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Schock-Bericht von Öko-Test: Millionen Schlachttiere sterben, ohne dass ihr Fleisch genutzt wird

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Von: Jason Blaschke

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Die neuen Zahlen zum Thema Massentierhaltung von Öko-Test lassen einen erschaudern. Von Tierwohl und Umweltschutz ist Deutschland noch weit entfernt.

Der Krieg in der Ukraine, die Folgen der Coronavirus-Pandemie, aber auch Faktoren wie Missernten infolge von Hitzewellen wirken sich in Deutschland massiv auf die Preise vieler Alltags-Lebensmittel aus. Vor mehreren Wochen etwa war erst bekannt geworden, dass rund 50 Produkte von Aldi, Lidl und Rewe noch teurer werden. Hiervon betroffen sind auch Fleischprodukte, die zum Teil rund 70 Prozent teurer wurden.

NameÖko-Test
VerlagÖko-Test Verlag GmbH & Co. KG
BeschreibungVerbrauchermagazin
ChefredakteurinKerstin Scheidecker
HauptsitzFrankfurt

Billiges Fleisch, hoher Preis – Öko-Test veröffentlicht Schock-Zahlen zur Tierhaltung

Umso erfreulicher für einige Verbraucher, dass ein Discounter schon wenig später die Kehrtwende machte. Die Tatsache, dass Aldi seine Fleischpreise im Sortiment wieder senkte, wurde auf Facebook mit Reaktionen wie „mitten in der Grillsaison passt das sogar“ kommentiert. Gut für die Verbraucher, schlecht fürs Tierwohl. Und wie es um dieses steht, zeigen Zahlen in einem Bericht von Öko-Test bloß allzu deutlich.

Lediglich ein Prozent der Schweine in Deutschland haben freien Auslauf – und zumindest vier Prozent haben noch einen Platz im Außenklimastall, sprich mehr Platz. Die weitaus größere Anzahl (97 Prozent) an Sauen wird auf Vollspalten- oder Teilspaltenboden gehalten – nicht immer unter artgerechter Haltung. Im Schock-Bericht von Öko-Test zur Massentierhaltung in Deutschland ist von Millionen Tiere die Rede, die ohne Grund sterben.

Millionen Tiere sterben, ohne dass ihr Fleisch verzehrt wird – laut Öko-Test

„100 Millionen Tiere sterben Jahr für Jahr in Deutschland, ohne dass ihr Fleisch verzehrt wird“, heißt es dazu in der Berichterstattung. Zum einen würden viele Tiere schlicht in der Mast verenden, zum anderen würden viele Tiere aus wirtschaftlichen Gründen getötet oder beseitigt. Allein in der Schweinemast addieren sich die Verluste entlang der Produktionsstufen auf 28 Prozent. Um solche wirtschaftlichen Verluste gering zu halten, wird oft zu Antibiotika gegriffen.

Laut Öko-Test werden weltweit 73 Prozent aller produzierten Antibiotika für Tiere genutzt, damit diese nicht krank werden. Infolge kommt es zu antibiotikaresistenten Keimen, die über die Ausscheidungen ins Grundwasser gelangen und so zu einer Gefahr für die Mensch-, Tier- und Pflanzenwelt werden. Wie groß die Ausmaße mittlerweile sind, zeigt eine Analyse von Abwasserproben, die von Greenpeace Anfang 2022 im Umfeld von vier Schlachtbetrieben entnommen wurden.

Antibiotika in der Massentierhaltung – eine Gefahr für Mensch und Tier

In 35 von insgesamt 44 Abwasserproben wurden im Labor antibiotikaresistente Keime nachgewiesen. Und Öko-Test berichtet, dass in acht der Proben sogar Resistenzen gegen das Reserveantibiotikum Colistin entdeckt wurden. Am Ende drohen also nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen krank zu werden. Viele Einzelhändler wie Kaufland, Lidl oder Aldi haben das Problem mittlerweile erkannt und beabsichtigen ihr Fleischsortiment neu auszurichten.

Erst vor wenigen Wochen etwa erreichte die Kunden die Nachricht, dass auch Lidl die „5xD“-Regel in allen Filialen einführen will – das Ziel: mehr Tierwohl. Doch ob solche Maßnahmen in absehbarer Zeit fruchten werden, ist fraglich. Auch, weil das Tierwohl bloß ein Problem der Massentierhaltung ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Tierhaltung enorme Ressourcen zieht – primär Wasser und in Form von Anbauflächen für Futter.

Schweine liegen in der Bucht eines Tierwohl-Schweinestalls.
So glücklich wie die Schweine im Tierwohl-Schweinestall in Mecklenburg-Vorpommern (Foto) sehen die wenigsten Tiere aus. © Marijan Murat/dpa

Wasser- und Futteranbau – Massentierhaltung zieht gewaltige Ressourcen

Stolze 988 Liter Wasser werden Berichten von Öko-Test zufolge für die Produktion von einem Kilo Schweinefleisch benötigt – zum Vergleich: Für dieselbe Menge Gemüse sind es 322 Liter. Allein in Deutschland werden zudem neun Millionen Hektar Landfläche nur für den Anbau von Tierfutter oder Futter-Bestandteilen wie Soja genutzt. Nimmt man allein die Soja-Anbauflächen auf der ganzen Welt zusammen, kommt man auf eine Fläche, die 3,5 Mal so groß wie Deutschland ist.

Stolze 90 Prozent des weltweit angebauten Soja‘s ladet am Ende in Futtertrögen von Nutztieren, die die proteinreiche Nahrung in der Mast benötigen. Hier kommt primär der gewaltige Wasserverbrauch zu tragen – gerade in der jetzigen Situation, wo verstärkt immer mehr Hitzewellen zum Problem werden. Das Klima wird sich drastisch verändert, prognostiziert eine Wetter-Expertin, über die Merkur.de berichtet. Veränderungen, die auch in der Tierhaltung bestehende Probleme noch verschlimmern könnten.

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