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Kostet ein Döner bald über 7 Euro? Experten-Prognose lässt Appetit vergehen

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Von: Jason Blaschke

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Dass ein Döner in Baden-Württemberg bald über sieben Euro kostet, ist aus Sicht eines Experten die Folge steigender Energie- und Lebensmittel-Preise.

Neckarsulm – Die Folgen von Russlands Krieg in der Ukraine wirken sich immer massiver auf die Verbraucher in Deutschland aus – zum einen mit Blick auf die Preise, aber auch auf die Verfügbarkeit einzelner Produkte. Erst vor wenigen Wochen hatten auch die Discounter Aldi und Lidl ihre Preise für wichtige Alltags-Produkte nach oben korrigiert (BW24* berichtete). Aldi Nord verlangt für ein einfaches Stück Butter (250 Gramm) neuerdings 2,09 Euro, vorher waren es noch 1,65 Euro.

Lieferengpässe und Preise belasten die Wirtschaft – erste Händler reagieren

Die Butter ist bloß ein Beispiel von vielen. Zurückzuführen sind die zum Teil massiven Preissprünge auf gestiegene Produktions- und Energiekosten, aber auch auf Lieferengpässe. Speziell die Entwicklung des Gaspreises in Deutschland* sehen Experten mit Sorge. Erst vor wenigen Wochen wurde die Frühwarnstufe für Gaslieferungen* ausgerufen, was ein Zeichen dafür ist, dass womöglich mit einer deutlichen Verschlechterung der Gasversorgungslage zu rechnen ist.

Hinzu kommen verstärkt Lieferengpässe, die speziell Produkte betreffen, die aus Russland oder der Ukraine importiert werden – vor allem beim Speiseöl. Viele Einzelhändler mussten mittlerweile reagieren und die Abgabemenge für einzelne Produkte wie Mehl oder eben Speiseöl begrenzen. Recherchen von BW24* zufolge musste auch Lidl die Rationierung einzelner Lebensmittel* noch mal verschärfen, was zeigt: Auch die ganz Großen spüren die Kriegsfolgen.

Experte schockt Fast-Food-Liebhaber – Preise bewegen sich auf Rekordhoch

Doch auch kleine Unternehmen wie zum Beispiel Dönerbuden sind massiv betroffen und müssen auf die Mehrausgaben für Energie oder auch Lebensmittel mit Preissteigerungen reagieren. „Ein Döner müsste eigentlich 7,30 Euro kosten“, sagte Gürsel Ülber, der Vorstandsvorsitzende des Vereins türkischer Dönerhersteller in Europa, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Er geht davon aus, dass die Spitze des Eisbergs noch lange nicht erreicht sei.

Ein Döner müsste eigentlich 7,30 Euro kosten.

Gürsel Ülber, Verein türkischer Dönerhersteller in Europa

Für einen Döner in Berlin waren lange Zeit Preise von etwa 3,50 Euro pro Stück die Regel. Mittlerweile seien es zwischen fünf und sechs Euro – ein Niveau, das Kunden in Bayern und Baden-Württemberg schon kannten, meinte Ülber. In Zukunft rechnet der Experte mit weiteren Preisanpassungen, sollte sich die Situation nicht verändern. Eine Ansage, die in der Facebook-Community auf ein geteiltes Echo stößt, wie mehrere Wortmeldungen zeigen.

Steigende Dönerpreise lassen Facebook-Nutzer nicht kalt – Nutzer vermutet perfide Masche

Ein User schreibt von einer perfiden Masche und vermutet, dass es „Preisabsprachen unter Fast-Food-Ketten und Geschäften gibt“. „Das ist doch eh alles ungesund“, meint dazu ein anderer Nutzer. Viele User auf Facebook bewerten die steigenden Preise für Fast-Food in Baden-Württemberg und ganz Deutschland übrigens auch positiv. „Ganz ehrlich, ich mache meine Burger sowieso lieber selbst und die schmecken auch besser“, schreibt jemand.

Ein weiterer Nutzer kommentiert: „Wir brauchen kein Fast-Food, bei uns wird noch selbst gekocht und nur mit frischen Zutaten!“ Mehrere – vorwiegend männliche Facebook-User – sind zudem der Ansicht, dass man im Sommer auch mal gut auf einen Döner verzichten kann. „Die Grillzeit beginnt und wir Deutschen machen das aus Leidenschaft“, lautet ein Kommentar. Allerdings muss man dabei in Betracht ziehen, dass die Preise vielleicht nicht so schnell wieder sinken werden.

Nicht nur Dönerfleisch wird teurer – auch Rindfleisch kostet inzwischen doppelt so viel

Zudem kommen Preissprünge und Lieferengpässe dazu, die sich auch in der Küche oder am Grill bemerkbar machen. Der deutsche Bundesverband der Systemgastronomie teilt mit, dass allein der Preis für Rindfleisch um etwa 50 Prozent angestiegen sei. Egal ob Fast-Food oder Grill – beides ist deutlich teurer geworden. Dabei stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, die Dönerbude zu boykottieren, wo doch grundsätzlich viele Produkte deutlich teurer geworden sind.

Erst vor wenigen Wochen hatten etwa die Pommes- und Chips-Produzenten Alarm geschlagen und vor Versorgungsengpässen mit Blick auf Kartoffel-Produkte gewarnt. Das fehlende Speiseöl bedroht frittierte Pommes*, was Gastronomen, aber auch Betreiber von Dönerbuden und Verbraucher gleichermaßen zu spüren bekommen.

Döner-Produzent Ülber in Sorge: Ereignis ab Mindestlohn-Anhebung als zusätzliche Belastung

Döner-Produzent Ülber sieht aber noch ein ganz anderes Problem, wie er im Gespräch mit der DPA ausführt. „Es ist wegen der Konkurrenz schwer, die Preise vollständig weiterzugeben.“ Die Folge könnten Existenznöte sein. Ülber meint, dass es mitunter möglich sei, dass schon in zwei bis drei Monaten die ersten Dönerbuden aufgeben müssen. Die verbliebenen Döner-Imbisse in Deutschland müssen sich dem Experten zufolge spätestens ab Herbst auf steigende Ausgaben einstellen, wenn der Mindestlohn auf 12 Euro angehoben werden soll. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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