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Gesichtslähmung nach Impfung mit Biontech und Moderna? Darum ist die Sorge unbegründet

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Von: Robin Eichelsheimer

Lösen Impfungen mit den Wirkstoffen von Biontech und Moderna Gesichtslähmungen aus? Dieser Frage gehen derzeit mehrere Studien auf den Grund. Was bislang bekannt ist:

Deutschland macht Tempo bei den Impfungen, dazu jüngst die Meldung aus Berlin, dass ab dem 7. Juni die Impfriorisierung bundesweit aufgehoben werden soll* und sich folglich jeder gegen das Coronavirus* impfen lassen kann, der das auch möchte. Bislang wurden laut Angaben des Robert Koch-Institus (RKI) in Deutschland 40 Millionen Impfungen gegen den SARS-CoV2-Erreger durchgeführt (Stand: 16. Mai), 9,3 Millionen Personen sind voll geimpft.

Doch es gibt auch einen großen Anteil der Bevölkerung, der angesichts der sich häufig ändernden Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) und den Berichten über gefährliche Nebenwirkungen der Vakzine einer Impfung besorgt oder gar skeptisch entgegenblickt. Nun stehen auch die Impfstoffe von Biontech und Moderna im Verdacht, Gesichtslähmungen auszulösen – diese mögliche Nebenwirkung gilt unter Wissenschaftlern jedoch als höchst umstritten, wie HEIDELBERG24* berichtet. Aber wie hoch ist die Gefahr einer Gesichtslähmung wirklich?

Corona-Impfung mit Biontech und Moderna: Nebenwirkungen und ihre Häufigkeit

In den allermeisten Fällen ist diese Sorge vor schweren Impf-Nebenwirkung bei mRNA-Impfstoffen völlig unbegründet. So gab es in Deutschland beispielsweise bislang lediglich 16 gemeldet Fälle einer Herzmuskelentzündung infolge einer Impfung mit Biontech. Derzeit wird geprüft, ob es sich dabei überhaupt um einen direkten Zusammenhang zwischen Verabreichung und der Erkrankung als Folge handelt. Und auch die Fälle einer potenziell tödlich endenden Hirnvenenthrombose oder Sinusvenenthrombose halten sich überschaubar: Einer Studie der Oxford Universität zufolge wurden für die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna lediglich vier Fälle je eine Million Geimpfter festgestellt – das entspricht 0,0004 Prozent.

Viel üblicher sind bei Biontech und Moderna jedoch folgende leichte Nebenwirkungen:

Von einer Nebenwirkung war bislang aber kaum die Rede: der Gesichtslähmung – auch Fazialisparesen. Diese wurden in den Zulassungsstudien der beiden mRNA-Impfstoffe Biontech und Moderna beobachtet, ein Zusammenhang mit der Impfung gegen das Coronavirus konnte nicht ausgeschlossen werden. Zahlreiche Studien gehen genau dieser Frage auf den Grund.

Corona-Impfung mit Biontech und Moderna: Gesichtslähmung als Nebenwirkung?

Laut Deutscher Gesellschaft für Neurologie (DGN) entspricht das Auftreten einer Gesichtslähmung (Fazialisparese) einer psychisch belastenden sowie sehr unangenehmen neurologischen Komplikation, die sich in den meisten Fällen (95 Prozent) innerhalb eines Monats wieder von allein zurückbildet. Der Genesungsprozess kann durch Kortikosteroiden beschleunigt werden

In der Phase-III-Studie der beiden Impfstoffe von Biontech und Moderna wurden insgesamt 68.000 Probanden nachbeobachtet – in jeweils vier Fällen wurde eine Gesichtslähmung dokumentiert. Dazu muss erwähnt werden, dass es sich bei einem der akuten Fälle um einen Teilnehmer aus der Placebogruppe handelte.

Derzeit wird weiter geprüft, ob es sich um einen kausalen Zusammenhang zwischen Impfungen und Gesichtslähmungen handelt oder nicht. „Die allgemeine Häufigkeit von ohne erkennbare Ursache auftretenden Gesichtsnervlähmungen (sogenannten idiopathischen Fazialisparesen) wird mit sieben bis 40 Fällen pro Jahr auf 100.000 Einwohner angegeben, insofern sind die insgesamt acht Fälle, die in den beiden Studien mit 68.000 Teilnehmern beobachtet wurden, noch kein alarmierendes Signal, zumal Fazialisparesen ohnehin gerade Saison haben“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit.

Diese würden laut Berlit besonders im Frühling oder Herbst auftreten und häufig mit Viruserkrankungen oder grippalen Infekten in Verbindung gebracht. Aber auch Viruserkrankungen wie Herpesviren können zu besagter Form von Gesichtslähmungen führen.

Berlit klärt weiter auf, dass eine Infektion mit dem Coronavirus zu einer Gesichtslähmung führen kann: „Wie Herpes simplex-, Gürtelrose- oder Erkältungsviren kann auch SARS-CoV-2 offensichtlich Fazialisparesen triggern“. Hier sei das Risiko höher als durch eine Corona-Impfung.

Bislang hat sich also noch kein erkennbarer Zusammenhang zwischen einer Nebenwirkung der Gesichtslähmung und einer Impfung gegen das Coronavirus ergeben. „Im Hinblick auf Fazialisparesen rechtfertigt die Datenlage keine Impfskepsis. Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Auftreten von Gesichtslähmungen erscheint derzeit eher unwahrscheinlich“, so Berlits abschließendes Fazit. (rob) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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