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Curevac-Schock: Zulassung vom Tisch? Impfstoff schützt weniger als erhofft

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Von: Robin Eichelsheimer

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Tübingen – Der Impfstoffkandidat von Curevac galt lange als Hoffnungsträger. Umso größer ist nun die Enttäuschung nach der Bekanntgabe zur Wirksamkeit des potenziellen Vakzins.

Erneuter Rückschlag für den Impfstoff von Curevac! Der Vakzin-Kandidat der Tübinger Biopharmafirma galt lange als Hoffnungsträger, sollte als vierter für die EU zugelassener Impfstoff der Impfkampagne in Deutschland ordentlich „Boost“ verleihen. Einen ersten Dämpfer gab es vergangene Woche, als bekannt wurde, dass sich die Zulassung nun doch massiv verzögert*, obwohl vorab sogar mit selbiger teilweise bereits für Ende Juni gerechnet wurde. In unmittelbarem Anschluss verkündete Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass das Vakzin nicht mal mehr für die laufende Impfkampagne eingeplant* wird.

Und als ob das nicht schon Enttäuschung genug wäre, hat das Unternehmen aus Baden-Württemberg* nun einen weiteren empfindlichen Dämpfer publik gemacht, wie HEIDELBERG24.de* berichtet. Denn nach Auswertung neuester Daten ist der Impfstoff-Kandidat wohl weitaus weniger wirksam als zunächst erwartet.

NameCureVac
Gründung2000
SitzTübingen
LeitungFranz-Werner Haas

Curevac: Corona-Impfstoff weniger wirksam als erhofft

Im Rennen um die Markteinführung eines weiteren hochwirksamen Corona-Impfstoffs hat die Tübinger Biopharmafirma Curevac am Mittwochabend (16. Juni) in einer Pflichtbörsenmitteilung einräumen müssen, dass der Impfstoffkanidat CVnCoV in einer Zwischenanalyse nur eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Corona-Erkrankung „jeglichen Schweregrades“ erzielt habe.

Das bittere Fazit: Damit habe das Vakzin die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien nicht erfüllt!

Die Firma teilte mit, dass die Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten von der untersuchten Altersgruppe und den Virusstämmen abhänge. In die Analyse sei die Wirksamkeit gegen mindestens 13 Covid-Varianten eingegangen.

Bereits seit Dezember 2020 befindet sich der Impfstoffkandidat in der finalen und somit zulassungsrelevanten Studienphase (2b/3). Während Konkurrenten wie Moderna, Biontech und Johnson & Johnson ihre Wirkstoffe längst auf den Markt gebracht haben, sammelt man in Tübingen weiterhin Daten. Ob Curevac nun überhaupt absehbar - und wenn, wann - liefern kann, bleibt vorerst unklar.

Curevac: Zulassung vom Tisch? Regierung plant nicht mehr mit Impfstoff

Lange hatte die deutsche Bundesregierung den Impfstoff von Curevac für die zweite Jahreshälfte eingeplant, doch das änderte sich spätestens mit der Veröffentlichung der jüngsten Liste der Impfstoff-Lieferplanungen, denn dort fehlte das Tübinger Unternehmen bereits komplett.

„Business Insider“ hatte erst vor kurzem berichtet, dass es noch Ende Mai in internen Lieferprognosen der Bundesregierung gehießen habe, dass von Curevac bis Jahresende eine zweistellige Millionenmenge an Impfstoffdosen erwartet werde.

Impfstoffkandidat aus Tübingen: Curevac-Aktie stürzt dramatisch ab

Angesichts der massiven Verzögerung hatte die Firma zuletzt nicht nur ihre Aktionäre immer wieder vertröstet. Bis Anfang Juni hatte es geheißen, das Unternehmen erwarte - abhängig von den klinischen Studiendaten - die Zulassung seines Impfstoffkandidaten in der EU zumindest noch im zweiten Quartal. Doch kurz darauf wurde bekannt, dass sich das Verfahren weiter verzögern werde. Zuletzt war darüber spekuliert worden, der Curevac-Impfstoff könne möglicherweise im August in der EU zugelassen werden. Auch diese Aussichten könnten sich nach Bekanntwerden der neuen Daten erledigt haben – mit dramatischen Folgen für die Curevac-Aktie!

Der Curevac-Börsenkurs sackte im nachbörslichen US-Handel am Mittwoch um mehr als die Hälfte ab. Zur Frage, wie es mit dem bisherigen Impfstoffkandidaten nun weitergehen soll, äußerte sich Curevac in der Mitteilung nicht im Detail. Allerdings lud das Unternehmen „interessierte Parteien“ für Donnerstag (17. Juni, 14 Uhr) zu einer Telefonkonferenz ein.

Curevac-Vorstandschef Franz-Werner Haas gestand, dass man auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft habe. Die laufende Studie wolle man aber dennoch bis zur finalen Analyse fortsetzen. „Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern“, so Haas weiter.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb auf Twitter: „Schade, das Team aus Tübingen hätte Erfolg verdient gehabt.“ Der Epidemiologe forderte aus den von Curevac bekanntgegebenen Daten, dass verschiedene Varianten betroffen waren. Nach Lauterbachs Ansicht dürfte „die Wirkung gegen die Delta-Variante alleine noch niedriger sein.“ (dpa/rob) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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