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Nach Boykott-Aufruf: Ritter Sport liefert weiter nach Russland – „wir sind uns bewusst…“

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Von: Daniel Hagen

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Ritter Sport sieht sich mit zahlreichen Boykott-Aufrufen konfrontiert. Sein Russland-Geschäft will der Schokoladen-Hersteller dennoch nicht einstellen. Die Erklärung:

Update vom 31. März: Nach Boykott-Aufrufen gegen das Unternehmen wegen seiner Fortführung des Russland-Geschäfts reagiert Ritter Sport am Donnerstag (31. März). Für das „nachhaltige, mittelständische Familienunternehmen“ sei ein „offener und ehrlicher Austausch“ sehr wichtig ‒ „auch jetzt, wo es unbequem wird und wir massiv kritisiert werden“, heißt es in einer Stellungnahme auf Twitter.

UnternehmenAlfred Ritter GmbH & Co. KG
HauptstandortWaldenbuch
Gründung1912 von Clara und Alfred Eugen Ritter in Stuttgart-Cannstatt
Umsatz489 Mio. EUR (2019)

Ritter Sport will Einnahmen aus Russland-Geschäft spenden

Auch wenn Ritter Sport die „grausame Aggression in der Ukraine aufs Schärfste“ verurteilt, wird der Hersteller weiter „Schokolade für die russische Bevölkerung“ liefern. So sollen „Arbeitsplätze und die Lebensgrundlage von vielen Kakaobauern“ gesichert werden. Russland ist nach Angaben des Unternehmens der nach Deutschland wichtigste Absatzmarkt. Man habe aber „sämtliche Investitionen“ und Werbung „seit einigen Wochen“ gestoppt.

Dennoch stelle sich die Firma der Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeitenden und den Menschen in der Ukraine. Ritter Sport sei Verantwortungsbewusstsein wichtiger als Gewinn. Deshalb werde der Schokoladen-Hersteller „jeglichen Gewinn aus dem laufenden Russland-Geschäft an humanitäre Hilfsorganisationen“ spenden. Dem Unternehmen sei bewusst, dass man damit niemanden umstimmen werde. Man wolle aber seine Beweggründe „offen und ehrlich“ mitteilen.

Ritter Sport: „Quadratisch. Praktisch. Blut“ – Boykott-Aufruf gegen Firma 

Erstmeldung vom 30. März: „Quadratisch. Praktisch. Gut“ – mit diesem Slogan hat sich die Marke Ritter Sport in die Köpfe von Millionen von Menschen gesetzt. Seit hundert Jahren beglückt das von Clara und Alfred Eugen Ritter in Stuttgart-Cannstatt gegründete Unternehmen die Menschen mit ihrer Schokolade. Doch jetzt wird zum Boykott gegen den Hersteller aufgerufen. HEIDELBERG24* verrät den Grund dafür:

Boykott-Aufrufe gegen Ritter-Sport und Nestlé

Seit dem Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine* hat sich der Rest der Welt von Russland abgeschottet. Während Staaten weitreichende Sanktionen gegen das Land von Präsident Wladimir Putin verhängen, kapseln sich auch zahlreiche Unternehmen ab und liefern entweder nicht mehr nach Russland oder nehmen keine Waren aus dem Land mehr an.

So manches Unternehmen versucht aber trotzdem, weiterhin Geschäfte in Russland zu machen – was in der Regel zu einem ordentlichen Shitstorm führt. Das hat auch Nestlé merken müssen. Sogar der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ruft in einer Videobotschaft an die Schweiz zu einem Boykott der Marke auf, die schon seit vielen Jahren wegen ihrer Praktiken in der Kritik steht.

Shitstorm gegen Ritter Sport: Böser Kommentar von Ukraine-Botschafter

Jetzt rückt allerdings ein weiteres deutsches Unternehmen in den Mittelpunkt eines Shitstorms – und zwar Ritter Sport. Das Unternehmen mit Sitz im schwäbischen Waldenbuch (Baden-Württemberg*) liefert seine Produkte nämlich weiterhin nach Russland. Der Schokoladen-Hersteller erklärt, dass man sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht habe. Russland mache aber 7 Prozent des Umsatzes aus!

Neben einem gewaltigen Shitstorm in den sozialen Medien mitsamt Boykottaufrufen erntet Ritter Sport auch noch jede Menge Vorwürfe. „Quadratisch. Praktisch. Blut“, schreibt zum Beispiel Andrij Melnyk, Ukrainischer Botschafter in Deutschland, auf Twitter. Andere schließen sich den Vorwürfen an und posten mit Photoshop bearbeitete Packungen mit „Geschmacksrichtungen“ wie „Panzerkekse“, „Putins Kacke“ oder „Ukrainisches Blut“.

Twitter-User wollen Ritter Sport boykottieren – wegen Geschäften in Russland

„Da sieht man wieder wo Umsatz wichtiger ist als Solidarität“, „Ich will keine blutgetränkte Schokolade“ oder „Was ist geschmackloser und menschenverachtender , das Bild oder die unternehmerische Profitgier? Die menschenverachtende Politik Putins mitfinanzieren?“ sind nur ein paar der Kommentare in den sozialen Medien, die unter dem #RitterSportBoykott stehen. Über den Aufruf zum Boykott berichtet auch BW24*.

Andere Unternehmen haben bereits kurz nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs am 24. Februar den Handel mit russischen Händlern abgebrochen. Dazu gehören auch Supermärkte wie Aldi, Edeka oder Kaufland, bei denen viele russische Produkte aus den Regalen fliegen*.

Trotz Ukraine-Krieg: Diese Unternehmen liefern weiter nach Russland

Doch auch andere deutsche Unternehmen wollen ihre Geschäfte in Russland nicht aufgeben und ernten dafür Kritik – sogar von ganz oben. So nennt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einer Videobotschaft in die Schweiz Namen wie Bayer, BASF* oder Mondalez, die „immer noch die russische Militär-Maschine finanzieren“.

Immerhin haben einige Unternehmen nach erstem Zögern ihren Rückzug aus Russland bekanntgegeben. Dazu gehören laut der „Wirtschaftswoche“ die Baumarktkette Obi, das Schweizer Handelsunternehmen Coop oder der französische Sportausrüster Decathlon. Und auch Nestlé kündigt an, nur noch Grundnahrungsmittel wie Babynahrung in Russland anbieten zu wollen. Deren Schokolade wird es dort aber nicht mehr geben. (dh) *HEIDELBERG24 und BW24 sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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