Falsches Siegel?

Edeka: Kunden dreist getäuscht? Umweltschützer erheben schwere Vorwürfe

Edeka wirbt mit einem eigenen Mikroplastikfrei-Siegel für Produkte. Doch jetzt entdecken Umweltschützer falsche Angaben. Werden Verbraucher hier dreist getäuscht?

Mikroplastik sind kleinste Kunststoffteilchen, wie sie zum Beispiel in Peelings benutzt werden. Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) können sie in fester und flüssiger Form vorkommen. Über unsere Abflüsse gelangen diese Stoffe ins Meer. Mikroplastik kann sogar über die Luft transportiert werden. Es ist nicht biologisch abbaubar und äußerst resistent gegenüber Umwelteinflüssen. Mikroplastik ist „Eine große Gefahr für unsere Umwelt“ , erklärt der BUND. Darüber berichtet HEIDELBERG24*.

Edeka: Mikroplastikfrei-Siegel soll Verbrauchern Orientierung geben

Vielen Verbrauchern ist klar, dass Mikroplastik schädlich für die Umwelt ist. Neben Preis und Qualität, wird Nachhaltigkeit beim Einkaufen immer wichtiger. Und das nicht nur bei Lebensmitteln.

Weil sie umweltschonend handeln wollen, greifen inzwischen viele Kunden beim Einkaufen bei Kosmetik-, Hygiene-, und Haushaltsartikeln zu Produkten ohne Mikroplastik. Unternehmen und Händler reagieren darauf und versehen ihre Produkte mit allerhand Umwelt-Siegeln, die die Umweltverträglichkeit der Produkte hervorheben sollen.

So zeichnet zum Beispiel Edeka zahlreiche Körperpflege-Mittel der Eigenmarke elkos mit dem einem Mikroplastikfrei-Siegel aus.

„Wir sagen „Nein“ zu Mikroplastik! Der EDEKA Verbund übernimmt Verantwortung für Mensch und Umwelt. Bereits seit 2015 verzichten wir auf festes Mikroplastik bei Kosmetikartikeln.“, heißt es auf der Internetseite von Edeka. Und weiter: „Dank des neuen „Mikroplastikfrei“-Siegels erhalten Kunden eine zuverlässige Orientierung beim Einkauf.“

Edeka: Eigenmarke elkos taucht auf Negativliste auf

Doch jetzt stehen Produkte der Edeka-Eigenmarke elkos im aktuellen „Einkaufsratgeber“ vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) auf einer Negativliste von Produkten, die Mikroplastik enthalten. Das berichtet Business Insider.

Dem Umweltschutzverein sei „bei stichprobenartigen Überprüfungen der Eigenmarke elkos aufgefallen, dass die Produkte Kunststoffe enthalten. Falls hier kein unbeabsichtigter Fehler vorliegt, ist die Ausweisung dieser Produkte als ‚Rezeptur ohne Mikroplastik falsch. Edeka muss seine Umstellung auf Mikroplastikfrei stringent umsetzen, ansonsten ist das Siegel nur eine Verbraucher*innen-Täuschung“, so der BUND in einer Stellungnahme gegenüber Business Insider.

Edeka: So reagiert der Supermarkt auf die Vorwürfe

Obwohl zum Beispiel auf der Verpackung des „Cremebad Softcare“ der Edeka-Eigenmarke elkos der Kunststoff „Acrylates Copolymer“ ausgewiesen ist, wirbt Edeka auf der Flaschen-Vorderseite mit dem „Mikroplastikfrei“-Siegel. „Das heißt nach den BUND-Kriterien macht Edeka mit ihrem Siegel falsche Angaben“, sagt eine BUND-Sprecherin laut Business Insider.

Die Erklärung von Edeka dazu: Es handle sich bei den betreffenden Produkten um „Vorgängerartikel“, deren Restbestände noch abverkauft würden, zitiert der Business Insider eine Edeka-Sprecherin. Man stelle die Produkte schrittweise um.

Edeka macht auf Anfrage von Business Insider jedoch keine Angaben darüber, wie überprüft wird, was tatsächlich in den Eigenprodukten enthalten ist und ob es unabhängige Mikroplastik-Kontrollen gibt. „Viele Konzerne deklarieren ihre Produkte mittlerweile selbst, ohne unabhängige Prüfung“, sagt ein Sprecher von Flustix gegenüber dem Business Insider Bei Flustix handelt es sich im ein Unternehmen, das in Kooperation mit dem TÜV Rheinland (DIN CERTCO) ebenfalls Plastikfrei-Siegel vergibt. Das Unternehmen stellt daher die Freiwilligkeit des Handels in Frage und fordert eine unabhängige Zertifizierung.

Aus dem Bundesumweltministerium (BMU) heißt es dazu: „Seit Anfang 2019 ist auf EU-Ebene der Vorschlag für ein EU-weites Verbot des Inverkehrsbringens von festen, absichtlich zugesetzten Mikroplastikpartikeln im Verfahren“. Dafür müsste dann auch erst einmal klar definiert werden, was Mikroplastik überhaupt ist. (akm) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © (c) dpa

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