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Coronavirus: Selbstgebaute Lüftungsanlage für Schulen – erste Stadt setzt voll darauf

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In Schulen soll regelmäßig gelüftet werden, um eine Ansteckung mit Corona zu verhindern. Eine erste Stadt setzt jetzt voll auf kostengünstige Do-it-yourself-Lüftungsanlagen:

Update vom 4. März: Die Corona-Maßnahmen sollen schrittweise gelockert werden. Auch Schulen sollen sukzessive wieder geöffnet werden. Viele Eltern suchen nach einer Ergänzung zum regelmäßigen Stoßlüften von Klassenzimmern. Dabei stoßen viele Schulen immer wieder auf die von Frank Helleis und Thomas Klimach konzipierte selbstgebaute Abluftanlage für Klassenzimmer. Ein bekannter deutscher Baumarkt hatte die „Mainzer Leichtbauvariante“ am Otto-Hahn-Gymnasium in Landau zu Testzwecken nachgebaut. Hier gibt es einen Aufbauanleitung zu dem Projekt.

Mittlerweile ist die Stadt Landau so überzeugt von Funktionalität der kostengünstigen Abluftanlagen, dass sie rund 500 Klassenzimmer und Arbeitsräume der Landauer Schulen mit der vom Mainzer MPI entwickelten Abluftanlage ausstatten will. Bei der Stadt rechnet man mit Materialkosten von rund 300 Euro pro Klassenzimmer. Über Spenden konnten bereits mehr als 100.000 Euro für das Projekt eingesammelt werden.

Coronavirus: Selbstgebaute Lüftungsanlage – darum ist sie eine gute Alternative

Erstmeldung vom 12. November 2020: Alle 20 Minuten wird in Klassenzimmern stoßgelüftet. Die Fenster werden aufgerissen, frische Luft gelangt in die Räume und Aerosole werden entfernt*. In Zeiten der Corona-Krise ist diese Maßnahme unabdingbar. Doch für Schüler und Lehrer stellt sie gerade an kalten Tagen eine echte Herausforderung dar. Nicht nur, dass es sofort kühler wird, die Beteiligten könnten sich so auch schneller erkälten.

Definition Areosoleheterogenes Gemisch aus festen oder flüssigen Schwebeteilchen in einem Gas
Größewenige Nanometer
VorkommenRaumluft, Zigarettenrauch, Spraydose, Ruß, Autoauspuff, Erdatmosphäre

Eine Alternative gibt es bislang nur in teuren Lüftungsanlage für rund 1.000 Euro. Nun hatte der Mann einer Lehrerin aus Mainz aber eine Idee: Eine selbstgebaute, kostengünstige Lüftungsanlage, die die Aerosole aus der Luft filtert. Frank Helleis und sein Partner Thomas Klimach arbeiten am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und beschäftigen sich dort Tag täglich mit den kleinen Schwebeteilchen. „Über unser rein wissenschaftliches Interesse hinaus sahen wir aber auch konkreten Handlungsbedarf, nicht nur, weil auch wir teilweise Kinder im Schulalter haben, sondern auch weil wir als öffentlich finanzierte Einrichtung ein großes Interesse am Gemeinwohl haben“, heißt es in einer Dokumentation der Wissenschaftler. So entsteht der Plan einer eigenen Lüftungsanlage zum kleinen Preis.

Mainz: Kostengünstige Lüftungsanlage für Schulen – so funktioniert sie

Frank Helleis und Thomas Klimach entwickeln die Lüftungsanlage, die jeder nachbauen kann. Notwendig hierfür sind 19 Materialien und mehrere Werkzeuge zum Aufbauen und Montieren. Aber: Mittels einer Schritt-für-Schritt-Anleitung können sowohl engagierte Eltern und Lehrer sowie Schüler die Lüftungsanlage aufbauen. Laut den Wissenschaftlern ist das Gerät in vier Stunden aufgebaut, wenn vier bis sechs Menschen daran arbeiten.

Die Anlage besteht aus mehreren Luftabzugshauben, die über Rohre miteinander verbunden sind. Alle führen schließlich zu einem großen Rohr, das sich bei einem Ventilator befindet. Die Luft wird durch ein gekipptes Fenster oder einem Türspalt aus den Klassenräumen entfernt. „Eine besondere Eigenschaft der Anlage ist, dass sie die um den warmen menschlichen Körper aufsteigende Strömung (Konvektion) ausnutzt und so die natürlicherweise ausgeatmete Luft innerhalb von etwa zehn Sekunden in das Absaugrohr transportiert, also bevor sie sich turbulent im gesamten Raum verteilt“, erklären die Forscher.

Selbstgebaute Lüftungsanlage – Kostenpunkt liegt bei 200 Euro

Und wie funktioniert die Lüftungsanlage im Kampf gegen das Coronavirus? Ziemlich simpel! Die Luftabzugshauben werden an den einzelnen Tischen im Klassenzimmer befestigt, die Rohre montiert und der Ventilator eingeschaltet. Der Geräuschpegel schätzen Helleis und Klimach auf etwa 30 Dezibel. Erste Rückmeldung eines Pilotprojektes an einer Schule hätten bereits gezeigt, dass der Unterricht dadurch nicht gestört werde. Kostenpunkt für eine Lüftungsanlage pro Klassenzimmer liegt bei nur 200 Euro. Darüber berichtet HEIDELBERG24*

Kampf gegen Corona: Lüftungsanlage kann bis zu 90 Prozent der Aerosole reduzieren

Eine kostengünstige und einfach zu installierende Lüftungsanlage für Schulen klingt zwar schön, doch wie gut ist ihre Leistung? Laut den Herstellern könne die selbstgebaute Anlage bis zu 90 Prozent der Aerosole reduzieren. „Das System reduziert nur die Ansteckungsgefahr durch die Aerosole. Wenn Schüler die sich auch in der Pause oder privat treffen, an denselben Tischen sitzen, wird man keine Trennscheiben brauchen. Die Risikoreduktion durch Alltagsmasken kommt allerdings noch multiplikativ hinzu, d.h. beides zusammen ist entsprechend besser“, heißt es in der Dokumentation. Die Wissenschaftler machen außerdem in einer Haftungserklärung deutlich: „Es wird insbesondere keine Gewähr dafür übernommen, dass die hier beschriebene Abluftanlage die dargestellten Funktionen erfüllt und sich für die dargestellte bzw. beabsichtigte Verwendung eignet. Die Nutzung der Inhalte erfolgt auf eigene Gefahr des Nutzers.

Ein leeres Klassenzimmer
Mainzer Forscher haben eine Lüftungsanlage für Klassenzimmer entwickelt. (Symbolfoto) © Arne Dedert/picture-alliance/dpa

Dennoch bietet die Lüftungsanlage eine gute Alternative und Unterstützung in Corona-Zeiten. Sie ist außerdem massentauglich – nicht nur an Schulen. Nach Angaben von Helleis und Klimach haben sie bereits Anfragen von Unternehmen und Privatpersonen erhalten. Laut FAZ sind Lüftungsanlagen derzeit in einigen Räumen einer Mainzer Gesamtschule im Einsatz und weitere Pilotprojekte sollen folgen.

Weiterer Meilensteil in Corona-Zeiten – Impfstoff entwickelt

Einen Meilenstein im Kampf gegen das Coronavirus hat womöglich das Mainzer Unternehmen BioNTech erreicht. Die Forschungen eines Corona-Impfstoff sind weit vorangeschritten. Die EU sichert sich ihn bereits und will spätestens im Sommer mit den Impfungen beginnen. (jol) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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