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AstraZeneca-Nebenwirkungen: Thrombose-Vergleich mit Antibaby-Pille hinkt total

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Von: Daniel Hagen

Der Impfstoff von AstraZeneca ist wegen Todesfällen zwischenzeitlich nicht eingesetzt worden. Viele Kritiker vergleichen das Vakzin nun mit der Antibabypille. Warum dieser Vergleich irreführend ist:

Gegen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hagelt es derzeit Kritik: Zunächst die mangelhafte Umsetzung der Impfkampagne und dann kommt noch der zwischenzeitliche Stopp für den Impfstoff von AstraZeneca*. Der Grund für diese Vorsichtsmaßnahme sind mehrere Fälle von Thrombosen (Blutgerinnsel), die in Zusammenhang mit dem Vakzin stehen könnten. Viele Kritiker des Stopps argumentieren in den sozialen Medien damit, dass auch die Antibabypille Thrombosen verursache – und diese trotzdem noch auf dem Markt sei. Doch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht einen solchen Vergleich kritisch. Was dahinter steckt, erklärt HEIDELBERG24.de*.

NameAstraZeneca
CEOPascal Soriot
HauptsitzCambride, Großbritannien
Gründung6. April 1999

AstraZeneca: Wie entsteht eine Thrombose?

Doch zuvor erstmal die Grundlagen: Was ist überhaupt eine Thrombose? Und was macht sie so gefährlich? Durch verschiedene Erkrankungen, Medikamente oder Störungen des Kreislaufsystems kann Blut verklumpen und dann ein Gerinnsel bilden. Dieses setzt sich fest und verhindert den Durchfluss des Blutes, wodurch der Körper nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt werden kann.

Sollte sich ein solches Gerinnsel lösen und in den Organismus „schließen“, kann es am Ende in der Lunge, dem Herz oder sogar dem Gehirn landen. Dann spricht man von einer Lungenembolie, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall – was alles tödlich enden kann. Im „besten“ Fall bleibt das Gerinnsel aber in einer Beinvene und verursacht eine Tiefe Beinvenenthrombose (TVT), die gut zu behandeln ist.

AstraZeneca: Impfstoff nicht mit Antybabypille vergleichbar

Auch die Antibabypille kann eine Thrombose verursachen, weil sie den Stoffwechsel der Gerinnungsfaktoren in der Leber so verändert, dass das Gleichgewicht verschiedener Gerinnungs-Faktoren beeinflusst wird. Dadurch erhöht die Pille, die weltweit von Millionen Frauen eingenommen wird, das Risiko eines solchen Gerinnsels, der dann meist in den Venen eine TVT verursacht. Aufgrund dieses Vorgangs vergleichen viele Kritiker die Nebenwirkung des Medikaments mit denen des Vakzins und halten den Stopp für unbegründet.

Diesem Vergleich steht der Mediziner Karl Lauterbach eher skeptisch gegenüber. „Die Thrombosen, die es nach Einnahme der Pille gibt, sind nicht in der Schwere vergleichbar mit den Thrombosen, über die wir hier sprechen“, sagt der 58-Jährige im ARD-Morgenmagazin. Der SPD-Politiker hält zudem den Zusammengang zwischen den Gerinnseln und der Impfung mit AstraZeneca für sehr wahrscheinlich, hätte aber trotzdem damit weitergeimpft.

AstraZeneca: Verursacht Impfstoff seltene Blutgerinnsel?

Doch warum sollte man, laut Lauterbach, die Thrombosen nicht miteinander vergleichen? Weil es sich im Falle der sieben betroffenen Personen – von denen drei sogar gestorben sind – um eine sogenannte Sinusthrombose handelt. Diese treten im Hirn auf und sind eine gefürchtete Ursache für Schlaganfälle. Zudem sind sie äußert selten. So wird geschätzt, dass pro Jahr gerade einmal drei bis fünf Neuerkrankungen pro eine Million Einwohner auftreten. Wir sprechen allerdings schon von sieben Patienten innerhalb kurzer Zeit, die kurz zuvor eine Impfung mit AstraZeneca erhalten haben.

Der Zusammenhang macht auch physiologisch Sinn“, erklärt Karl Lauterbach im ARD-Morgenmagazin. Ob es sich nur um einen schlimmen Zufall handelt oder ob der AstraZeneca-Impfstoff wirklich für die Thrombosen zuständig ist, wird nun von der britischen Aufsichtsbehörde für Arzneimittel (MHRA) und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) untersucht.

AstraZeneca: Verursacht Vakzin weitere schlimme Nebenwirkung?

Neben den Blutgerinnseln sorgt allerdings noch eine weitere Beobachtung für Rätsel. So stehen die Sinusvenenthrombosen laut dem Paul-Ehrlich-Institut in Verbindung mit einer sogenannten Thrombozytopenie. So wird ein Mangel an Blutplättchen im Blut bezeichnet. Normalerweise tritt diese Komplikation eher durch spezielle Vorerkrankungen, Vitamin- und Eisenmangel sowie Medikamente auf. Bei dem Vakzin sind auch noch weitere Nebenwirkungen bekannt. (dpa/dh) *HEIDELBERG24.de ist ein Produkt von IPPEN MEDIA.

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