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Edeka: Shitstorm wegen Weihnachtswerbung – Rechte rufen zu Boykott auf

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Von: Daniel Hagen

Das Unternehmen Edeka veröffentlicht alljährlich einen besonderen Weihnachtsspot – auch 2020. Dieses Jahr haben sie damit aber einen Shitstorm ausgelöst, der aus der rechten Ecke kommt.

Spätestens seit dem kultigen Video „Supergeil“ ist das Unternehmen Edeka berühmt für seine Werbespots. Der Clip aus dem Jahr 2014 ist bis heute über 21 Millionen Mal aufgerufen worden. Diese Werbungen erscheinen auch jedes Jahr zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, Ostern, Muttertag oder Vatertag. Der Weihnachtsspot von 2015 unter dem Titel #heimkommen hat sogar über 67 Millionen Menschen den Tränen nahe gebracht. Doch im Jahr 2020 hat Edeka vermeintlich ein Eigentor geschossen – finden zumindest zahlreiche User in den sozialen Netzwerken. Worum es dabei geht und aus welcher Ecke der Protest kommt, erklärt HEIDELBERG24.de*

NameEdeka Zentrale AG & Co. KG
HauptsitzHamburg
Umsatz59,2 Milliarden USD (2017)
Gründung1898, Berlin
TochtergesellschaftScheck-In

Edeka: Shitstorm wegen Weihnachtswerbung

Unter dem Titel „Lasst und froh und bunter sein“ hat Edeka bereits im November ihren diesjährigen Weihnachtsspot präsentiert. Wie man dem Namen entnehmen kann, geht es dabei um unsere immer bunter werdende Gesellschaft. Das Video spielt an einer Fleischtheke, an der die Familie Müller von einem Fleischwarenfachverkäufer mit – dem Akzent nach – italienischem Migrationshintergrund, begrüßt wird. Dieser möchte wissen, was das Ehepaar mit der erwachsenen Tochter zum Weihnachtsessen braucht. Vor kurzem hat Edeka sich übrigens mit einem anderen Discounter angelegt* – und zwar Aldi.

In kurzen Rückblenden wird dann gezeigt, dass die Familie in den letzten zwei Jahren japanisches und marokkanisches Essen zum Fest der Liebe hatten. Der Grund dafür: die Tochter hat zu diesem Zeitpunkt immer einen Freund aus dieser Kultur zum Weihnachtsessen mitgenommen. Als der Verkäufer italienischen Schinken empfiehlt, ist der Vater begeistert von dem Essen – und die Tochter von dem Gedanken an einen italienischen Freund. Da sich über Humor ja bekanntlich streiten lässt, ist jedem selbst überlassen, wie lustig er das Video findet. Doch eine bestimmte Gruppe von Menschen überschüttet den Spot mit Hass.

Edeka: Rechte rufen zum Boykott auf

Würde Edeka diesen Spot auch mit einer Kopftuch Tochter machen oder sollen nur Deutsche Mädchen so ekelhaft dargestellt werden? Kaum vorstellbar was das für einen Aufschrei gäbe!“, schreibt ein User unter dem Video auf YouTube. Er und zahlreiche andere Menschen sind nicht mit der Message des Spots einverstanden und rufen daher zum Boykott von Edeka auf. Die Begründung: die Werbung wäre „Anti-Deutsch“ und würde „Multikulti“ in ein gutes Licht rücken wollen. Außerdem würde die Tochter als „H*re“ dargestellt werden.

Einige User behaupten sogar, dass der Edeka-Spot von der Politik in Auftrag gegeben worden sei, um die Menschen zu beeinflussen. „Heute Ideologie, morgen dann Impfempfehlung? Wundern würde es mich nicht“, schreibt ein Nutzer dazu. Diese und viele rassistische Kommentare lassen darauf schließen, dass der Shitstorm aus der rechten Ecke kommt. Auf Twitter lassen sich vor allem Accounts, hinter denen Personen mit rechtsnationaler Gesinnung stehen, über die Werbung aus. Über den Shitstorm schreibt auch Merkur.de.

Edeka: Schlechte Bewertung wegen Telegram-Nutzern

Dass der Edeka-Spot bei vielen Menschen nicht gut ankommt, zeigt auch das Verhältnis von Likes und Dislikes. Während knapp 1.900 Menschen angeben, das Video zu mögen, haben über 35.000 User einen Daumen runter gegeben. Für viele Kommentatoren ist das der Beweis, dass der Hashtag #wirsindmehr, der von linken und Antifaschisten benutzt wird, gar nicht stimmen könne. Allerdings sind die kritischen Zuschauer nicht zufällig auf das Video gestoßen, sondern wurden über Telegram* dorthin geschickt, um schlechte Stimmung zu machen. Ein Mittel, zu dem auch der Berliner Verschwörungsideologe Attila Hildmann oft greift. Dabei ruft er seine Follower auf, einen „Daumen runter Blitzkrieg“ zu starten.

Trotz Shitstorm bleibt Edeka aber standhaft und sendet den Weihnachtsclip weiter. Wie heißt noch das alte Sprichwort: „Auch schlechte Presse ist gute Presse“ – denn so bleibt man im Gedächtnis. Ein Kassenzettel von Edeka hat vor kurzem ebenfalls dafür gesorgt, dass der Discounter in den Schlagzeilen lande. Und mit ihrem Standpunkt für eine bunte Gesellschaft und Multikulti hat sich Edeka bestimmt mehr Freunde als Feinde gemacht. (dh) *HEIDELBERG24.de und Merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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