1. Heidelberg24
  2. Verbraucher
  3. Einkauf & Test

Ferrero-Rückruf: Querdenker verbreiten krude Theorie – „menschliche Überreste weiterverarbeitet“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Hagen

Kommentare

Das Unternehmen Ferrero hat wegen eines Salmonellen-Skandals ein Werk in Belgien schließen müssen. Verschwörungsideologen auf Telegram haben aber ihre eigene irre Theorie dazu!

Über hundert Menschen sind in ganz Europa mit gefährlicher Bakterien infiziert worden. Der Ursprung der Salmonellen-Erkrankung lässt sich zu einem Werk des italienischen Süßwarenherstellers Ferrero in Belgien zurückführen. Mittlerweile ist dem Ferrero-Werk in der Stadt Arlon die Lizenz entzogen worden und der Konzern hinter den beliebten Kinder-Produkten muss Produkte auf der ganzen Welt zurückrufen.

UnternehmenFerrero
Gründung1946
HauptsitzAlba, Italien

Ferrero-Rückruf wegen Salmonellen – irrer Mythos um geschlossenes Werk

Neben dem finanziellen Verlust und Ermittlungen der belgischen Staatsanwaltschaft erntet Ferrero auch noch Spott von Konkurrent Edeka sowie einen massiven Vertrauensverlust bei den Kunden. Manche Vorwürfe gegen den Schoko-Konzern gehen aber noch weiter. Denn wie so oft entstehen auf Telegram Verschwörungsmythen und Fake News um den ganzen Vorfall.

Ein irrer Mythos hängt mit einem Verschwörungsglauben zusammen, der sich um den sogenannten „Deep State“ dreht. Er besagt, dass Kinder in unterirdischen Bunkern auf der ganzen Welt gefoltert und getötet werden, um den Stoff „Adrenochrom“ zu erlangen. Dieser soll die „Eliten“ – also Politiker und Promis – verjüngen und am Leben erhalten.

Auf Telegram wird ein irrer Mythos über Ferrero geteilt.
Auf Telegram wird ein irrer Mythos über Ferrero geteilt. © Screenshot Telegram

Geschlossenes Ferrero-Werk soll zum „Deep State“ gehören

Auf der ganzen Welt gibt es mittlerweile Menschen, die an diesen Mythos glauben. Schon beim US-Wahlkampf 2016 wurde behauptet, dass Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton einen solchen Bunker in einem Keller unter einer Pizzeria betreiben würde. Auch Xavier Naidoo glaubt an den „Deep State“ und weinte in einem Video um die Kinder. Der Vorfall im Ferrero-Werk wird jetzt auch mit dem Mythos in Verbindung gebracht.

Immerhin kann es sich ja nicht um einen Zufall handeln, dass die Marke „Kinder“ heißt – so zumindest die Logik unter Verschwörungsideologen. Zudem befindet sich das geschlossene Werk in Belgien, das in dem Post als „Hochburg des Kinderhandels in Europa“ bezeichnet wird. Eine Statistik dazu gibt es leider nicht. Laut Europol gehört Belgien aber – zusammen mit Ländern wie Deutschland und Österreich – zu den größten Zielen für Menschenhandel in Europa.

Menschliche Überreste in geschlossenem Ferrero-Werk – Beweise gibt es keine

„Menschliche Überreste der Adrenochrom-Produktion sollen angeblich in der Lebensmittelbranche weiterverarbeitet worden sein“, heißt es in dem Post. Als „Quelle“ wird ein „Bild“-Artikel verwendet, in dem allerdings kein Wort von Überresten steht. Woher die Behauptung stammt, wird ebenfalls nicht erklärt. Der Kanal, von dem der Post stammt, teilt auch gerne Fake News zur Corona-Impfung oder dem Ukraine-Krieg. (dh)

Auch interessant

Kommentare