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AstraZeneca-Impfung: Gefährliche Nebenwirkung – so viele Thrombose-Fälle gab es bislang

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Von: Robin Eichelsheimer

AstraZeneca - Für viele Impfwillige stehen hinter dem Impfstoff von AstraZeneca noch große Fragezeichen – vor allem wegen der potenziell tödlichen Thrombose-Nebenwirkung. Doch wie viele Fälle sind bislang bekannt?

Die Devise lautet: Impfen, Impfen, Impfen“, bekräftigte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim letzten Corona-Gipfel mit den Ministerpräsident*innen der Länder abermals. Und inmitten der dritten Coronavirus-Welle ist diese Parole wichtiger denn je, sind Impfungen gegen den gefährlichen SARS-Cov2-Erreger mitsamt seiner hochinfektiösen Virusvarianten doch der einzige Weg für eine mehr oder minder schnelle Rückkehr zum normalen Leben. In Deutschland werden bislang die Impfstoffe von Biontech, Moderna, Johnson & Johnson und AstraZeneca verabreicht.

Letzterer Wirkstoff ist das Sorgenkind unter den Vakzinen, sorgte aufgrund von sich immer wieder ändernden Empfehlungen und vermehrt auftretenden Fällen von Sinusvenenthrombosen (Blutgerinnseln im Gehirn) bei jüngeren, meist weiblichen Geimpften für große Verunsicherung in der Bevölkerung. Doch ist die Sorge überhaupt berechtigt – und wie viele Fälle der sehr speziellen Form von Hinrvenenthrombosen in Folge eine Impfung mit AstraZeneca sind mittlerweile eigentlich bekannt?

NameAstraZeneca
HauptsitzCambridge, Vereinigtes Königreich
CEOPascal Soriot
Gründung6. April 1999
TochtergesellschaftenMedImmune

AstraZeneca-Impfstoff: Risiken, Nebenwirkungen, Empfehlungen

Der Impfstoff von AstraZeneca, der im Übrigen mittlerweile unter neuem Namen läuft, ist der mit Abstand umstrittenste unter den bislang für die EU zugelassenen Wirkstoffen. Gleich zu Beginn wurde seine Wirksamkeit bemängelt, und schon kurz nach der Freigabe der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA folgten zahlreiche Meldungen von schweren Nebenwirkungen. Die Folge: Etliche Länder – darunter auch Deutschland - stoppten vorübergehend die Verabreichung des Coronavirus-Impfstoffes des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens.

Mitte März hob die EMA diesen Stopp wieder auf. Doch es blieb nur kurz ruhig – denn nur wenige Tage später empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) das Vakzin von AstraZeneca ab sofort nur noch für Personen, die über 60 Jahre alt sind, nachdem mehrere Personen - meist jüngere Frauen - im zeitlichen Zusammenhang zu ihrer Corona-Impfung an Thrombose erkrankt waren. In einigen Fällen führten Hirnvenen-Thrombosen (auch Sinusvenenthrombosen) sogar zum Tod.

Und um für weitere Verwirrung und Verunsicherung unter den Impfwilligen in Deutschland zu sorgen, gab die EU-Arzneimittelbehörde EMA am Mittwoch (7. April) grünes Licht für die Impfung aller Altersklassen, empfiehlt damit also die uneingeschränkte Anwendung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca, während die Stiko Jüngeren bei einer ausstehenden Zweitimpfung zu einem anderen Wirkstoff rät.

Stiko-Chef Thomas Mertens machte in der Folge zwar deutlich, dass es sich dabei nicht um unterschiedliche Empfehlung zum Umgang mit dem AstraZeneca-Impfstoff handelt – dem Image des häufig in Verruf geratenen Vakzins waren diese aber mit Sicherheit auch nicht zuträglich.

AstraZeneca-Impfstoff: Tödliche Gefahr – So viele Hirnvenen-Thrombose-Fälle sind bekannt

Wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) am Freitagabend (9. April) berichtet, sind in Deutschland bisher insgesamt 42 Verdachtsfälle einer Hirnvenen-Thrombose nach einer Impfung mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca bekannt. In 23 Fällen wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) festgestellt. In 35 Fällen waren Frauen im Alter zwischen 20 und 63 Jahren betroffen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden Frauen bisher häufiger mit AstraZeneca geimpft als Männer. Die sieben betroffenen Männer waren zwischen 24 und 58 Jahre alt.

Auch interessant: Impfstoff von AstraZeneca: Bei DIESEN Symptomen droht eine Thrombose!

Wie das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Institut in Langen berichtet, sind acht betroffene Personen – fünf Frauen und drei Männer – in der Folge gestorben. Für Frauen zwischen 20 und 59 Jahren seien deutlich mehr Fälle beobachtet worden, als erwartbar gewesen sei, heißt es.

Dazu im Vergleich der Impfstoff von Biontech: Nach der Verabreichung des Wirkstoffes Comirnaty von Biontech/Pfizer wurden bislang sieben Fälle einer Hirnvenen-Thrombose gemeldet – davon betroffen drei Frauen im Alter von 34 bis 81 Jahren und vier Männer im Alter zwischen 81 bis 86 Jahren. Im Gegensatz zu AstraZeneca wurde in keinem der Fälle zusätzlich eine Thrombozytopenie festgestellt.

AstraZeneca-Zusammenhang mit Thrombosen – Experte hält Vakzin nicht für alleinigen Auslöser

Für den Greifswalder Forscher Andreas Greinacher gebe es klare Belege, dass bei einigen Menschen eine enge Verbindung zwischen dem Impfstoff von AstraZeneca und Thrombosen bestehe – dafür sprächen die Zahl der Fälle und das immer gleiche Muster, wie er am Freitagabend in einem virtuellen Pressgespräch verrät. Und dennoch: „Sie nicht zu impfen wird für viel, viel mehr Menschen das Risiko ernster Komplikationen mit sich bringen, als sie zu impfen“, sprach sich Greinacher trotz der Nebenwirkungen für Impfungen aus.

Der Experte hält AstraZeneca nicht für den alleinigen Auslöser von Thrombosen, macht das Auftreten bestimmter Antikörper dafür verantwortlich. Es sei absolut klar, „dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen diesen Antikörpern und diesen thrombotischen Komplikationen gibt.“ Es müsse aber noch etwas anderes geben, dass zum Auftreten dieser Antikörper beitrage. Wenn es AstraZeneca-Impfstoff allein wäre, müsse es viel mehr Fälle geben. Vor dem Hintergrund der geringen Fallzahlen könne es sein, dass die Betroffenen etwas in ihrem Körper hätten, was sie anfällig mache, gewisse Antikörper zu produzieren. Was das sei, sei noch unklar.

AstraZeneca-Impfstoff: Symptome – SO erkennt man eine drohende Thrombose

Bei einer Hirnvenen-Thrombose handelt es sich um einen teilweises oder vollständiges Verschluss der Gehirn-Venen durch Blutgerinnsel. Hirnvenen-Thrombosen treten relativ selten auf und sind bei weniger als ein Prozent aller Schlaganfälle die Ursache. Die Erkrankung kann durch CT-Aufnahmen sowie einer Kernspintomografie festgestellt werden. Doch wie zeigt sich eigentlich die Thrombose-Erkrankung?

Zu den Symptomen einer Hirnvenen-Thrombose zählen:

Außerdem heißt es in dem Beipackzettel des AstraZeneca Corona-Impfstoffes, dass weitere Symptome auf eine mögliche Thrombose-Erkrankung hinweisen können. Diese lauten wie folgt:

Treten diese Symptome innerhalb von 14 Tagen nach einer AstraZeneca-Impfung auf, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Bis zum 2. April wurden in Deutschland insgesamt rund 14,4 Millionen Impfungen durchgeführt. Dabei wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 407 Todesfälle „in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung“ gemeldet. Die Verstorbenen waren zwischen 24 und 102 Jahren alt. Der Abstand habe zwischen weniger als einer Stunde und 40 Tagen betragen. Bei der überwiegenden Mehrzahl hätten zum Teil multiple Vorerkrankungen bestanden, darunter Krebs und Herzstörungen, die vermutlich todesursächlich gewesen seien. (rob)

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