Experten klären auf

Corona-Studie: Allergie-Kombi erhöht Infektionsrisiko – so kann man sich schützen

Forscher der Technischen Universität München finden heraus, dass Pollen einen direkten Einfluss auf Corona-Infektionen haben. Auch der Lockdown spielt dabei eine wichtige Rolle:

Wenn es in der Nase kribbelt und man ständig niesen muss, weiß man, dass der Pollenflug wieder unterwegs ist. Mit dem Frühjahr schwebt der Blütenstaub in der Luft und führt zu lästigen Nebenwirkungen. Menschen mit einer Pollenallergie leiden unter anderem an Schnupfen, brennenden Augen, Husten und Heiserkeit. Gerade in Zeiten der Corona-Krise könnten diese Menschen besonders beäugt werden, wenn ihnen mal ein Nieser entweicht. Doch wer gerade etwas kränklich wird, muss nicht gleich am Coronavirus erkrankt sein. Wie Forscher der Technischen Universität München (TUM) aber herausgefunden haben, spielt der Pollenflug dennoch eine entscheidende Rolle bei Corona-Infektionen.

PollenBlütenstaub aus den Staubblättern der Samenpflanzen
PollenzeitVor allem März bis August
ReaktionenTränende Augen, Niesen und Schnupfen

Bei Studie entdeckt: Pollenflug sorgt für mehr Corona-Infektionen

Pollen fliegen vor allem zwischen März und August in der Luft herum und können neben allergischen Reaktionen auch Infektionen auslösen. Die Wissenschaftler der TUM wollten deshalb herausfinden, ob der Blütenstaub auch Auswirkungen auf mögliche Corona-Erkrankungen hat. Dafür wurden Daten aus 130 Regionen in 31 Ländern auf fünf Kontinenten analysiert. Am Ende kommen die Forscher zu einem spannenden Ergebnis. Darüber berichtet HEIDELBERG24*.

Bei der Studie stellt sich heraus, dass der Pollenflug die Rate der Corona-Infektionen erhöhen kann. Neben demografischen Faktoren sowie Umweltbedingungen, wie Luftfeuchtigkeit, Bevölkerungsdichte und Temperaturen, spielt außerdem der Lockdown dabei eine wesentliche Rolle.

Wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöht, steigt an Orten ohne Lockdown die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent. In deutschen Städten steigt diese Rate sogar zeitweise auf 20 Prozent an, wenn sich bis zu 500 Pollen auf einem Kubikmeter ansammeln. Die Forscher der TUM erkennen bei ihrer Studie, dass der Lockdown eine wichtige Rolle bei der Corona-Infektion spielt. Bei gleichbleibender Pollenkonzentration halbierte sich die Zahl der Corona-Erkrankten, wenn Lockdown-Regeln gelten.

Mehr Corona-Infektionen wegen Pollenflug – „Kein extremer Befund“

Jörg Kleine-Tebbe, Allergologe und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) sagt in einer ersten Einschätzung auf dpa-Anfrage: „Die Korrelation zwischen Pollenflug und Infektionen ist offenbar vorhanden, aber gering ausgeprägt.“ Es dürfe nun nicht Panik verursacht werden. „Das ist kein extremer Befund.“

Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner sagt, das Pollenexposition im Frühjahr zu einer erhöhten Infektanfälligkeit gegenüber bestimmten Viren führen könne, sei in der Fachliteratur beschrieben und prinzipiell bekannt. „Neu ist, dass dieser Effekt nun auch für das neue Coronavirus, also Sars-CoV-2, wissenschaftlich belegt wurde.“

Pollenflug erhöht Corona-Infektionen – aus diesem Grund

In einer Ausgabe des Fachmagazins „Proceedings of the National Academy of Sciences“ erklärt das internationale Forscher-Team, wieso Pollen überhaupt zu häufigeren Corona–Infektionen führen. Der Pollenflug „schwächt die Immunität gegen bestimmte saisonale Atemwegsviren, indem sie die antivirale Interferonreaktion verringert“, heißt es in dem Bericht. Der Körper ist damit anfälliger für Infektionen und kann diese schlechter abwehren.

Die Autoren der Studie geben darüber hinaus an, dass die Pollem die eigentlich heilsame Entzündungsreaktion beeinflussen, die der Körper auslöse, um Viren zu bekämpfen. Wenn viele Pollen fliegen, kann die Zahl der Atemwegserkrankungen daher ansteigen - dies gilt auch für Covid-19. Dabei spiele es keine Rolle, ob Betroffene an Allergien gegen diesen Pollen leiden oder nicht.
„Betrachtet man die Verbreitung des Sars-CoV-2, müssen Umweltfaktoren wie Pollen mit in die Rechnung aufgenommen werden. Das Wissen um diese Auswirkungen eröffnet neue Wege für die Prävention und Abmilderung von Covid-19“, sagt Erstautor Athanasios Damialis.

Mehr Corona-Infektionen wegen Pollenflug – so kann man sich schützen

Man dürfe sich aufgrund eines vermeintlich schützenden Effektes der UV-Strahlen im Frühjahr nicht zu sehr in Sicherheit wiegen und das Masken- und Abstandsgebot vergessen, sagt der Chefarzt für Infektiologie an der München Klinik Schwabing. „Vielmehr sollte im Frühjahr, wenn besonders viele Pollen die Luft belasten können, ganz besonders auf das Tragen einer Partikelfiltermaske geachtet werden: die Maske filtert nicht nur zuverlässig die Pollen aus der Luft, sondern auch die Sars-CoV-2 Viren.“

Auch die Experten der TUM raten deshalb dazu, in der Pollenzeit FFP2-Masken zu tragen. Auch sollte auf die Pollenvorhersage geachtet werden. „Staubfiltermasken zu tragen, wenn die Pollenkonzentration hoch ist, kann das Virus und den Pollen gleichermaßen von den Atemwegen fernhalten“, so TUM-Umweltmedizinerin und Mitautorin Claudia Traidl-Hoffmann.

Das Wetter in Baden-Württemberg wird in den nächsten Wochen noch einmal ziemlich frostig und verregnet. Ob auch noch einmal Saharastaub in das Land zieht, ist noch unklar. Wie Forscher herausgefunden haben, ist der Saharastaub radioaktiv, aber nicht gefährlich für Menschen. *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von Ippen-Media.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Arno Burgi/ZB/dpa

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