1. Heidelberg24
  2. Verbraucher
  3. Einkauf & Test

Aldi, Lidl und Co.: Supermärkte umgehen Plastiktüten-Verbot mit speziellem Trick

Erstellt:

Von: Julian Kaiser

Kommentare

Trotz Verbots verkaufen einige Handelsketten weiter munter Plastiktüten. Die Umgehung des Verpackungsgesetzes stößt auf heftige Kritik.

NRW – Mit dem Anfang dieses Jahres verabschiedeten neuen Verpackungsgesetz sollten Einweg-Plastiktüten mit einer Wandstärke von 15 bis 49 Mikrometern an den Kassen von Supermärkten und Discountern eigentlich der Vergangenheit angehören. Nicht umsonst bezeichnet das Bundesumweltministerium sie als „ein Auslaufmodell“ und „klassisches Wegwerfprodukt.“ Doch dank eines Tricks haben einige Handelsketten einen Weg gefunden, die umstrittenen Kunststofftragetüten dennoch an die Kundinnen und Kunden zu bringen – was bei Umweltorganisationen und der Bundesregierung auf wenig Gegenliebe stößt.

Plastiktüten-Verbot durch neues VerpackungsgesetzGilt seit dem 01. Januar 2022
UmfasstKunststofftragetaschen, die dünner als 50 Mikrometer (0,05 Millimeter) sind
AusnahmeErstverpackungen für Lebensmittel wie Fleisch, Obst und Gemüse

Plastiktüten-Verbot: Einweg-Tüten trotz einiger Ausnahmen seit Anfang 2022 aus dem Handel verbannt

Kunden, die bei Aldi, Lidl oder Edeka an der Kasse eine Tüte gekauft haben, werden wegen des novellierten Verpackungsgesetzes in der Regel keine Plastikvariante mehr erhalten – so die Theorie. Ausgenommen sind Kühl-, feste Einkaufs- und kleine Plastiktüten für Fleisch oder Obst und Gemüse im Selbstbedienungsbereich, auch Knoten- oder Hemdchenbeutel genannt.

Aus hygienischen Gründen sind diese sehr leichten Plastiktüten mit einer Wandstärke von unter 15 Mikrometern (0,015 Millimeter) weiterhin erlaubt, berichtet RUHR24. Zwar vermieden die Handelsketten so eine Vielzahl an vorverpackten Waren, doch auch die kleinen Tüten machten mit rund 3 Milliarden Stück pro Jahr den „mengenmäßig größten Anteil an Plastiktüten aus“ berichtet die Verbraucherzentrale. Zum Vergleich: 2019 lag der Gesamtverbrauch in Deutschland bei 4,7 Milliarden Tüten, das sind in etwa 57 Stück pro Kopf.

Plastiktüten-Verbot: Deutsche Umwelthilfe beklagt Schlupflöcher

In der Realität wird dem ein oder anderen Verbraucher wohl schon aufgefallen sein, dass manche Handelsketten weiterhin munter Kunststofftragetaschen verkaufen, die nicht unter die genannten Ausnahmen fallen. Dabei plane die Bundesregierung laut der Verbraucherzentrale unter Einhaltung der EU-Richtlinie, den Plastikmüll bis 2025 weiter zu reduzieren. Anscheinend mit Erfolg: Laut der Bundesregierung sinke der Konsum von Plastiktüten in Deutschland insgesamt deutlich.

Zwar hielten sich Supermärkte und Discounter wie Lidl, Penny, Kaufland, Rewe, Aldi Nord und Süd laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vorbildlich an die neue Regelung. Andere Konzerne wiederum nutzten jedes erdenkliche Schlupfloch, um doch Einweg-Varianten zu verkaufen, die aber streng genommen wegen eines Mikrometers mehr Dicke als Mehrweg-Tüten gelten.

Plastiktüten-Verbot: Drogeriekette Müller verkauft einfach dickere Tüten

Nicht ohne Grund seien Supermärkte und Drogeriemärkte wie Edeka, Norma und Rossmann laut der Tagesschau zum Ziel der Kritik der DUH geworden. DUH-Geschäftsführerin Barbara Metz nannte das Vorgehen der Unternehmen, die einen Weg gefunden haben, das Verbot zu umgehen, „verantwortungslos und verlogen.“

Indem sie einfach dickere und mehrfach verwendbare Tüten verkaufen, greife das Verbot für Einweg-Plastiktüten mit einer Wandstärke von 15 bis maximal 49 Mikrometern nicht. Wie die DUH berichtet, seien beispielsweise die angebotenen Plastiktüten bei der Drogeriekette Müller 50 Mikrometer dick. Barbara Metz zufolge sei es irreführend, diese Tüten als Mehrweg-Produkte anzubieten.

Plastiktüten-Verbot: Umweltministerium fordert Verzicht von „Schummeltüten“

Mit dieser Sicht steht sie nicht alleine da. Bundesumweltministerin Steffi Lemke von den Grünen forderte den Handel am Freitag (17. Juni) deshalb auf, auf sogenannte „Schummeltüten“ zu verzichten und die Flut ein Einweg-Plastiktüten zu stoppen.

Supermärkte, Discounter und Drogeriemärkte zu verklagen, sei nach aktuellem Stand aber schwierig. Schließlich lasse die EU ein Verbot der Tüten mit dickeren Wänden momentan nicht zu, so Lemke.

Auch interessant

Kommentare