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„Warenversorgung sicherstellen“ – Aldi verkauft Speiseöl für fast 5 Euro

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Von: Jason Blaschke

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Sonnenblumenöl kommt wieder in die Regale von Aldi, Lidl und Co. – wer aber eine Flasche will, muss tiefer in die Tasche greifen.

Keine leichten Zeiten für die Verbraucher in Deutschland – neben Energie- und Spritpreisen ist auch das Einkaufen deutlich teurer geworden. Erst vor einigen Wochen musste auch der Discounter Aldi die Preise für rund 400 Produkte anpassen. Dazu zählen Fleisch-, Milch- und Milchprodukte, aber auch Lebensmittel, die importiert werden müssen. Ein vom Krieg in der Ukraine stark betroffenes Produkt ist das seltene und teure Speiseöl im Einzelhandel.

UnternehmenAldi
HauptsitzEssen
Umsatz106,3 Milliarden USD (2019)
Gründung1961, Essen
GründerKarl Albrecht, Theo Albrecht

Speiseöl nicht nur selten, sondern auch teuer: Verbraucher tragen Mitschuld

Und gerade das Sonnenblumenöl wird nach Informationen der Ölsaaten-verarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID) zu über 90 Prozent aus Russland und der Ukraine importiert. In Kriegszeiten ein Problem, wie die Kunden von Aldi und Co. am Speiseöl-Regal in deutschen Lebensmittelläden feststellen. Im Ausland ist das Speiseöl oft billiger, wie die Fotos eines Users auf Facebook zeigen – dafür gibt es einen Grund.

„Als Russland seinen Angriff auf die Ukraine startete, begann ein starker Run der Verbraucher auf Sonnenblumenöl“, erklärte Florian Block – der Pressesprecher vom Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) – im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Auslöser dafür sei die Meldung gewesen, dass die Ukraine für Deutschland ein wichtiger Produzent von Sonnenblumenöl sei.

Aldi verkauft Speiseöl für fast fünf Euro – Sprecherin mit Klartext

Sprich, auch die Hamsterkäufe beeinflussen die Verfügbarkeit und letztlich auch den Preis. Im RND-Gespräch bestätigte auch Maik Heunsch – Pressesprecher der OVID – dass Hamsterkäufe eine Ursache für die Engpässe in Deutschland seien. Doch zumindest im Moment scheint sich die Lage zu entspannen. In vielen Filialen von Aldi gibt es wieder volle Speiseöl-Regale. Allerdings nicht mehr nur mit der Eigemarke „Bellasan“ für zuletzt 1,79 Euro.

Zumindest in einigen Filialen wird auch das Sonnenblumenöl der Marke „Ondosol“ angeboten – für 4,99 Euro pro Liter. „Das Öl von ‚Ondosol‘ haben wir kurzfristig eingekauft, um die Warenversorgung sicherzustellen“, sagte dazu eine Sprecherin von Aldi Süd auf Anfrage der Bild-Zeitung und ergänzt: „Der Artikel sollte nicht mit unserer Eigenmarke verglichen werden.“ Kein Einzelfall, wie Medienberichte zeigen.

Preisaufschlag für Speiseöl von 550 Prozent – die möglichen Ursachen

Auch in mehreren Kaufland-Filialen wird Speiseöl für fast fünf Euro pro Liter verkauft, wie Recherchen von BW24 ergeben hatten. Die Frage ist bloß, warum ausgerechnet so ein rasanter Preisanstieg? Zwar sind viele Produkte deutlich teurer geworden, speziell das Speiseöl aber massiv. Nach Berechnungen von FOCUS Online ist von Preisaufschlägen von rund 550 Prozent die Rede. Eine eindeutige Antwort auf die Frage gibt es nicht.

Die Grafik zeigt, wie viele Sonnenblumenkerne pro Bundesland in Deutschland geerntet werden.
Auch in Deutschland werden Sonnenblumenkerne angebaut – mit Blick auf den Bedarf an Öl ist es aber zu wenig. © OVID 2021/DeStatis/Pressegrafik

Berichten von FOKUS Online zufolge ist die Marktlage in der Europäischen Union „dynamisch“. Die Hersteller können die gestiegene Nachfrage nach Speiseöl aktuell nicht schnell genug bedienen, was zu Lieferengpässen, aber auch Preissprüngen führen kann, denn: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis – und das Angebot ist rar. Trotzdem kaufen viele Verbraucher weiter fleißig Speiseöl ein.

Aldi-Kunden wollten ganzen Karton voll Speiseöl kaufen – für 74,78 Euro

„Wir sind immer wieder ausverkauft“, sagt eine Kassiererin einer Aldi-Filiale in der Nähe von Aalen. Und trotz des stolzen Preises von 4,99 Euro pro Liter wollten einige Kunden sogar einen ganzen Karton mitnehmen, erzählte sie FOKUS Online. Insgesamt 15 Flaschen seien das gewesen, an der Kasse hätten die Hamsterkäufer dafür 74,85 Euro zahlen müssen. Da aber auch das Speiseöl bei Aldi und Co. rationiert ist, ist maximal eine Flasche pro Kunde möglich.

In einer Filiale geht der Discounter übrigens mit Humor gegen die gierigen Hamsterer vor. Unter Kunden kommt die Speiseöl-Aktion von Aldi allerdings nicht gut, wie Beiträge auf Twitter zeigen. „Ungeheuerlich“, meint eine Nutzerin und ergänzt: „Ganz schön frech“, was sich Aldi da erlaubt. Die Aktion bezieht sich übrigens auf das Eigenmarken-Sonnenblumenöl von Aldi für 1,79 Euro pro Liter, was die Gemüter zusätzlich angeheizt haben könnte.

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