Anaphylaxie. Am Montagnachmittag hat jetzt auch Deutschland den Einsatz des Vakzins ausgesetzt fest im Kampf gegen die Corona-Pandemie, wie HEIDELBERG24 berichtet.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (58) dagegen scheint ein ‚Fan‘ des Impfstoffs zu sein, wie ein Tweet auf seinem Twitter-Account am Montag deutlich macht. Darin postet der Politiker eine einfache und dennoch äußerst aussagekräftige Grafik. Darauf zu sehen: Ein Flächendiagramm, das alle 10 Millionen in Großbritannien verabreichten Impfungen als großen Kreis darstellt. Ein kaum sichtbarer Punkt zeigt dagegen die 14 Thrombosen, die im Rahmen der Impf-Kampagne aufgetreten sind. Karl Lauterbach, der sich laut eigenen Angaben sofort mit AstraZeneca impfen lassen würde, bezeichnet das Thrombose-Risiko als „verschwindend gering“! Es sei „dazu nicht höher als ohne Impfung“.

AstraZeneca-Impfstoff: Großbritannien setzt weiterhin auf das Vakzin

Anders als mehrere andere europäische Länder nutzt Großbritannien weiter den Corona-Impfstoff von AstraZeneca. „Wir prüfen die Berichte genau, aber angesichts der großen Anzahl verabreichter Dosen und der Häufigkeit, mit der Blutgerinnsel auf natürliche Weise auftreten können, deuten die verfügbaren Beweise nicht darauf hin, dass der Impfstoff die Ursache ist“, sagt Phil Bryan von der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) einer Mitteilung zufolge. „Alle Menschen sollten sich gegen Covid-19 impfen lassen, wenn sie dazu aufgefordert werden“, so Bryan weiter.

Zuletzt hatte die irische Impfkommission sich für einen vorübergehenden Stopp der Impfungen mit dem Präparat ausgesprochen, das der britisch-schwedische Konzern AstraZeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hat. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Zuvor waren einzelne Fälle in Dänemark und Norwegen bekanntgeworden, in denen schwere Blutgerinnsel nach der Verabreichung des Mittels auftraten. In Großbritannien wurden bisher keine Fälle schwerer Nebenwirkungen bekannt.

Auf einem Tisch stehen Ampullen mit dem Covid-19 Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns AstraZeneca.

AstraZeneca-Impfstoff: Lieferengpass lässt wohl Impftermine in Baden-Württemberg platzen

Währenddessen werden die Lieferkürzungen für den Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums zur Absage von Impfterminen in Baden-Württemberg führen. Damit müsse gerechnet werden, sagte am Montag eine Sprecherin des Ministeriums gegenüber dpa. „Im Moment sind wir noch dabei zu ermitteln, was es konkret für bereits bestehende Termine bedeutet.“ Zunächst wolle man dafür aber Informationen der Gesundheitsministerkonferenz abwarten. Die Minister sollten noch am Montag tagen.

Es sei mehr als ärgerlich, dass sich Deutschland nicht auf die zugesagten Impfstoffmengen des britisch-schwedischen Konzerns verlassen könne. „Nach unseren derzeitigen Informationen ergibt sich daraus für die kommenden Wochen jeweils eine neue Liefermenge von 26.400 Impfdosen“ – das entspreche Stand jetzt rund 110.400 Impfdosen weniger für die nächsten zwei Wochen.

Ein Arzt hält ein Fläschchen mit dem Impfstoff von AstraZeneca in der Hand.

AstraZeneca habe im gleichen Atemzug aber angekündigt, die Lieferung Ende März/Anfang April um genau diese Menge wieder zu erhöhen. Damit wäre die Kürzung wieder ausgeglichen. Wie verlässlich diese Angaben jedoch letztendlich seien, könne im Moment noch nicht beurteilt werden.

AstraZeneca hatte am vergangenen Freitag mitgeteilt, statt 220 Millionen nur 100 Millionen Dosen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten liefern zu können. In Deutschland haben mehrere Bundesländer daraus bereits Konsequenzen gezogen: Thüringen etwa
stoppte vorerst die Terminvergabe für Impfungen – am Montagnachmittag ist nun ganz Deutschland gefolgt. (dpa/pek)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka

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