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Cem Özdemir: Knallhart-Ansage an Lebensmittelindustrie – „Keine Ramschpreise mehr“

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Von: Daniel Hagen

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Cem Özdemir
Cem Özdemir will die Nahrungsmittelhersteller mehr in die Verantwortung nehmen. © Marijan Murat/dpa

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir plant eine Nahrungsmittel-Revolution. Durch strengere Vorgaben sollen sich alle besser ernähren und das Essen mehr wertschätzen.

Cem Özdemir hat erst vor wenigen Wochen das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft übernommen und plant derzeit etwas, von dem seine Vorgängerin Julia Klöckner immer abgesehen hat. Der Grünen-Politiker aus Baden-Württemberg* will nun verbindliche Ziele statt freiwilliger Vorgaben – für die Klöckner meist Spott geerntet hat. Durch diese strengeren Vorgaben will Özdemir dafür sorgen, dass sich die Deutschen endlich wieder gesünder ernähren und die Lebensmittel wieder zu schätzen wissen. HEIDELBERG24* verrät, die der 56-Jährige das umsetzen möchte.

NameCem Özdemir
Name21. Dezember 1965 in Bad Urach
EhepartnerinPia Maria Castro (verh. 2003)
ParteiBündnis 90/Die Grünen
Aktuelles AmtBundesminister für Ernährung und Landwirtschaft

Minister Cem Özdemir will verbindliche Ziele für Lebensmittelkonzerne

„Deutschland ernährt sich insgesamt zu ungesund“, sagt Cem Özdemir der Bild am Sonntag. Über 50 Prozent der Erwachsenen seien übergewichtig. Ein Grund dafür sind Fertigprodukte, die große Mengen an Zucker, Fett und Salz enthalten, die sich sogar darin befinden, wo es auf den ersten Blick gar nicht auffällt. „Die Politik hat zu lange versucht, die Industrie mit freiwilligen Selbstverpflichtungen zur Reduktion dieser Inhaltsstoffe zu bewegen. Damit ist jetzt Schluss. Mit mir wird es verbindliche Reduktionsziele geben“, macht Özdemir deutlich.

Bei der Aussage könnte es sich um einen Seitenhieb gegen seine Vorgängerin Julia Klöckner handeln, die seit 2019 auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie setzte und damit eine gesündere Ernährung erreichen wollte. Das hat, laut einer Marktstudie der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch und der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), aber nicht funktioniert. Die Studie von August zeigt, dass 242 der 283 untersuchten Lebensmittel ungesund sind. Das ist ein Wert von 85,5 Prozent. Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind diese Produkte unausgewogen und sollten nicht an Kinder beworben werden!

Cem Özdemir fordert mehr Wertschätzung und bessere Preise für Lebensmittel

Der neue Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft will aber noch einem weiteren großen Problem den Kampf ansagen. Aus Sicht von Özdemir müssen die Preise für Lebensmittel und Agrarprodukte steigen. „Es darf keine Ramschpreise für Lebensmittel mehr geben, sie treiben Bauernhöfe in den Ruin, verhindern mehr Tierwohl, befördern das Artensterben und belasten das Klima. Das will ich ändern“, sagt der Grünen-Politiker. Auch Discounter Aldi möchte sich mehr um das Tierwohl kümmern und führt daher ab 2022 eine „5D-Regelung“ ein*.

Er wolle, dass die Menschen in Deutschland ihre Lebensmittel genauso wertschätzten wie ihre Autos. „Manchmal habe ich das Gefühl, ein gutes Motoröl ist uns wichtiger als ein gutes Salatöl“, kritisiert der Minister. Zwar dürften Lebensmittel kein Luxusgut werden, der Preis müsse aber die „ökologische Wahrheit“ stärker ausdrücken. Der Agrarminister strebt zudem eine Ausweitung der Fläche ökologisch bestellter Felder bis 2030 von derzeit knapp 10 auf 30 Prozent an und die „Nachfragemacht des Staates nutzen“: Die Verpflegung in öffentlichen Einrichtungen sollten auf mehr regionale und Bio-Produkte umgestellt werden. „Der Staat muss da Vorbild sein.“ (dpa/dh) HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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