1. Heidelberg24
  2. Verbraucher

Vierte Corona-Impfung: Ist die doppelte Booster-Spritze sinnvoll? Das sagen Experten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jason Blaschke

Kommentare

In Deutschland wird eine Booster-Impfung empfohlen. Ist bald auch eine vierte Dosis notwendig? Experten sagen ja – aber mit Einschränkungen.

Das Thema „Impfen“ wird seit Beginn der Impfkampagne immer wieder kontrovers diskutiert. Wie lange ist man nach einer zweiten Impfung geschützt? Und benötige ich einen Booster – und falls ja, ab wann genau? Stand 19. Januar ist, dass die Booster-Impfung drei Monate nach der vollständigen Immunisierung empfohlen wird – und zwar unabhängig von Alter und Gesundheit. Stand 18. Januar sind in Baden-Württemberg 7.907.856 Menschen vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Laut Landesgesundheitsamt (LGA) entspricht das einer Impfquote von 80,3 Prozent. Eine Booster-Impfung haben zudem schon 5.365.138 (54,5 Prozent) Menschen in Baden-Württemberg erhalten.

Muss im Lagebericht bald noch eine Spalte ergänzt werden? Anlass ist, dass nach der Booster-Impfung aktuell schon über die Booster-Impfung Nummer zwei in Deutschland diskutiert wird. Neu ist die Idee nicht – in Israel werden bestimmte Personengruppen schon ein viertes Mal geimpft.

Vierte Corona-Impfung: Wie sinnvoll ist ein zweiter Booster tatsächlich?

Konkret richtet sich das Angebot für die zweite Booster-Impfung in Israel an medizinisches Personal, Menschen über 60 Jahre, Pflegekräfte und an Menschen mit Immunschwäche. Rund eine halbe Million Menschen haben Medienberichten zufolge schon die vierte Corona-Impfung bekommen. Ministerpräsident Naftali Ben spricht laut Spiegel Online von einem „weiteren Meilenstein“ in der „bahnbrechenden Impfkampagne“. Auch Ungarn und Dänemark bieten ihrer Bevölkerung in Teilen eine zweite Booster-Impfung gegen das Coronavirus an.

In Deutschland wird über die Notwendigkeit einer vierten Corona-Impfung aktuell noch diskutiert. Die große Frage ist, ob ohnehin schon dreifach Geimpfte von einer vierten Immunisierung so stark profitieren, dass es eine weitere Impfung rechtfertigt. Denn mit Blick auf eine Impfung muss bedacht werden, dass das Immunsystem nicht überlastet werden soll. Doch genau das passiert, wenn zu viel in zu kurzen Abständen geimpft wird – zudem müssen immer auch die Nebenwirkung einer Impfung bedacht werden.

Vierte Corona-Impfung: Israel-Studie zur zweiten Booster-Impfung erstaunt

Und gerade mit Blick auf eine zweite Booster-Impfung hatte eine Studie aus Israel* gezeigt, dass die Zahl der Antikörper zwar nach einer vierten Impfung nochmal ansteigt, aber recht schnell wieder abnimmt. Auch deshalb sehen die Autoren der Studie eine vierte Spritze nach kurzer Zeit für uneingeschränkt alle Menschen kritisch. Doch was ist mit Menschen, die aufgrund ihres Alters oder von Vorerkrankungen schneller wieder Antikörper abbauen? Können sie vom zweiten Booster profitieren?

Sebastian Ulbert – Impfstoffforscher vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie – sowie Christine Falk – Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI) – haben dazu eine ganz klare Meinung. Auf Anfrage von Spiegel Online machen beide Experten klar, dass sie eine zweite Booster-Impfung für uneingeschränkt alle Menschen für wenig sinnvoll erachten. Vielmehr sollten Ältere und Risikogruppen für eine zweite Booster-Impfung gegen das Coronavirus in Betracht gezogen werden.

Vierte Corona-Impfung für alle? Experte erteilt Absage – aus gutem Grund

Aktuell gehe es in erster Linie darum, besonders Altenheime vor Omikron zu schützen, sagt Falk. Einige Menschen aus bestimmten Gruppen, wie Organ-transplantierte zum Beispiel, hätten sich auch schon vier Mal impfen lassen. Doch für alle anderen Menschen, die gesund sind, sieht Falk keine Notwendigkeit für eine zweite Booster-Impfung. Die Expertin klar und deutlich: „Die vierte Corona-Impfung braucht die Normalbevölkerung mit gesundem Immunsystem nicht.“

Die vierte Corona-Impfung braucht die Normalbevölkerung mit gesundem Immunsystem nicht.

Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie

Viel wichtiger ist es aus Sicht der Experten, möglichst viele Menschen in Deutschland zu impfen und schnellstmöglich zu boostern. Zwar schützt auch eine dreifache Immunisierung nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion mit Omikron, die Gefahr eines schweren Verlaufs sinkt aber ersten Studien zufolge deutlich. Und auch schwere Folgen einer Omikron-Infektion – wie Organschäden – kann die Corona-Schutzimpfung verhindern oder zumindest abmildern. Und noch etwas ist wichtig zu wissen.

Corona-Impfung: Experte sicher – Schutz ist „relativ lange relativ hoch“

Immunologe Ulbert geht zudem davon aus, dass schon ein dreifacher Impfschutz sehr wirkungsvoll vor Covid-19 schützt. Zwar ist es auch aus seiner Sicht richtig, dass der Schutz vor einer Infektion mit der Zeit abnimmt, er geht aber davon aus, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung „wesentlich länger“ gegeben ist. Ulbert ist sich sicher: Nach der Booster-Impfung ist der Schutz vor einer schweren Erkrankung an SARS-CoV-2 „relativ lange relativ hoch“. Die Meinungen teilen übrigens auch andere Experten.

Der über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannte Berliner Virologe Christian Drosten geht sogar davon aus, dass gesunde Erwachsene womöglich gar keinen weiteren Booster mehr benötigen könnten. Die Voraussetzung sei aber, dass das Coronavirus nicht mehr so stark mutiert. Ist das der Fall, könnte die zweite Booster-Impfung in Deutschland schneller anstehen, als vermutet. Umso wichtiger ist es, auch in ärmeren Ländern die Impfkampagne voranzutreiben, um neuen Mutationen so Einhalt zu gebieten. (jsn) *HEIDELBERG24 und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare