Toilettenpapier vielerorts ausverkauft

Corona-Irrsinn: Warum hamstern Amerikaner Waffen und Deutsche Klopapier?

Hamsterkäufe im Einzelhandel wegen Corona: Im Fokus der Panik-Käufer steht wieder einmal Klopapier. Eine Studie gibt Aufschluss über das irrationale Verhalten.

Hamsterkäufe – war da nicht was? Zu Beginn des ersten Lockdowns im März diesen Jahres entpuppte sich ein gewöhnlicher Gebrauchsartikel zum neuen Gold der Panik-Horter: Klopapier! Der unscheinbare Hygiene-Artikel wird praktisch über Nacht zum Verkaufsschlager, wodurch die Nachfrage schlagartig auf bis zu 800 Prozent steigt. Somit werden nicht etwa Schutzmasken zum ersten Symbol der Corona-Krise, sondern die Bilder von leergefegten Supermarktregalen – Toilettenpapier wird kurzfristig zur Mangelware.

Über ein halbes Jahr später nimmt die Ausbreitung des Coronavirus wieder an Fahrt auf. Das macht sich jetzt scheinbar auch in der Regalen bei Aldi, Kaufland und Co. bemerkbar. Daher appelliert der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels sich nicht zum Hamstern hinreißen zu lassen. Zudem hat eine Studie die Schuldigen für das Klopapier-Horten ermittelt – das berichtet HEIDELBERG24*.

Aldi und Kaufland: Warum hamstern Kunden Klopapier?

Psychologisch mag es vielleicht nachvollziehbar sein: Umso mehr Bilder von leeren Supermarkt- oder Discounter-Regalen in den sozialen Medien kursieren, desto ohnmächtiger fühlen sich die Kunden. Die Folge: Viele werden beim Einkaufen selbst maßlos und schlagen über die Strenge. Lieferengpässe sind somit eine selbst erfüllende Prophezeiung. Daher kommen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes wenig überraschend: Der Absatz von Toilettenpapier liegt Mitte Oktober fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Vorkrisen-Monate.

Kaum steigen die Corona-Fälle in Mannheim rasant an, wird auch schon wieder Klopapier gehamstert (15. Oktober).

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur macht der Psychologe Stephan Grünewald einen süffisanten Vergleich: „Mit den Hamsterkäufen rüsten wir auf gegen unsere Ohnmacht: die Amerikaner mit Waffen, wir mit Reinigungsmitteln und Toilettenpapier.“ Im Fall einer Corona-Quarantäne gibt es von Experten übrigens eine eindeutige Empfehlung, welche Lebensmittel und Haushaltswaren man vorrätig haben sollte.*

Aldi und Kaufland: Warum Klopapier-Hamstern ein Problem darstellt

Für Aldi, Kaufland und Co. ist das Klopapier-Hamstern aber ein Problem. „Wenn jeder sagt, ich kaufe nur eine Toilettenpapierpackung mehr als sonst, ist das auf den ersten Blick nicht viel. Aber es macht sich doch in den Regalen deutlich bemerkbar“, erklärt Christian Böttcher vom Handelsverband Lebensmittel (BVLH) gegenüber der dpa.

In einigen Regionen sei zwar eine erhöhte Nachfrage nach Toilettenpapier, Hygieneprodukten und Nudeln zu beobachten; jedoch fallen die Hamsterkäufe geringer aus als im Frühjahr – das berichten die Kollegen von wa.de*

Das bestätigt auch eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den großen Handelsketten. Demnach sind bei der Supermarkt-Kette Edeka derzeit keine flächendeckende Veränderung des Einkaufsverhaltens der Kunden beobachtet worden.

Bei Lidl heißt es hingegen: „In einigen Regionen und Filialen verzeichnen wir temporär eine erhöhte Nachfrage nach einzelnen Artikeln aus dem Trockensortiment und Hygienebereich.“ Nicht viel anders äußert sich der Großflächen-Discounter Kaufland*. Demgegenüber berichtet Aldi* lediglich von einem Anstieg der Nachfrage nach vereinzelten Produkten.

Klopapier ist wieder Verkaufsschlager: Studie enthüllt, wer die Toilettenpapier-Horter sind

Eine Studie unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts hat im Sommer ergeben, dass sich vor allem jene Menschen mit übermäßig viel Toilettenpapier eindecken, die sich:

  • Durch Covid-19 überdurchschnittlich bedroht fühlen.
  • Deren Persönlichkeit durch ein besonders hohes Maß an Emotionalität geprägt ist.

Vor allem ältere Menschen horten demnach in der Regel mehr Klopapier als jüngere. Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels appelliert schließlich am Donnerstag (22. Oktober) an die Kunden, trotz aller Ängste nur das zu kaufen, was auch wirklich benötigt wird.

Dann ist auch genug für alle da.“ Er räumte allerdings auch ein: „Das hört sich einfach an, ist aber psychologisch manchmal schwer zu befolgen. Doch wenn alle mitmachen, wird das was.“ (dpa/esk) *HEIDELBERG24 und wa.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © MANNHEIM24/Eliran Kendi

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