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Corona-Impfstoff für Schwangere: Neue Stiko-Empfehlung – Diese Frauen dürfen sich impfen

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Von: Robin Eichelsheimer

Die Ständige Impfkommission hat ihre Empfehlung für Schwangere erweitert – bestimmte Frauen können sich künftig impfen lassen. Eine allgemeine Impfempfehlung ist das jedoch nicht. Alle Infos:

Zwar heißt es in der jüngsten Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) mit Verweis auf die begrenzte Datenlage unverändert, dass eine generelle Impfung von Schwangeren derzeit nicht empfohlen ist. Vorerkrankte Schwangere, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 hätten, könne die Impfung „nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung“ nach wie vor angeboten werden.

Neu hinzugekommen ist in der 5. aktualisierten Fassung jedoch der Satz, dass auch Schwangere „mit einem erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände“ ein Impfangebot erhalten könnten - also wenn sie ein erhöhtes Risiko haben, dem Coronavirus ausgesetzt zu sein. Dabei geht es um den Einsatz von mRNA-Impfstoffen ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, wie HEIDELBERG24* berichtet.

Mehrere Fachverbände hatten zuletzt Druck gemacht, Schwangere und Stillende priorisiert gegen Covid-19 zu impfen. Eine Covid-19-Erkrankung in der Schwangerschaft könne eine „ernsthafte Gefahr für Mutter und Kind“ darstellen, hieß es in dem Papier. In mehreren anderen Ländern wie den USA und Israel werden Schwangere bereits geimpft.

Corona-Impfung bei Schwangeren: Stiko erweitert Empfehlung

„Es ist ein Signal an die Politik, aber auch an die betreuenden Frauenärzte, dass man Schwangeren eine Impfung nach individueller Prüfung großzügig empfehlen kann,“ so Marianne Röbl-Mathieu, Vertreterin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in der Stiko, kurz nach Erweiterung der Empfehlung gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Schwangere könnten ein entsprechendes Schreiben beim Hausarzt oder im Impfzentrum vorzeigen, wenn der Frauenarzt die Impfung nicht selbst vornimmt.

Zwar wurden Schwangere mit der Anpassung auch weiterhin nicht ausdrücklich in eine der Priorisierungsgruppen aufgenommen, dennoch sieht Röbl-Matthieu Interpretationsspielraum: „Im Prinzip fallen Schwangere in dieselbe Kategorie wie ihre Kontaktpersonen, würde ich sagen.“

Konitaktpersonen von Schwangeren sind aktuell in der Priogruppe 2 aufgeführt. Mit einer generellen Impfempfehlung für Schwangere geht die Stiko weiterhin zurückhaltend vor. „Wo die Evidenz fehlt, wo es keine Kontrollgruppen gibt oder vergleichsweise geringe Datenmengen, kann die STIKO nichts empfehlen.“ Was nicht bedeutet, dass die Stiko für Schwangere ein erhöhtes Risiko berfürchtet – viel mehr fehlen schlicht und ergreifend die Daten, um dies hinreichend beurteilen zu können.

Schwangeren werden von Frauenärzten unverändert in Einzelfällen geimpft

Die Hürden für Corona-Impfungen für Schwangere bleiben nach Einschätzung eines Frauenärzte-Verbandes auch nach einer
Anpassung der Corona-Impfempfehlung der Stiko hoch. „Da die Haftung im Falle eines Zwischenfalls immer noch ungeklärt ist, werden Schwangere nur in Einzelfällen geimpft“, so der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch der noch immer knappe Impfstoff spiele eine Rolle: „Selbst wenn die Stiko die Impfung für alle Schwangeren empfehlen würde, würde das zurzeit nichts an der Situation ändern.“

Albring betonte, es könne „nicht Aufgabe der niedergelassenen Ärzte sein, bei all ihren Schwangeren, die fast alle sehr gern und dringend geimpft werden möchten, jetzt dieses Risiko zu beurteilen“. Von der Stiko gebe es keine Vorgaben, „was unter einem solchen erhöhten Expositionsrisiko zu verstehen ist“.

Albring, der als niedergelassener Arzt in Hannover tätig ist, sprach sich unterdessen für eine generelle Empfehlung der Stiko oder der einzelnen Bundesländer aus – „so wie es inzwischen in Sachsen geschehen ist, wäre großartig.“Zum aktuellen Vorgehen erklärte er: „Da es keine allgemein gültigen Vorgaben gibt, müssen Frauenärztinnen und Frauenärzte individuell verfahren.“ Die Notwendigkeit der Impfung werde mit Patientinnen besprochen, die zum Beispiel unter Diabetes, Bluthochdruck oder massivem Übergewicht leiden, dann werde gemeinsam entschieden. (dpa/rob)*HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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