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Drohen leere Drogerie-Regale? DM-Sprecher über Auswirkungen von EU-Verbot

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Von: Tobias Becker

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Seit März fliegen reihenweise Produkte aus den Regalen bei DM und weiteren Drogerien. Grund dafür, ist ein neues Verbot in der Europäischen Union. Drohen jetzt leere Regale?

Update vom 14. März: Seit März ist der in vielen Produkten enthalte Stoff Lilial verboten. Das als Duftstoff genutzte Butylphenyl Methylpropional, wie Lilial eigentlich heißt, steckt beispielsweise in Seifen, Kosmetika oder Shampoos und soll unter anderem Allergien auslösen und sogar das Erbgut beschädigen können. Nun hat die EU durchgegriffen und ein Verbot ausgesprochen. In Drogeriemärkten wie dm oder Müller dürfen also keine Produkte mit dem synthetischen Duftstoff mehr verkauft werden. Aber drohen deshalb nun leere Regale bei Drogerien wie dm?

Drogeriemarktdm-drogerie markt
HauptsitzKarlsruhe
Gründung28. August 1973
Anzahl Filialen (2021)3.850
Anzahl Mitarbeiter (2021)66.000

Leere Regale bei dm? Drogeriemarkt-Sprecher über Auswirkungen des EU-Verbots

Auf Anfrage von HEIDELBERG24 verneinte dm: „Wir arbeiten eng mit unseren Industriepartnern zusammen, sodass wir unseren Kundinnen und Kunden derzeit ausreichend Produkte zur Verfügung stellen können“, erklärt Sebastian Bayer. Der dm-Geschäftsführer für das Ressort Marketing und Beschaffung erklärt, dass dm-Marken nicht betroffen sind vom EU-Verbot, da Lilial darin nicht verwendet wird. Bayer: „Darüber hinaus haben wir bei dm vor längerer Zeit damit begonnen, unsere Bestände zu prüfen und die betroffenen Produkte auszusortieren.“

Zwar drohen also keine leeren Regal bei dm, einzelne Lücken können sich aber zumindest vorübergehend dennoch auftun. "Temporär kann es jedoch dazu kommen, dass in einzelnen dm-Märkten evtl. ein Produkt nicht erhältlich ist. Auswirkungen auf die Produktvielfalt hat das Verbot dennoch nicht", so Bayer gegenüber HEIDELBERG24.

dm: Neues Verkaufs-Verbot – Produkte mit Lilial fliegen raus

Erstmeldung vom 08. März: Derzeit gibt es für Verbraucher in Baden-Württemberg und Deutschland einige Änderungen beim Einkaufen. So stellt Aldi Süd nach und nach das Fleisch-Sortiment um und kündigte dafür eine Neuerung ab Sommer 2022 an, wie HEIDELBERG24 berichtete. In den Regalen bei Edeka, Lidl und anderen Supermärkten sind manche Artikel verschwunden, da es aufgrund des Krieges in der Ukraine einen Boykott gegen russische Produkte gibt. Und auch bei Drogeriemärkten wie dm steht wegen eines neuen EU-Verbots eine große Veränderung an:

dm: EU verbietet bestimmten Duftstoff, der in vielen Produkten steckt

Seit dem 1. März gilt in der EU ein neues Verbot: Lilial, ein häufig als Duftstoff genutzter Inhaltsstoff, ist nun verboten. Das Problem dabei: Lilial steckt in vielen Kosmetika, Shampoos, Seifen und Deos, aber auch in Waschmitteln. Dabei heißt es, dass der synthetische Duftstoff Allergien auslösen und sogar das Erbgut beschädigen kann. Aus diesem Grund warnte schon vor einigen Jahren ein Beratergremium der EU-Kommission vor Butylphenyl Methylpropional, wie Lilial in der Fachsprache heißt.

Das Verbot hat sich bereits länger angekündigt, denn schon im August 2020 wurde Lilial von offizieller Stelle als „reproduktionstoxisch“ eingestuft. Seit Juli 2021 findet sich der Stoff deshalb auch auf der „Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe“ wieder. Auch das Verbrauchermagazin Öko-Test hat immer wieder auf Lilial in Produkten wie Gesichtscreme oder Seife hingewiesen und dabei bereits angemerkt, dass ab März ein Verbot herrschen wird.

dm wirft Produkte aus Regalen - großer Aufwand für Filialen

Bislang wurde Lilial wegen der blumigen Note, zu denen es Kosmetika, Waschmitteln und anderen Produkten verhalf, benutzt. Die Kosmetikindustrie wird nun auf andere Mittel zurückgreifen müssen, Drogerie- und Supermärkte ebenfalls. Die Folge: Regale könnten vorübergehend leer bleiben. Zum einen dauert die Umstellung in der Produktion wohl länger, zum anderen sei es für dm, Rossmann und Co. - gerade in Zeiten des Coronavirus und vieler Lieferengpässe - nicht einfach, eine Vielzahl von Artikeln zu ersetzen, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

Ein weiteres Hindernis: Zwar ist Lilial nun verboten, jedoch sind Hersteller nur verpflichtet ihren Vertragspartner mitzuteilen, ob Waren aus ihrem Sortiment zurückgerufen werden müssen. Aber: Welche Produkte davon aus dem jeweiligen Sortiment genommen werden müssen, müsse anscheinend jede Filiale selbst heraussuchen, erklärt eine „erfahrene Leiterin einer der 570 Müller-Filialen Deutschlands“ gegenüber der Berliner Morgenpost.

Offen ist noch die Frage, wie die Kunden auf das neue Verbot reagieren. Zuletzt gab es mehrere Beschwerden, als dm eine bestimmte Windel-Marke aus dem Sortiment nahm. Vor allem auf Facebook sorgte das für Unmut und mehrere User schrieben direkt an dm. Allerdings handelte es sich dabei wohl auch nicht um ein Verbot seitens der EU. (tobi)

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