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Palmöl wird knapp: Experten rechnen mit weiteren Preisanstiegen der Lebensmittel

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Von: Eliran Kendi

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Speiseöl-Krise: Auch Palmöl wird nun knapp, nachdem Hauptproduzent Indonesien ein Exportstopp angekündigt hat. Die Konsequenzen für Verbraucher dürften erheblich sein.

Beim Blick auf den Kassenzettel nach dem Einkauf könnte manchem Verbraucher derzeit schwindelig werden: Lebensmittel sind so teuer wie nie zuvor. Nach Angaben der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen sind die Weltmarktpreise im März auf ein Rekordhoch gestiegen. Am Freitag (22. April) folgt die nächste Hiobsbotschaft: Indonesien hat ein Exportstopp für Teile des im Land produzierten Palmöls bekanntgegeben.

SpeiseölPalmöl
Marktanteil36 Prozent, meist angebaute Pflanzenöl der Welt (2019)
Wichtigste AnbauländerIndonesien und Malaysia, 84,1 Prozent der Weltproduktion (2019)
HauptproduzentIndonesien mit etwa 43 Millionen Tonnen (2019)

Palmöl wird knapp: In jedem zweiten Supermarktprodukt steckt das Pflanzenfett

Angesichts des Teil-Exportstopps können sich Verbraucher in Baden-Württemberg auf weitere Preissteigerungen einstellen, warnen Experten. Denn Palmöl sei in jedem zweiten verarbeiteten Produkt im Supermarktregalen zu finden, erklärt Matin Qaim, Agrar-Ökonom an der Universität Bonn, gegenüber dem „Deutschlandfunk“.

Ob in Schokolade, Brotaufstriche, Babynahrung oder Fertiggerichte, überall ist Palmöl drin. Auch in Kosmetikprodukten wie Seife oder Duschgel ist das Pflanzenfett enthalten.

Preissteigerungen für Lebensmittel nach Exportstopp von Palmöl erwartet

„Zusätzlich zur Knappheit von Sonnenblumenöl ist der indonesische Exportstopp von Palmöl eine weitere Herausforderung für die Unternehmen“, sagt Christoph Minhoff gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) macht im Hinblick auf mögliche Preissteigerungen keine Prognose. Fest steht: Lediglich verarbeitetes Palmöl ist vom Exportstopp betroffen. In Deutschland wird jedoch vor allem rohes Palmöl gebraucht. Daher rechnen Experten derzeit zwar nicht mit Lieferengpässen, Preissteigerungen ließen sich wegen der Marktlage aber kaum vermeiden.

Wie hoch die Preissteigerungen diesmal ausfallen, lässt sich derzeit nur erahnen. Die bisherigen Erfahrungen mit Speiseöl, wie etwa beim Discounter Aldi, mögen einen Ausblick auf die nahe Zukunft geben.

Lebensmittelkrise – Indonesien behält Palmöl für eigene Versorgung ein

Die weltweit angespannte Versorgungslage mit Speiseölen ist auf ein ganzes Bündel an Krisen zurückzuführen: Dürren in Südamerika, Missernten in Kanada und vor allem der Krieg in der Ukraine sorgen derzeit für nie dagewesene Lieferengpässe.

Vor allem für Schwellen- und Entwicklungsländer nimmt die Lebensmittel-Knappheit bedrohliche Züge an – so auch im Inselstaat Indonesien. Die extreme Preissteigerung löste im 270 Millionen Einwohner zählenden Inselstaat Proteste aus. Um die inländische Versorgung zu sichern, wird der weltweit größte Palmölproduzent nun mindestens 40 Prozent des bisher exportierten Palmöls einbehalten. Präsident Joko Widodo hat das Ausfuhrverbot für Donnerstag (28. April) angekündigt.

Palmöl-Knappheit ruft Umweltschützer auf den Plan: „Lebensmittel gehören auf den Teller“

Etwa die Hälfte des nach Europa importierten Palmöls wird in Lebensmittel und Kosmetik weiterverarbeitet. Die andere Hälfte fließt in die Produktion von Biodiesel, so Experte Quaim.

Letzteres kritisieren nun Umweltschützer: „Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in den Tank. Wir können nicht weiter Speiseöle in Autotanks kippen, während deren Preise in den Produktionsländern explodieren und die Bevölkerung in den Hunger treiben“, sagt Sascha Müller-Kraenner Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Von der Bundesumweltministerin Steffi Lemke fordert die DUH daher einen Förderungsstopp für die Beimischung von Lebensmitteln im Autotank. Nach Informationen der „Tagesschau“ haben verschiedene Biodiesel-Hersteller wegen der hohen Rohstoffpreise ihre Produktion bereits vor einigen Wochen gedrosselt. Zugleich wehrt sich der Verband der deutschen Bioethanolwirtschaft gegen eine gesetzliche Einschränkung von Biokraftstoffen.

Inflation in Baden-Württemberg: Preissteigerungen nehmen kein Ende

Insgesamt ist die Inflation in Baden-Württemberg auf hohem Niveau weiter angestiegen. Bereits vor dem Teil-Exportstopp vor der Palmöl-Krise ist die Teuerungsrate kräftig angezogen. Wie das Statistische Landesamt am Donnerstag (28. April) in Stuttgart mitteilt, ist die Inflationsrate im April im Vergleich zum Vorjahresmonat um sieben Prozent gestiegen.

Besonders stark haben die Preise für Heizöl mit 71 Prozent und Kraftstoffe mit knapp 37 Prozent zugelegt. Überdurchschnittlich sind die Preise unter anderem für Lebensmittel wie Brot und Fleisch in die Höhe geklettert. Höhere Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können. (esk/dpa)

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