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Corona-Impfung: 3 Querdenker-Behauptungen auf dem Prüfstand – das sagen Experten

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Von: Klaudia Kendi-Prill

Die Corona-Impfung hat in den vergangenen Monaten für viel Verunsicherung gesorgt. Drei Behauptungen von Impfskeptikern und was Experten dazu sagen:

In Deutschland haben insgesamt 52.010.167 Personen, also 62,5 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impf­dosis erhalten. (Stand 9. August). Währenddessen steigt der Druck auf die Zögernden und die Impf-Verweigerer. Kurz vor der Ministerpräsidentenkonferenz am 10. August* warnt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor einer „Pandemie der Ungeimpften“. Der bayerische Ministerpräsident betont, mit finanziellen Negativanreizen den Druck auf Ungeimpfte erhöhen zu wollen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann spricht sich dafür aus, Corona-Tests künftig nicht mehr pauschal kostenlos anzubieten: „Auf Dauer wird die öffentliche Hand die Tests nicht finanzieren können. Das ist auch eine Frage von fairer Lastenverteilung, denn es gibt ja ein kostenfreies Impfangebot für alle“, so der Landesvater. Diese Kosten kommen demnach auf Umgeimpfte für Tests zu*.

Rund 18 Millionen Erwachsene in Deutschland sind noch nicht geimpft. Viele davon, weil sie nicht wollen. Impf-Verweigerer haben im Gegensatz zum Rest der Ungeimpften „eher Sicherheitsbedenken und halten die Impfung für überflüssig, da Covid-19 in ihrer Wahrnehmung keine Bedrohung darstellt. Wer kein Verweigerer ist, fühlt sich eher von praktischen Barrieren vom Impfen abgehalten“, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Erfurt. Welche Gründe Impfskeptiker angeben und was dahintersteckt, fasst HEIDELBERG24* zusammen:

1. Impfstoff-Shedding durch Körperkontakt

Unter Impfskeptikern kursiert die Angst, dass Geimpfte das Spike-Protein des Coronavirus ausstoßen und zum Beispiel über Körperkontakt oder Husten an Personen weitergeben, die nicht geimpft sind. Bei den Betroffenen würde dies zahlreiche Symptome verursachen. Impfskeptiker berichten in Gruppen des Messengerdienstes Telegram von Übelkeit und Kopfschmerzen. Dieses Phänomen nennen sie „Impfstoff-Shedding“, abgeleitet vom englischen Wort für „abwerfen“.

Eine Sprecherin von Pfizer erklärt gegenüber Correctiv, dass es sich bei dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer um einen synthetischen mRNA-Impfstoff handele, der keine Viruspartikel enthält. Ein mRNA-Impfstoff transportiert lediglich eine genetische Information des Coronavirus. Diese bringt die menschlichen Zellen dazu, ein bestimmtes Protein des Virus zu produzieren. Gegen dieses Protein entwickelt der Körper daraufhin Abwehrstoffe.

„Da im Körper kein Virus produziert wird, findet auch keine Ausscheidung statt. Der Impfstoff kann nicht durch Ausscheidung eingeatmet werden und kann nur durch eine verabreichte Dosis (intramuskuläre Injektion) in den menschlichen Körper gelangen“, so die Pfizer-Sprecherin.

Ansteckende Corona-Impfung: Hier hat das Mythos seinen Ursprung

„Dieses Gerücht, wie so viele andere Gerüchte zu den COVID-19-Impfstoffen, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage“, äußert sich auch das Paul-Ehrlich-Institut gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Der Verschwörungsmythos „Impf-Shedding“ hat seinen Ursprung wahrscheinlich in der Polio-Schluckimpfung. In der Vergangenheit kam es in seltenen Fällen dazu, dass sich die Lebendviren noch im Verdauungstrakt der Babys vermehren konnten und sich so die Großeltern, die das Kleinkind gewickelt haben, mit Polio anstecken konnten. Die Sabin Polio-Schluckimpfung wurde in den 1950er-Jahren entwickelt und wird mittlerweile in Deutschland nicht mehr empfohlen.

2. Giftiges Aluminium in Corona-Impfung

In einigen Impfstoffen sind Aluminiumverbindungen als Wirkverstärker enthalten. Dieser ist nach Angaben des PEI nötig, weil solche Impfstoffe nur abgetötete Erreger oder Teile davon enthalten, die das Immunsystem ohne Wirkverstärker nicht ausreichend stimulieren. Inaktivierte Impfstoffe wie die Impfung gegen Keuchhusten, Meningokokken oder Tetanus und Diphterie-Impstoffe enthalten Aluminiumverbindungen. Die mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 von BioNTech/Pfizer, Moderna kommen jedoch ohne Wirkverstärker aus. Auch im Impfstoff von AstraZeneca sind diese sogenannten Adjuvantien nicht enthalten.

Inaktivierte Impfstoffe enthalten 0,125 bis 0,82 Milligramm (als Vergleich: Ein Sandkorn wiegt 0,2 Milligramm) Aluminium pro Dosis. Täglich nehmen wir in der Nahrung etwa 8 Milligramm Aluminium und Aluminiumsalze zu uns. Der größte Teil davon wird schnell wieder ausgeschieden.

Der Gehalt unter an Aluminiumverbindungen aller in Europa zugelassenen Impfstoffe liegt deutlich unter dem vom Europäischen Arzneibuch vorgegebenen Grenzwert. Impfstoffe enthalten Laut PEI auch keine Quecksilberverbindungen.

3. Die Corona-Impfung macht unfruchtbar

Nicht neu, aber immer noch sehr beliebt: Impfungen sterilisiere Frauen. 2004 verbreiteten muslimische Geistliche in Nigeria das Gerücht, die Polio-Impfung mache Frauen unfruchtbar, 2014 behauptete das die katholische Kirche in Kenia. Dieses Gerücht tauchte schon bei der Zulassung der Impfstoffe auf und wird noch heute über Social Media weiterverbreitet. Doch woher kommt dieses Gerücht? Bei der Corona-Impfung lernt das Immunsystem, wie die Oberflächenproteine von SARS-CoV-2 aussehen und bildet dagegen Antikörper. Diese Antikörper können dann das echte Coronavirus bekämpfen. Aber können sich diese Antikörper auch gegen körpereigene Proteine richten?

Der Einwand von Impfskeptikern: Das Protein Syncytin-1 ist während einer Schwangerschaft an der Bildung der Plazenta beteiligt und dem Spike-Protein von SARS-CoV-2 ähnlich. Die Befürchtung: Der Körper kann nach der Impfung nicht mehr zwischen dem körperfremden und körpereigenen Protein unterscheiden und schaltet ebenfalls das Syncytin-1 aus. Ohne Syncytin-1 kein Mutterkuchen, ohne Mutterkuchen kein Baby. Tatsächlich gibt es Übereinstimmungen in den Sequenzen von Syncytin-1 und dem Corona-Spikeprotein.

Eine gleiche Abfolge von höchstens vier Aminosäuren steckt in beiden Proteinen. Diese scheinbare Ähnlichkeit reicht aber nicht für eine Verwechslung, erklärt Genetiker Prof. Dr. Lennart Randau, Genetiker gegenüber dem SWR. Erst ab acht bis zehn gleichen aufeinanderfolgenden Aminosäuren steigt die Wahrscheinlichkeit für Kreuzreaktionen. Das Spike-Protein besteht aus einer Kette von 1.200 Aminosäuren. Das ist in etwa so, als würde man zwei Buchseiten übereinander legen. Auch hier finden sich gleiche Buchstabenkombinationen.

In der Wahrnehmung von Impfskeptikern stellt das Coronavirus keine Bedrohung dar.
In der Wahrnehmung von Impfskeptikern stellt das Coronavirus keine Bedrohung dar. © Christoph Schmidt

Auch bei gewöhnlichen Erkältungsviren gibt es Überschneidungen in den Sequenzen. Wenn man der Logik der Impfskeptiker folgt, müssten alle Frauen, die sich einmal erkältet haben, um ihre Fruchtbarkeit fürchten. Demnach müssten Frauen, die an Covid-19 erkrankt sind, ebenfalls unfruchtbar werden. Denn auch in diesem Fall bildet das Immunsystem Antikörper gegen das Spike-Protein. „Jede Impfung löst eine Immunreaktion aus, da sich das Immunsystem mit dem Virus beziehungsweise den Viruspartikeln auseinandersetzt. Die Corona-Impfung macht genauso wenig unfruchtbar wie ein Schnupfen oder Durchfall,“ so Bettina Toth, Direktorin der Innsbrucker Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin gegenüber „Der Standard“.

Corona-Infektion könnte sich negativ aus die männliche Fruchtbarkeit auswirken

Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass sich eine Corona-Infektion negativ auf die männliche Fruchtbarkeit auswirken könnte*. Zu dieser Erkenntnis kommt unter anderem das Team um Ranjith Ramasamy, einem Urologieprofessor an der Universität Miami, wie die fr.de* berichtet. Sein Team hat bei einer Studie zu den Corona-Impfstoffen von BioNTech und Moderna ebenfalls festgestellt, dass die Impfung gegen Cav-2 sicher sei, wenn es um die männliche Fruchtbarkeit geht.

Gerade wegen der Gefahr durch eine Corona-Infektion und ihre Wirkung auf das männliche Fortpflanzungssystem empfiehlt Ramasamy die Corona-Impfung. *HEIDELBERG24 und *fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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