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Corona-Impfstoff im Vergleich: So unterscheiden sich die Vakzine von BioNTech und Moderna

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Nach dem Impfstoff von BioNTech hat die EU jetzt auch das Corona-Vakzin des amerikanischen Herstellers Moderna zugelassen. Wo unterscheiden sich die Impfstoffe, was ist ähnlich?

Das Coronavirus hält die Welt weiter in Atem. In vielen Ländern gelten strenge Lockdowns, um die weitere Ausbreitung einzudämmen, in manchen wurde bereits mit Massenimpfungen begonnen. Auch in Deutschland, wo seit 27. Dezember das mRNA-Vakzin des Mainzer Biotech-Unternehmens BioNTech und des US-amerikanischen Pharma-Riesen Pfizer verabreicht wird. Zur besseren Verteilung des Impfstoffs wurden auch in Baden-Württemberg* zentrale und Kreis-Impfzentren* eingerichtet, in denen der BioNTech-Impfstoff „Comirnaty“ gespritzt wird. Rund 30.000 Menschen haben im Land ihre erste Impfdosis erhalten, aber derzeit mangelt es noch an Impfstoff.

Die Situation könnte langfristig ein weiteres Vakzin entspannen, dem die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) am Mittwoch (6. Januar) die Zulassung* erteilt hat: Wie HEIDELBERG24* berichtet, handelt es sich auch bei dem Präparat „Covid-19 Vaccine (mRNA-1273)“ des amerikanischen Herstellers Moderna um einen mRNA-Impfstoff. Das Moderna-Vakzin bleibt im Vergleich zu dem Biontech-Präparat bei höheren Temperaturen stabil und dürfte deshalb leichter zu transportieren und zu lagern sein.

BioNTech und Moderna: Gemeinsamkeiten der mRNA-Impfstoffe

Beide bislang in der EU zugelassenen Impfstoffe basieren auf dem mRNA-Prinzip. Sie enthalten Bauanleitungen eines Teils von Sars-CoV-2. Über einen Botenstoff (messenger (m)) gelangen diese in den Körper und regen Körperzellen an, das Spike-Protein des Coronavirus zu produzieren. Das Immunsystem trainiert daran anschließend seine Antwort. Ein eindringendes Coronavirus wird in der Regel sofort erkannt und bekämpft. Beide Präparate werden in der Regel in einen Oberarmmuskel injiziert.

Impfstoffvergleich
Nach dem Biontech/Pfizer-Impfstoff (r.) darf in der EU künftig auch das Präparat des US-Unternehmens Moderna genutzt werden. © Jessica Hill/Stefan Sauer//dpa

Studien zeigen, dass beide Impfstoffe eine sehr hohe Wirksamkeit aufweisen: Das BioNTech-Präparat verhindert die Krankheit Covid-19 zu 95 Prozent, der Moderna-Impfstoff schneidet mit einer Wirksamkeit von 94,1 Prozent nur geringfügig schlechter ab. Die Zahlen gehen aus den jeweiligen Phase-3-Studien der Impfstoffe hervor.

Bei beiden Produkten müssen zwei Dosen gegeben werden, um die Wirksamkeit zu gewährleisten. „Cormirnaty“ muss nach Erstinjektion innerhalb von 21 Tagen ein weiteres Mal verabreicht werden, das Moderna-Präparat innerhalb von vier Wochen. Die Immunität gegen Corona soll sich bei beiden Präparaten sieben Tage nach der zweiten Impfgabe einstellen. Für beide Vakzine gilt: Ist das Impffläschchen angebrochen, muss der Impfstoff innerhalb von sechs Stunden verbraucht werden. Eine Durchstechflasche von BioNTech reicht für fünf bis sechs Injektionen, von Moderna für bis zu zehn Dosen.

BioNTech und Moderna: So unterscheiden sich die Impfstoffe

Der größte Unterschied zwischen den beiden Corona-Vakzinen liegt aktuell in der Lagerung. Während „Comirnaty“ von BioNTech mindestens bei einer Temperatur von -70 Grad gelagert werden muss, bleibt der Moderna-Impfstoff bei deutlich höheren Temperaturen stabil und kann auch viel länger in einem handelsüblichen Kühlschrank gelagert werden. Es ist bei -20 Grad sechs Monate haltbar und kann bei Kühlschranktemperaturen bis zu 30 Tage lang verwendet werden. Der BioNTech-Impfstoff hält sich im Kühlschrank lediglich bis zu fünf Tage. Zudem ist das Moderna-Produkt bei Auslieferung gebrauchsfertig, während „Comirnaty“ vor Verwendung noch mit einer Kochsalz-Lösung verdünnt werden muss.

Das BioNTech-Vakzin hat mit 30 Mikrogramm eine dreifach geringere Impfdosis als das Präparat von Moderna (100 Mikrogramm). Was den Preis für den Impfstoff anlangt, liegen die beiden mRNA-Impfstoffe mit rund 15 Euro pro Dosis in etwa gleichauf. Die belgische Staatssekretärin Eva De Bleeker hatte die Preise Mitte Dezember versehentlich auf Twitter veröffentlicht und kurz darauf wieder gelöscht. Deutschland soll 85 Millionen Impfdosen des BioNTech-Produkts erhalten, über zusätzliche Lieferungen wird verhandelt. Moderna wird Deutschland im ersten Quartal 2021 mit zwei Millionen Dosen seines Vakzins beliefern. Bis Jahresende sollen es 50 Millionen Impfdosen sein.

Vergleich der Impfstoffe von BioNTech und Moderna

HerstellerBioNTech/PfizerModerna
Impftstoff-NameComirnatyCovid-19 Vaccine (mRNA-1273)
Art des VakzinsmRNAmRNA
VerabreichungsformInjektionInjektion
Zweite Impfdosisinnerhalb von 21 Tageninnerhalb von 28 Tagen
Wirksamkeit95 %94,1 %
Lagerung-70° C-20° C
Haltbarkeitbis zu 6 Monate6 Monate
Preis/Dosisca. 12 Euroca. 15 Euro
Dosis/Impfinjektion30 Mikrogramm100 Mikrogramm

BioNTech und Moderna: Welche Fragen noch offen sind

Offen ist bei beiden mRNA-Impfstoffen indes noch, ob die hohe Wirksamkeit auch in der Massenimpfung Bestand hat. Das wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Den vorliegenden Zahlen liegen die Phase-3-Studien mit rund 44.000 (BioNTech) und rund 30.000 (Moderna) Studienteilnehmern zugrunde. Unklar ist auch, wie lange der Impfschutz besteht und ob ein Geimpfter das Coronavirus dennoch übertragen kann. Zudem muss auch noch erörtert werden, wie mit Menschen verfahren werden soll, die die zweite Impfung innerhalb des angegebenen Zeitraums versäumen.

Im Vergleich zu einer Grippeimpfung kommt es bei beiden Impfstoffen häufiger zu Nebenwirkungen, die allerdings in der Regel schwach bis moderat ausfallen und öfter nach der zweiten Dosis auftreten. Die meisten Probanden klagten über Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopf- und Muskelschmerzen. Manche klagten auch über Fieber und Schüttelfrost. Die Symptome klingen nach kurzer Zeit ab. In wenigen Fällen kam es kurz nach der Injektion des BioNTech-Vakzins allerdings auch zu schweren allergischen Reaktionen*. Menschen, die zu allergischen Reaktionen neigen, sollen zunächst nicht geimpft werden. Über Langzeitfolgen gibt es keine Erkenntnisse, BioNTech-Gründer Ugur Sahin erwartet aber „keine Überraschungen“. (rmx) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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