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Aldi: Heftige Kritik an „5D“-Regel – „Schlag ins Gesicht“

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Von: Marten Kopf

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Mit flächendeckenden Anzeigen bewirbt Aldi seinen Einsatz für mehr Tierwohl. Was gut klingt, kommt nicht bei allen auch gut an. Bauernverbände sprechen von einer „Inszenierung“.

Für 2022 hatte Aldi einen radikalen Umbruch angekündigt: Im Zuge des schon im Juni des vergangenen Jahres begonnen „Haltungswechsels“ wolle man noch stärker auf Ware aus Deutschland, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung im September. Ziel sei, ein Zeichen für mehr Tierwohl zu setzen und gleichzeitig die deutsche Landwirtschaft zu stärken, hieß es da. Bis zum vierten Quartal 2022 wolle man bei konventionellem Schweinefrischfleisch konsequent auf „5D“ umstellen.

DiscounterAldi
HauptsitzEssen (Aldi Nord)/Mühlheim an der Ruhr (Aldi Süd)
GründerKarl & Theo Albrecht
Filialen weltweit11.235 (2019)
Jahresumsatz81,8 Milliarden Euro (2019)

Heißt, alle Schritte der Wertschöpfungskette sollen in Deutschland stattfinden. 5 Schritte sind das, bis das Schweinefleisch beim Discounter landet: Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Zerlegung/Verarbeitung – daher „5D“. Von einem „wichtigen Bestandteil unseres Haltungswechsels“ und einem „Bekenntnis zur Qualität“ sprach der Discounter. Man wolle „den deutschen Ferkelerzeugern eine verlässliche Zukunftsperspektive für den Standort Deutschland geben.“ Und das ist nicht alles, denn auch bei Milchprodukte aus unteren Haltungsstufen sollen aus den Regalen verschwinden. Was an und für sich gut klingt, sorgt nun aber trotzdem für heftige Kritik. Und zwar von genau denen, denen man die verlässliche Zukunftsperspektive eigentlich geben wollte.

„5D“-Regel bei Aldi: „Bei der Werbung prassen – beim Tierwohl knausern“

„Aldi hat sich mit riesigen Anzeigen in vielen Tageszeitungen und Slogans wie „Tierwohl ist eine Frage der Haltung“ und „Unsere Maßnahmen für ein tiergerechteres Morgen“ gegenüber Öffentlichkeit und Verbrauchern als Hüter und Unterstützer von Tierwohl inszeniert“, schreibt etwa der Bayerische Bauernverband am 9. Februar in einem offenen Brief. Und weiter: „Tatsächlich erleben die Bauern Aldi aber anders: Aggressive Niedrigpreisstrategien, auch für Tierwohl-Fleisch.“ Die Vertreter der Landwirtschaft müssten um jeden Zehntelcent an Kostenausgleich für die Umsetzung von mehr Tierwohl auf den Betrieben erbittert kämpfen, so die Bauernvertreter.

Die Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels verhinderten einen umfangreicheren Katalog an Tierwohlkriterien für das Programm, da sie den Kostenausgleich für die Landwirte nicht bezahlen könnten oder wollten. Gleichzeitig scheine das Budget für Medienkampagnen aber grenzenlos: „Das passt einfach nicht zusammen!“ Sehr drastisch sprechen die Bauern von einem „Schlag ins Gesicht der kleineren Betriebsstrukturen“. Auch der in den aktuellen Aldi-Anzeigen nun angekündigte Verzicht bei Trinkmilch der Eigenmarken auf die Haltungsformstufe 1 bis 2024 sowie bei Frischfleisch bis 2025 und die Komplettumstellung von Frischfleisch und Trinkmilch der Eigenmarken auf Haltungsformstufen 3 und 4 bis 2030 treffe insbesondere die kleineren bäuerlichen Betriebe. Die Auslistung der Haltungsformstufe 1 sei eine Diskreditierung der hohen gesetzlichen Anforderungen an die Tierhaltung.

„5D“ bei Aldi: Bauernverbände – „Nebeneinander der verschiedenen Haltungsformen“

„Bei der Werbung prassen – beim Tierwohl knausern“, so sieht es der Verband. Die Forderung an den Lebensmittel-Riesen deshalb: „Ernsthaft und gemeinsam mit den Bauern Tierwohl voranbringen. Und das heißt: Bereitschaft für angemessene Honorierung von Tierwohl, Berücksichtigung der besonderen Situation kleinerer Betriebe sowie Einbeziehung aller Marktsegmente in Tierwohlprogramme, aber dafür schrittweise Entwicklungen und mehr Nebeneinander der verschiedenen Haltungsformstufen.“ (mko/PM)

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