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Irrer Trend – hilft Blutwäsche gegen Long Covid? Jeder vierte Corona-Patient mit Langzeitfolgen

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Von: Marten Kopf

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Baden-Württemberg - Ein Viertel der Corona-Patienten im Südwesten leidet einer Studie zufolge unter Long Covid. Derweil bieten Ärzte mitunter skurrile Therapien an – ohne wissenschaftliche Grundlage.

Auch sechs bis zwölf Monate nach einer Infektion mit dem Coronavirus leidet noch rund jeder Vierte unter erheblichen Langzeitfolgen – und ist dadurch in Gesundheit und Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Das ergab eine Befragung im Auftrag der Landesregierung von rund 12.000 vormals Infizierten aus Baden-Württemberg im Alter von 18 bis 65 Jahren.

Corona-Langzeitfolgen: Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten

„Obwohl wir die Tendenz vermutet hatten, waren wir doch sehr erstaunt, wie viele jüngere Personen mit zunächst unkomplizierter akuter Sars-CoV-2-Infektion ein Risiko für Long Covid haben“, teilte Studienleiter Winfried Kern vom Universitätsklinikum Freiburg am Freitag (14. Oktober) mit. Die Studie wurde im Fachmagazin „British Medical Journal“ veröffentlicht. Als häufigste Beschwerden auch Monate nach einer Infektion nannten die Befragten mit jeweils mehr als 20 Prozent chronische Müdigkeit und Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten oder Gedächtnisstörungen, Atembeschwerden und Kurzatmigkeit, veränderten Geruchssinn sowie Ängste und depressive Symptome.

Grundsätzlich alles Symptome, die schon länger nach Corona-Infektionen bekannt sind. Auch wenn man eine mögliche Verzerrung durch eine selektive Teilnahme an der Studie annehmen müsse, bleibe trotzdem eine erhebliche Krankheitslast zurück, so Erstautor Raphael Peter von der Universität Ulm. An der Studie waren auch die Universitäten Heidelberg und Tübingen beteiligt. Die Landesregierung förderte die Studie bislang mit 2,3 Millionen Euro.

Zweifelhafte Therapie: Blutreinigung gegen Long-Covid-Symptome

Das große Problem bei Long Covid sind nach wie vor fehlende Behandlungsmöglichkeiten. Um dem zu entgegnen, bieten Ärzte mitunter skurril anmutende Therapien an – Therapien, deren Nutzen wissenschaftlich nicht belegt ist. Bei der sogenannten Lipid-Apherese (auch H.E.L.P.-Apherese genannt) etwa wird das gesamte Blut der Patienten von Fetten gereinigt. Der bekannte Fernseharzt Eckart von Hirschhausen berichtet in einer am Montag (17. Oktober) in der ARD ausgestrahlten Dokumentation darüber, die bereits vorab in der Mediathek zu sehen ist.

Dabei wird das Blut aus der Armvene entnommen, durch eine entsprechende Apparatur geleitet und wieder in den Körper zurückgeführt. Studien über die Wirksamkeit dieses Vorgehens aber gibt es keine. Im Gegenteil, Fachleute warnen gar vor der Behandlung, wie die Süddeutsche Zeitung ebenfalls am Montag berichtet. (mko/dpa)

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