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Experten schlagen Alarm – Discounter-Hähnchen sind wegen Corona besonders gefährlich

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Von: Ann-Kathrin Metzger

In einem aktuellen Test zeigt Germanwatch, dass etliche Hähnchen-Produkte vom Discounter mit Keimen verseucht sind. Das gefährliche an diesen Erregern: Sie sind resistent gegen Antibiotika.

Ein Stichprobentest der Umwelt- und Verbraucherorganisation Germanwatch und des Vereins Ärzte gegen Massentierhaltung hat zu alarmierenden Ergebnissen geführt: Jedes zweite Hähnchen (51 Prozent) von Discountern wie Aldi, Lidl und Co. ist mit Resistenzen gegen ein oder mehrere Antibiotika belastet wie HEIDELBERG24* berichtet. Es handelt sich dabei um Keime, gegen die Antibiotika nicht mehr helfen.

Einer der wichtigsten Gründe für die Zunahme der resistenten Erreger sei laut Germanwatch die Verabreichung von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung. Auch die Ansteckung in Krankenhäusern und nicht fachgerechter Anwendung von Medikamenten sei maßgeblich für die Zunahme solcher Resistenzen. Demnach sterben europaweit jährlich 33.000 Menschen, weil Antibiotika nicht anschlagen.

Discounter-Hähnchen: Wirksame Antibiotika in Corona-Pandemie besonders wichtig

Der aktuelle Befund ist besonders während der Corona-Pandemie besorgniserregend. Reinhild Benning, Agrarexpertin bei Germanwatch, weißt darauf hin, dass Antibiotikaresistenzen in Hähnchen ein enormes Gesundheitsrisiko für Menschen darstellen: „Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie benötigen Covid-Patientinnen und -Patienten oft wegen bakterieller Begleiterkrankungen wirksame Antibiotika. Kontaminiertes Geflügelfleisch aus industrieller Massentierhaltung kann dazu beitragen, dass sogar die letzten wirksamen Antibiotika immer häufiger versagen.“

Discounter-Hähnchen aus Deutschland am stärksten belastet

Germanwatch hat insgesamt 165 Hähnchenfleisch-Proben der drei größten Geflügelkonzerne der EU untersuchen lassen: Sie stammten vom deutschen PHW-Konzern, dem unter anderem die Marke „Wiesenhof“ gehört, sowie von LDC in Frankreich und Plukon in den Niederlanden. Die Proben wurden in Filialen von Lidl und Aldi in Polen, Deutschland, Frankreich und Spanien oder direkt bei den relevanten Schlachthöfen in Deutschland und den Niederlanden gekauft.

Am stärksten belastet ist laut der Studie Hähnchenfleisch der PHW-Gruppe mit 59 Prozent. Fleisch des Geflügelkonzerns PHW wird bei Aldi Nord und Lidl unter dem Markennamen „Wiesenhof“ verkauft. An zweiter Stelle folgt die französische LDC-Gruppe (57 Prozent), an dritter die niederländische Plukon Food Group (36 Prozent). 

Masthähnchen sind in einem Stall zu sehen.
Jedes zweite Hähnchen vom Discountern ist mit Resistenzen belastet. © Jens Büttner/dpa

Wichtig für Verbraucher: Herkunft und Hygiene beim Hähnchen beachten

Germanwatch rät Verbrauchern, ihr Hähnchen aus ökologischer Erzeugung oder aus Hofschlachtung zu kaufen statt beim Discountern wie Aldi, Lidl. Die strengsten Richtlinien haben die Anbauverbände Bioland und Demeter. Hier ist die vorbeugende Behandlung mit Antibiotika verboten.

Für Verbraucher sind die Keime nicht gefährlich, wenn das Hähnchen immer gut erhitzt wird und sich Verbraucher an die Hygieneregeln halten:

Hähnchen vom Discounter: Resistent gegen Notfallmedikamente

Ein Befund ist besonders besorgniserregend: Bei mehr als einem Drittel der Hähnchen-Proben haben die Wissenschaftler Resistenzen gegen Reserveantibiotika gefunden. Diese Notfall-Antibiotika verschreiben Ärzte nur dann, wenn andere Antibiotika keine Wirkung mehr zeigen. Kranke Menschen sind also auf sie angewiesen, wenn andere Medikamente versagen.

Germanwatch und Ärzte gegen Massentierhaltung fordern von der EU-Kommission, den gefährlichen Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung zu verbieten. (akm) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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