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Preis-Zoff um „Berliner Luft“ – Kult-Getränk fliegt aus den Märkten

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Von: Madlen Trefzer

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Aus für das Kult-Getränk „Berliner Luft“: Ein neuer Preisstreit bei Discountern und Supermärkten eskaliert – der Hersteller sieht keinen anderen Ausweg, als die Lieferungen einzustellen.

Nach und nach verschwindet ein Kultgetränk aus den Regalen von Aldi, Lidl, Edeka, Kaufland und Rewe. Doch wo ist die „Berliner Luft“ hin? Diese Frage beantwortet HEIDELBERG24. Das mittelständische Unternehmen will eine Preiserhöhung im einstelligen Bereich durchsetzen. Die Supermärkte und Discounter lehnen ab. Doch das Unternehmen Schilkin, zu dem „Berliner Luft“ gehört, gibt nicht nach.

NameBerliner Luft
UnternehmenSchilkin
Gegründet1900 in St. Petersburg
GeschäftsleiterErlfried Baatz

Preisstreit seit 2020 – nun verschwindet „Berliner Luft“ endgültig aus den Supermarktregalen

Die Verträge laufen aus; daraufhin hört Schilkin auf, die Supermärkte und Discounter mit dem beliebten Pfefferminzlikör zu beliefern. „Wir sind nur ein kleiner Mittelständler, kein multinationaler Konzern, der die Händler irgendwie erpressen könnte“, ärgert sich Schilkin-Chef Erlfried Baatz in einem Interview mit dem Handelsblatt am 31. Mai. Der 66-Jährige spricht von anhaltenden Preisstreitigkeiten seit 2020. 

Schließlich bezieht das Unternehmen etwa 30 Prozent des Gesamtumsatzes aus der Gastronomie. Wegen der Corona-Krise war der Betrieb in Clubs und Diskotheken binnen der letzten zwei Jahre überwiegend eingestellt. Daher ging diese Einnahmequelle für Schilkin verloren. Bei etwa 400 selbständigen Edeka-Händlern konnte die „Berliner Luft“ wieder ihr Comeback erleben. 

Verschiedene Sorten Pfefferminzlikör stehen im Regal eines Supermarkts.
„Berliner Luft“ im Regal eines Supermarkts © Gregor Tholl/dpa

„Berliner Luft“: Nur noch vereinzelt in Supermärkten und Discountern

Zurückzuführen sei das laut Baatz auf die hohen Anfragen der Kundschaft. Einige Supermärkte müssen nun allerdings ohne das beliebte Kult-Getränk auskommen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich die beteiligten Parteien wieder einigten und „Berliner Luft“ wieder verkauft werde, jedoch wird der Pfefferminzlikör momentan überwiegend online, bei Markant, Metro, und Netto-Stavenhagen gehandelt.

Die Club-Krise hat das Unternehmen schwer getroffen und durch den Ukraine-Krieg fallen zusätzliche Mehrkosten bei der Produktion an. Darüber hinaus wird viel in Verpackungen investiert, worauf die geplante Preiserhöhung zurückzuführen ist. Das ist nicht die erste Krise, die das Unternehmen durchsteht. Trotz Schwierigkeiten werden neue Variationen der „Berliner Luft“ auf den Markt gebracht. 

Nicht nur „Berliner Luft“ fliegt aus dem Sortiment der Discounter-Riesen

Es gibt Geschmacksrichtungen wie Eisbonbon, Kalter Kaffee oder Lindenblüte. Laut RTL soll es „Berliner Luft“ auch noch im Getränkefachhandel geben. Aldi, Lidl und Co. stellen sich jedenfalls noch dagegen. „Obwohl wir junge, kaufkräftige Kunden in die Läden bringen“, so der Schilkin-Chef. Nicht zum ersten Mal eskaliert ein Preis-Streit bei Lidl – auch Ritter-Sport-Schokolade fliegt aus dem Sortiment.

Auseinandersetzung mit Edeka und Co. habe Erlfried Baatz auch früher nicht gescheut, schreibt das Handelsblatt. Als Chef der Sektkellerei Henkell war er Wortführer der Sektbranche gegen missbräuchliche „Hochzeitsrabatte“, die Edeka 2008 zur Übernahme der Discounter-Kette Plus von Lieferanten gefordert hatte. 2014 stellte das Bundeskartellamt fest, dass Edeka mit den Rabattforderungen gegen das Kartellrecht verstoßen habe.

„Berliner Luft“ wird im DLG-Test zur besten Spirituose gekrönt

Laut Handelsblatt habe sich Edeka trotz Anfrage nicht zu den Preisstreitigkeiten mit Schilkin geäußert. Von anderen Produkten aus dem Hause ist nicht die Rede. Weder der Schilkin Vodka noch der Dry Gin sind betroffen, der Vodka ist sogar nach wie vor bei Rewe erhältlich. Das beliebteste Getränk fehlt jedoch – die „Berliner Luft“.

Aber warum heißt die „Berliner Luft“ eigentlich so? Die Geschichte beginnt im Alt-Kaulsdorf im Osten von Berlin. Dort ist die Luft meistens klar und frisch – genau wie der gleichnamige Pfefferminzlikör. Vor 70 Jahren denkt sich Unternehmer Sergei Schilkin das Rezept für die Spirituose aus. Doch erst unter Baatz geht das Kultgetränk „viral“, besonders bei Studenten. (mad)

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