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Hamsterkäufe bei Aldi und Co.: Speiseöl wird knapp – und doppelt so teuer

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Von: Marten Kopf

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Für Verbraucher sind Krisen teuer: anhaltende Inflation, schlechte Ernten, Corona-Pandemie – und nun Russlands Angriff auf die Ukraine. Das hat nun Auswirkungen:

Die Bestände in den Regalen deutscher Discounter lichten sich. Wie die „Lebensmittel Zeitung“ (LZ) am Freitag (25. Februar) berichtet, geht den Einzelhändlern so langsam das Speiseöl aus. Von den Engpässen betroffen seien vor allem Raps- und Sonnenblumenöl, aber auch Olivenöl werde zumindest deutlich teurer. Branchenprimus Aldi geht inzwischen sogar schon so weit, die Abgabe von Rapsöl seiner Eigenmarke an Kunden zu beschränken: Maximal vier Flaschen pro Kunde, mehr geht im Moment nicht – aus diesem Grund werden zunehmend auch wieder Hamsterkäufe beobachtet.

DiscounterAldi
HauptsitzEssen (Aldi Nord)/Mühlheim an der Ruhr (Aldi Süd)
GründerKarl & Theo Albrecht
Filialen weltweit11.235 (2019)
Jahresumsatz81,8 Milliarden Euro (2019)

Rapsöl wird knapp: Das ist der Grund für die Supermarkt-Engpässe bei Aldi und Co.

„Eine Verkettung von ungünstigen Faktoren“ seien der Hauptgrund, sagt ein Industrievertreter gegenüber der LZ. Die Folgen steigender Herstellungskosten, der weltweiten Corona-Pandemie und schlechter Ernten würden an die Verbraucher weitergegeben. Auch der menschengemachte Klimawandel wird immer mehr zum Problem, in jüngster Vergangenheit war davon vor allem die südamerikanische Kaffeebohnenernte betroffen.

Der Krieg in der Ukraine könnte die Lage in den kommenden Wochen noch weiter verschärfen, Momme Matthiesen, Geschäftsführer des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrie gegenüber dem Verbraucherportal „CHIP“. Das osteuropäische Land ist einer der wichtigsten Exporteure von Sonnenblumen- und Rapssaaten. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei aber zumindest noch nicht in Gefahr, so Matthiesen.

Lebensmittelengpässe: Landwirte befürchten Düngemittelknappheit

Der Krieg löst auch bei deutschen Landwirten wirtschaftliche Befürchtungen aus. „Wir machen uns sehr große Sorgen“, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied am Donnerstag (24. Februar) der Deutschen Presse-Agentur. Es sei davon auszugehen, dass dieser Krieg zu Turbulenzen auch an den Agrarmärkten führen werde: „Wir befinden uns derzeit in einem Blindflug, da keiner weiß, wie sich die Preise für Betriebsmittel und Getreide entwickeln werden.“

Rukwied sagt, schon jetzt sei Stickstoffdünger exorbitant teuer und knapp. Diese Situation könne sich nun noch deutlich verschärfen. „Wir gehen davon aus, dass weniger gedüngt wird, was negative Auswirkungen auf die Erntemenge und in Teilen auch auf die Qualität der Erzeugnisse haben wird.“

Hat Ukraine-Krieg auch Folgen für die Getreideversorgung?

Hintergrund ist, dass der für Landwirte wichtige Stickstoffdünger aus Erdgas hergestellt wird – und die Gaspreise waren auch schon vor der jetzigen Eskalation hoch. Wie der Bauernverband weiter erläutert, sind Russland und die Ukraine große Exporteure von Getreide, vor allem von Weizen. Sollte es durch den Krieg zu Einschränkungen in den Häfen am Schwarzen Meer kommen, wären vor allem Märkte in Arabien, Nordafrika und Asien betroffen. Getreide für die EU sei durch eine hohe Eigenversorgung gesichert, immer vorausgesetzt, es stünden im Frühjahr genug Düngemittel zur Verfügung. (mko/dpa)

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