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Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Kommt die Impfpflicht für Schüler?

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Von: Klaudia Kendi-Prill

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlung bezüglich Corona-Impfungen für Kinder und Jugendlichen geändert. Was Eltern wissen müssen:

Berlin - Bisher empfahl die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung gegen das Coronavirus für Kinder und Jugendliche nur bei einem Risiko für schwere Verläufe. Trotz Drucks vonseiten der Politik bliebt die Stiko bei ihrer skeptischen Haltung. Es gebe noch zu wenig Daten zu möglichen Folgeschäden, so Stiko-Chef Thomas Mertens Anfang August gegenüber dem NDR. Ohne die notwendige Datensicherheit könne man noch keine Impfempfehlung abgeben, die Auswertung laufe jedoch. Am Montag, 16. August, teilt die Ständige Impfkommission mit, dass nach sorgfältiger Bewertung neuer wissenschaftlicher Beobachtungen und Daten komme man zu der Einschätzung, „dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen“.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Stiko ändert Empfehlung für Menschen ab 12 Jahren

Der offizielle Empfehlungstext liegt noch nicht vor, in einem Abstimmungsverfahren mit Ländern und Fachkreisen seien noch Änderungen möglich. Die Risiken der Impfung in der Altersgruppe ab 12 könnten mittlerweile zuverlässiger beurteilt werden. So seien nahezu 10 Millionen Kinder und Jugendliche in den USA geimpft worden.

Auch ohne Stiko-Empfehlung konnten Kinder und Jugendliche im Deutschland gegen das Coronavirus geimpft werden – bei individuellem Wunsch, einer Risikoakzeptanz und einer ärztlichen Aufklärung.

Anfang August hatten die Gesundheitsminister von Ländern und Bund entschieden, Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren ein breites Impfangebot zu unterbreiten* – unabhängig von Vorerkrankungen. Laut RKI sind in Deutschland 24,3 Prozent der 12 bis 17-Jährigen mindestens einmal gegen Covid geimpft. 1,5 Prozent von ihnen vollständig.

Für diese Altersgruppe sind in der EU mit den Vakzine von BioNTech und Moderna zwei mRNA-Impfstoffe zugelassen. Welche Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung für Kinder und Jugendlichen auftreten können, fasst HEIDELBERG24* zusammen:

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Welche Nebenwirkungen können auftreten?

In einer Studie von BioNTech, an der etwa 2.000 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren teilgenommen haben, lag die Wirksamkeit einer Corona-Impfung bei 100 Prozent. Die Impfung wurde generell gut vertragen, an der Einstichstelle gab es Reaktionen und grippeähnliche Symptome, die nach wenigen Tagen wieder verschwunden sind. Besonders nach der zweiten Corona-Impfung kann es zu einer stärkeren Immunreaktion kommen*. Experten sehen darin jedoch ein gutes Zeichen. Das waren die häufigsten Nebenwirkungen nach einer Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen:

In sehr seltenen Fällen sind Schwellungen der Lymphknoten und allergische Reaktionen möglich. Sie treten jedoch bei weniger als einer von 100.000 Impfungen auf und bleiben meist ohne Folgen. Schwere Nebenwirkungen wie Gesichtslähmungen, neurologische Symptome und Thrombosen sind in der Zulassungsstudie nicht aufgetreten.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Seltene Fälle von Herzmuskelentzündungen

In den USA und in Israel sind einzelne Fälle einer Herzmuskelentzündung aufgetreten. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC spricht von einer Häufigkeit von 1:18.000 bei den 12 bis 17-Jährigen. Das höchste Risiko an einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung zu erkranken, haben männliche Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Entzündungen des Herzmuskels sind in der Regel gut behandelbar und klingen schnell ab. In den meisten Fällen bleiben keine Langzeitschäden. Das Risiko durch eine akute Covid-19-Erkrankung an einer Herzmuskelentzündung zu leiden, ist zehn Mal so hoch.

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche: Kommt die Impfpflicht für Schüler?

Gesundheitsminister Jens Spahn bezeichnet die Stiko-Empfehlung „als gute Nachricht“. „Eltern und Jugendliche haben damit eine klare Empfehlung, sich für die Impfung zu entscheiden“, so der CDU-Politiker am Montag. Falls gewünscht, könnten eine Impfung noch in dieser Woche stattfinden. Die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche soll laut Stiko wie bisher nur nach einer ärztlichen Aufklärung zum Nutzen und Risiko durchgeführt werden. Das unabhängige Gremium spricht sich ausdrücklich dagegen aus, „dass bei Kindern und Jugendlichen eine Impfung zur Voraussetzung sozialer Teilhabe gemacht wird“.

Regierungssprecher Steffen Seibert versichert noch am Montag, dass es für Schülerinnen und Schüler keine Impfpflicht geben wird. „Es bleibt dabei, was wir gesagt haben, dass es keinen Impfzwang gibt oder das Impfen nicht Bedingung für den Schulbesuch ist“, so der Sprecher.

Corona-Impfung für Kinder: SPD fordert Impfungen an Schulen

Die SPD fordert bereits kurz nach der Bekanntgabe der Stiko großflächige Schulimpfungen durch mobile Impfteams. „Der Impfstoff muss dorthin, wo sich Kinder und Jugendliche tummeln: an die Schulen“, so SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Die baden-württembergische Landesregierung müsse dafür sorgen, dass allen Schülerinnen und Schüler im Land umgehend eine Covid-19-Impfung angeboten werde. *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. (kp)

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